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Filmmaker Mode

Kino im Fernseher

Von Wolfgang Tunze
Aktualisiert am 15.02.2020
 - 14:00
Der neue Modus schaltet alle Fernseheffekte ab.
Eine Software verspricht authentische Filmerlebnisse zuhause. Zweifel sind angebracht. Denn der Filmmaker Mode passt nicht in jede Lebenslage.

Star-Regisseur James Cameron legt sich ordentlich ins Zeug. „Wir leben und sterben für den Film“, sagt er. „Täglich treffen wir 1000 Entscheidungen über den Ton, die Farben, über Licht und Schatten, die Emotionen, die wir transportieren wollen.“ Und all das soll dann, bitte schön, auch beim Zuschauer ankommen. Nicht nur in sorgsam kalibrierten Kinos, sondern auch auf den Bildschirmen zu Hause.

Kollege Martin Scorsese pflichtet ihm bei und erinnert an die Film Foundation, die er 1990 mit Steven Spielberg und einigen weiteren Mitstreitern gegründet hat. Der Verein will die Schätze der Filmgeschichte bewahren, werkgerechte Restaurierungen fördern und für adäquate Vorführbedingungen sorgen.

Jetzt wirbt Scorsese für eine Initiative, der sich ein gutes Dutzend weiterer Hollywood-Größen angeschlossen haben: den Filmmaker Mode, eine cineastische Kalibrierungsnorm für Fernsehgeräte. Die Ultra HD Alliance, ein Industrieclub für schönere Mattscheibenbilder in feinstem Raster, hat das Projekt schon im Herbst des vergangenen Jahres angekündigt. Zur Fachmesse CES im Januar stellte sie Details vor, flankiert von allen Geräteherstellern, die den Filmmaker Mode unterstützen wollen. Dazu zählen LG, Panasonic, Philips und Samsung, Sony ist noch nicht dabei.

An die Vorgaben der Studios halten

Worum geht es genau? Programmbegleitende Metadaten sollen sicherstellen, dass sich die Bildschirme an die Vorgaben der Studios halten. Dazu gehört das Bildseitenverhältnis: Spreizungen, Ausschnittsvergrößerungen und Bildbeschneidungen, für TV-Geräte eine leichte Übung, sind unter dem Gesichtspunkt der Werktreue tabu. Auch den Farbraum, also die Vielfalt und die Definition der auf dem Bildschirm wiedergegebenen Farbtöne, legt der Filmmaker Mode nach Studiovorgaben fest.

So weit, so plausibel. Andere Parameter dürften Diskussionen auslösen, denn sie beinhalten, grob gesagt, die Abschaltung all dessen, was die Gerätehersteller bisher als technischen Fortschritt vermarktet haben. Etwa die Erhöhung der Einzelbildfrequenz durch die Interpolation von Zwischenbildern: In der Kinoproduktion dominiert immer noch eine Folge von 24 Bildern je Sekunde als Standard. Fernseher können daraus zum Beispiel 60 Bilder je Sekunde errechnen, um Flimmern zu vermeiden und schnelle Bewegungsabläufe geschmeidiger erscheinen zu lassen. Die Bildvermehrung auf ruckelfreie 60 Hertz kann sogar schon im Bluray-Player stattfinden.

Ingenieure waren stolz darauf

Auch die Rauschunterdrückung soll im Filmmaker Mode dem Purismus zum Opfer fallen. Auf diese TV-Errungenschaft aber waren Generationen von Ingenieuren stets besonders stolz. Denn unruhige Rausch-Artefakte aus musealen Quellen können den Bildgenuss erheblich trüben. Ihre digitale Glättung allerdings, auch das sei nicht verschwiegen, kann eben auch zu unerwünschter Weichzeichnung feiner Bilddetails führen.

Ein weiterer Punkt ist die Spitzenhelligkeit: Sie wuchs von Gerätegeneration zu Gerätegeneration auf Werte (ausgedrückt in der technischen Einheit Nits), die heute zu den wichtigsten Verkaufsargumenten zählen. 2000 Nits sind in LCD-Fernsehern keine Seltenheit, Spitzenmodelle strahlen noch heller. Und selbst OLED-Bildschirme, die nicht ganz so hohe Helligkeitswerte erreichen, kratzen schon an der 1000-Nits-Marke.

Der Filmmaker Mode nun legt die oberste Grenze für die Helligkeit auf 100 Nits fest. Und er schaltet alle Automatiken ab, mit denen sich die Bildhelligkeit ans Umgebungslicht im Wohnzimmer anpasst. Diese Festlegung zeigt am deutlichsten, worauf der neue Modus abzielt – auf eine kinoähnliche Umgebung in eher dunklen Räumen. Die Kalibrierung im Studio orientiert sich natürlich am rabenschwarzen Kinosaal. Dass 100 Nits hier als Obergrenze passen, muss man gar nicht diskutieren. Nur ist ein TV-Bildschirm ein mediales Utensil in einer anderen Welt, in die auch mal ein Sonnenstrahl eindringt.

Der Filmmaker Mode also passt nicht in jede Lebenslage, und so ist er ja auch nicht gemeint. Man schaltet ihn besser ab, wenn es gilt, nachmittags bei schönem Wetter ein Fußballspiel zu schauen. Das wird womöglich nicht bei allen Geräten auf die gleiche Art funktionieren. Denkbar ist, dass die Hersteller ihren Fernbedienungen eine spezielle Taste für den neuen Kino-Modus spendieren. Womöglich legen sie auch nur einen Menüpunkt an, der die Entscheidung zulässt: Soll der Fernseher automatisch den Filmmaker Mode wählen, wenn programmbegleitende Metadaten ein entsprechendes Signal liefern? Auch die Art des Metadaten-Transports liegt noch nicht in allen Einzelheiten fest. Sicher ist immerhin: HDMI-Anschlüsse reichen die Metadaten weiter – für einen Filmabend nach allen Regeln der Kunst.

Quelle: F.A.Z.
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