Google Pixel 6 im Test

Schön gegen Samsung und Apple

Von Michael Spehr
25.10.2021
, 18:00
Android pur in schönem Gewand: Die neuen Smartphones von Google, das Pixel 6 und das Pixel 6 Pro.
Google stellt auch Smartphones her. Die selbst entwickelten Pixel-Modelle waren bislang ein Flop. Nun will es der Konzern noch einmal wissen: Wie gut sind das Pixel 6 und Pixel 6 Pro?
ANZEIGE

Erfolgreich war Google mit ihnen nie, aber erfolgreiche Google-Manager haben sie im Einsatz: Die Pixel-Smartphones aus hauseigener Produktion besetzen in der Android-Welt eine sehr kleine Nische. Der Marktanteil ist vernachlässigbar gering, man würde kein Wort darüber verlieren, wenn es nicht neben dem Hersteller Google eine weitere Besonderheit gäbe: Die Pixel-Modelle sind seit jeher die Vorzeigegeräte des amerikanischen Konzerns, sie erhalten neue Android-Versionen besonders früh und selbige sind unverbastelt aufgespielt, also Android pur, wie es sich Google vorstellt.

ANZEIGE

Wir hatten vor einem Jahr das Google Pixel 5 gekauft, das damals als Gerät der oberen Mittelklasse für moderate 600 Euro aufgerufen wurde. Obwohl es aussieht wie ein hässliches Entlein, hat es seither im täglichen Einsatz einen guten Job gemacht: 5G ist an Bord, die Kamera ist besser als man zunächst annimmt und die griffige Rückseite legt es nahe, auf eine schützende Hülle zu verzichten.

Auch die rund anderthalbtägige Akkulaufzeit des Pixel 5 gefällt noch immer. Was am meisten stört: Es gibt keine Entsperrung mit biometrischer Gesichtserkennung, sondern nur einen Fingerabdruckscanner.

Jetzt wird mit zwei neuen Google-Smartphones alles anders. Das Pixel 6 und Pixel 6 Pro sind Schönheiten im edlen Gewand, sie schöpfen diesmal aus dem Vollen und wollen in der Oberklasse mitspielen, obwohl die Preise von 650 Euro fürs Pixel 6 und 900 Euro fürs Pixel 6 Pro mit 128 Gigabyte Speicher deutlich unter jenen der Konkurrenz liegen. Google spendiert hochwertige Materialien, Vorder- und Rückseite sind mit Glas beschichtet.

Den Rahmen bezeichnet Google als „Legierung“, beim Pixel 6 ist er matt gehalten beim 6 Pro sieht er nach Edelstahl aus. Beide Geräte sind nach IP 68 gegen Staub und Wasser geschützt und wirken deutlich edler als ihre Vorgänger.

Edle Erscheinung und hochwertige Materialien

Beide bringen erstmals einen Google-Prozessor mit, die Tensor Processing Unit, die ergänzt wird um einen Titan-M2-Sicherheitschip. Die Anleihen an Apples Systemarchitektur sind unverkennbar. Auch hier soll nämlich der selbstentwickelte Prozessor bei Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen brillieren. So ist es etwa möglich, einen Dolmetschermodus zu starten, der in Echtzeit Englisch, Japanisch und Deutsch übersetzt, und wenn man online ist, auch viele weitere Sprachen.

ANZEIGE

Interessant ist die Möglichkeit, dass die Android-Rekorder-App eine Audioaufnahme in Echtzeit transkribiert und man sich eine Live-Übersetzung etwa von Youtube-Videos einblenden lassen kann. Sowohl Übersetzung wie auch Transkription sind alles andere als perfekt, sondern eher ein Behelf. Wer Ähnliches in der Apple-Welt sehen will, werfe einen Blick auf die App „Just press Record“. Rechtlich im Graubereich dürfte das automatische Übersetzen und Transkribieren von Telefongesprächen sein. Es funktioniert, aber die Übersetzungsleistung ist mangelhaft.

Drei Kameras im Spitzengerät Pixel 6 Pro

Einige während der Vorstellung beworbene Funktionen der neuen Pixel-Modelle funktionieren in Deutschland nicht, darunter das Call Screening, mit dem man sich lästige Werbeanrufe vom Hals halten kann.

Die Kameraabteilung will ebenfalls von Künstlicher Intelligenz profitieren. Die Pixel haben eine 50-Megapixel-Weitwinkelkamera und eine 12-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera. Nur das Pro hat zusätzlich ein Tele mit 48 Megapixel, vierfachem optischen Zoom und 20fachen Digitalzoom. Die rückseitige Kameraeinheit ragt deutlich aus dem Gehäuse hervor und ist originellerweise in einem viereckigen Streifen verbaut, der sich über die gesamte Breite zieht. Erste Probeaufnahmen bringen sehr hochwertige Ergebnisse zutage, und man kann zudem schnell nachbessern, weil die Bearbeitungssoftware im Handy im Vergleich mit dem Pixel 5 noch einmal stark erweitert wurde.

ANZEIGE

Telezoom und realistische Zeichnung von Hauttönen

Der Telezoom des 6 Pro bringt einiges. Wir fotografierten vom FAZ-Gebäude die Spitze des in 500 Meter Luftlinie befindlichen Frankfurter Messeturms und waren verblüfft, wie scharf doch etliche Details dargestellt werden. Die KI erlaubt es zudem, störende Objekte aus dem Bild automatisch zu entfernen, das funktioniert tatsächlich gut, ähnlich wie im Photoshop am PC. Für Langzeitbelichtungen gibt es interessante Lichteffekte, neu ist ferner ein Action-Modus, um dynamische Effekte herauszustellen. Ferner sollen die Hauttöne von Menschen besonders realistisch dargestellt werden. Enttäuschend wiederum ist die Qualität von Aufnahmen mit Langzeitbelichtung bei wenig Licht, hier fällt das Pixel weit hinter ein iPhone 13 zurück.

Das Pixel 6 Pro ist zwar nur ein bisschen größer als sein Geschwister, aber das Display zeigt mit 3120 x 1440 Pixel deutlich mehr; beim kleinen Modell sind es nur 2400 x 1080 Pixel. Die Darstellung ist brillant und auf Oberklasseniveau. Allerdings bietet nur das große Pixel 6 Pro eine Bildwiederholrate von 120 Hertz, das kleine schafft 90 Hertz.

Warum Android 12 nicht gefällt

Der Akku lässt sich induktiv betanken, ein Ladegerät gehört jedoch nicht zum Lieferumfang. Mit der Schnellladefunktion ist der Akku in einer halben Stunde zur Hälfte befüllt. Die Akkulaufzeit reicht leider, auch wegen des besseren Displays, nicht ganz an den Vorgänger Pixel 5 heran. Über den Tag kommt man indes immer. Beide Geräte unterstützen keine Speicherkarten, das 6 Pro ist indes auch mit 256 Gigabyte Speicher lieferbar. Die Sim-Karte kann um eine E-Sim ergänzt werden. Wie beim Pixel 5 fehlt abermals die biometrische Entsperrung mit Gesichtserkennung. Der Fingerabdruckscanner ist von der Rückseite auf die Vorderseite gerückt und ins Glas eingelassen. Er funktioniert gut.

Android 12 kommt auch auf andere Smartphones. Das neue Betriebssystem begeistert uns nicht. Sein Design mit verschiedenen Akzentfarben und neu gestalteten Widgets wirkt uninspiriert und verzichtet auf Raffinesse. Die Schaltflächen des Kontrollzentrums sind klobig und die Farbschemata jungmädchenhaft. Hier fehlt es an Kraft und Entschlossenheit.

Insgesamt haben uns das Pixel 6 und Pixel 6 Pro sehr gut gefallen. Dieser Vorstoß in die Oberklasse kann ein Erfolg werden. Wer das verbastelte Android eines Samsung-Gerätes nicht mag, erhält hier für einen angemessenen Preis eine solide Alternative, mit der man nichts verkehrt macht. Auch das Versprechen Googles, Sicherheitsupdates für fünf Jahre zu liefern, macht die Kaufentscheidung leicht.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
FacebookTwitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE