Gimbal von DJI im Test

Führungskraft für Foto und Film

Von Michael Spehr
Aktualisiert am 03.10.2020
 - 14:41
Am OM 4 kommt eine Magnethalterung zum Einsatz.zur Bildergalerie
Ein Gimbal von DJI stabilisiert die Aufnahmen und bietet manches Extra. So kommt eine Magnethalterung zum Einsatz, die sich während unserer Erprobung mit dem großen iPhone 11 Pro Max inklusive Handy-Hülle bewährte.

Vor Jahr und Tag war ein Gimbal ein Gimbal: eine kardanische Aufhängung, wie sie ursprünglich etwa für einen Schiffskompass entwickelt wurde. Verbreitung fand der Gimbal in den vergangenen Jahren in der Kameraeinheit von Drohnen. Die Optik hängt in diesem Fall aber nicht an drehbaren Lagern, sondern an kleinen Elektromotoren, die schnell anspringen. Sensoren messen die Lage und Beschleunigung im Raum, und mit jeder minimalen Änderung werden die Elektromotoren so angesteuert, dass sie die Kamera entgegengesetzt bewegen, um sie in der gewünschten Position zu stabilisieren. Auf diese Weise zeichnet die Drohnenkamera ein ruhiges Bild auf.

Nach den Drohnen zog der Gimbal in die Welt des Videofilms ein und wurde zu einer eigenständigen Gerätegattung, meist für Smartphone-Filmer, die ihre Handyaufnahmen mit ihm stabilisieren. Nun haben wir einen solchen Apparat ausprobiert, der noch eine Stufe weitergeht, weil er die Videos mit etlichen Softwaretricks und einer App schöner und spektakulärer macht. Der OM 4 genannte Gimbal des chinesischen Herstellers DJI löst zudem ein Problem, das Vielnutzer eines solchen Zubehörs regelmäßig zur Verzweiflung treibt: das An- und Abstecken des Smartphones, meist klemmt man es in eine Halterung hinein. Hier kommt nun am OM 4 für 145 Euro eine Magnethalterung zum Einsatz, die sich während unserer Erprobung mit einem großen und 230 Gramm wiegenden iPhone 11 Pro Max inklusive Handy-Hülle bewährte. Das Befestigungssystem lässt die Wahl, ob man einen Magnetring in der Größe einer 2-Euro-Münze auf die Handy-Hülle oder -Rückseite klebt oder einen Magnetadapter mit zwei Backen und Federung ebendort befestigt.

Ist das Smartphone eingespannt und über Bluetooth mit dem OM 4 verbunden, dient die Mimo genannte App als Bedienzentrale, und mit den Bedienelementen am Handgriff des Gimbal kann man das Smartphone präzise mit einer Hand steuern. Die Motoren bügeln Bewegungen und Ruckler aus. Ein Joystick dient zur Handysteuerung, ein seitlich angebrachter Schieberegler übernimmt den Zoom. Rückseitig befindet sich ein Druckknopf, mit dem man unter anderem das Smartphone vom Hochformat ins Querformat drehen kann und umgekehrt. Der Akku hält nach Herstellerangabe 15 Stunden.

Die vermutlich wichtigste Funktion der DJI-Software ist der Active Track, also die Kamera-Nachverfolgung von Mensch und Tier während der Aufnahme. Wahlweise werden diese zunächst auf dem Display markiert und dann nachverfolgt, oder es kommt eine automatische Gesichtserkennung zum Einsatz. Da zum Gimbal jetzt auch ein anschraubbarer Standfuß gehört, kann der Solofilmer den Apparat auf den Tisch stellen, sich während der Aufnahme im Raum bewegen, und die Kamera folgt jedem einzelnen Schritt.

Mit einer Gestensteuerung kann man den Auslöser der Kamera betätigen, drei verschiedene Zeitraffer sorgen abermals für Effekte. Aus der Drohnenfotografie bringt DJI sein 3x3-Panorama aufs Smartphone. Dabei werden neun Aufnahmen automatisch angefertigt, der Gimbal schwenkt das Smartphone zur passenden Position, und die Ergebnisse sind ebenso erfreulich wie die des 240-Grad-Panoramas, das automatisch aus sieben Einzelfotos entsteht. So gesehen lohnt sich ein solcher Gimbal auch für ambitionierte Fotografen, nicht nur für Videofilmer.

Die Nachbearbeitung der Videos erfolgt ebenfalls in der Mimo-App, die Schneiden, Nachvertonen und Verfremden mit ungezählten Effekten erlaubt. Alles in allem hat uns das Gerät einige Freude bereitet.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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