Fitnessuhren von Coros im Test

Sport-up

Von Michael Spehr
Aktualisiert am 11.11.2020
 - 14:58
Schlichter Auftritt, schöne Details: Die Pace 2 von Coros misst sogar die Laufleistung per Watt.
Coros bringt eine verblüffend gute Fitnessuhr für relativ günstige 200 Euro auf den Markt. Neben der Pace 2 haben wir auch einen Blick auf das Topprodukt des Start-ups geworfen, die 600 Euro Vertix.

Coros? Noch nie gehört, es gibt nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag zu dem amerikanischen Unternehmen. Coros wurde 2016 in den Vereinigten Staaten nach einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne für einen Fahrradhelm gegründet, siedelte sich zwei Jahre später in Kalifornien an und brachte 2018 eine erste GPS-Sportuhr auf den Markt. In rascher Folge entwickelte das Start-up eine ganze Palette weiterer Uhren, derzeit sind es sechs Modelle.

Wir wurden auf Coros aufmerksam durch das günstigste Modell, die Pace 2 für 200 Euro, die mit einigen spektakulären Merkmalen aufwarten kann: Sie ist mit einem Gewicht von gerade einmal 29 Gramm inklusive Nylonarmband unglaublich leicht. Sie hat eine extrem lange Akkulaufzeit. Bei Protokollierung eines täglichen Sportprogramms und kontinuierlicher Aufzeichnung der Herzfrequenz kann man mit einer einwöchigen Laufzeit rechnen. Die Pace 2 erfasst nicht nur alles das, was auch eine deutlich teurere Garmin misst, sondern sie gehört zudem zu den wenigen Uhren, die sogar eine Leistungsmessung ohne sonstiges Zubehör vornehmen, dabei wird die Laufleistung in Watt angegeben. Koppelt man die Coros mit einem Footpod von Stryd, lassen sich zudem alle Laufmetriken und Laufeffizienz-Messwerte von Stryd nutzen.

Die Pace 2 kommt im Kunststoffgehäuse mit einem wechselbaren Silikonarmband und ist mit einem Durchmesser von 42 Millimetern eher kleiner als ihre Rivalen. Dank einer Dicke von nur 11,7 Millimetern lässt sie sich noch unter einem Hemdärmel tragen. Rückseitig findet man neben den Herzfrequenzsensoren einen Ladeadapter mit drei Pogo-Pins, der jenem von Garmin verblüffend ähnlich sieht. Eine induktive Betankung des Akkus ist also nicht vorgesehen. Bedient wird die Uhr mit der digitalen Krone oben rechts und einer Taste darunter. Die Anzeige mit 240 × 240 Pixel und 64 Farben nutzt nur ein LC-Display, kein Oled, indes bleibt sie stets eingeschaltet und ist auf Knopfdruck beleuchtbar.

Das ist alles gehobene Ausstattung

Zur Inbetriebnahme koppelt man die Uhr mit der Coros-App auf dem Smartphone und nimmt dort weitere Einstellungen vor. Ein Web-Interface zur Auswertung der Sporteinheiten am Bildschirm gibt es nicht. In der App lassen sich Zifferblätter auswählen und Lieblingstrainings festlegen, wobei die Pace 2 nur elf Aktivitäten kennt. Sodann kann man detaillierte Trainingspläne fürs Laufen, Radfahren und Schwimmen erstellen. Das ist alles gehobene Ausstattung.

Die einzelnen Trainings sind mitsamt GPS-Daten, Karte bei Outdoor-Aktivitäten und verschiedenen Metriken sehr schön dargestellt, und beim Laufen sieht man dann tatsächlich die Running Power in Watt über der Zeitachse mit Maximum und Mittelwert. Faszinierend. Dankenswerterweise kann man einzelne Trainingseinheiten exportieren, etwa im Fit- oder GPX-Format.

Die Genauigkeit der Herzfrequenzmessung ist gut bis sehr gut, die Präzision der GPS-Routenaufzeichnung würden wir als sehr gut bezeichnen. Wer eine Sportuhr mit professioneller Metrik und Analytik sucht und nur 200 Euro ausgeben will, kann bei der Pace 2 getrost zuschlagen. Dass man auf manche Extras wie Musikwiedergabe, kontaktloses Bezahlen und anderes verzichten muss, sei nicht verschwiegen. Immerhin zeigt die Uhr auch Push-Nachrichten vom Smartphone.

Neben der Pace 2 haben wir auch einen Blick auf das Topprodukt des Start-ups geworfen, die Vertix, die zu Preisen von 600 Euro an ein Titangehäuse mitbringt, das allerdings an den Seiten mit viel Kunststoff überzogen ist. Das beiliegende, wechselbare Silikonarmband wirkt unangemessen billig, und das Display ist identisch mit jenem der Pace 2, was dann in dieser Preisklasse wirklich nicht mehr geht.

Die große Vertix mit 47 Millimeter Durchmesser und einem Gewicht von 76 Gramm hat mehr Platz für den Akku und hält deshalb noch länger durch, der Hersteller spricht von 45 Tagen. Hinsichtlich App und Bedienung gibt es keine Unterschiede, allerdings unterstützt die Vertix mehr Sportprogramme, und sie misst auch die Sauerstoffsättigung. In dieser Preisklasse würden wir indes eher zu einer Garmin raten.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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