Update für die Canon EOS M50

Hochkant ins Netz

Von Wolfgang Tunze
24.05.2021
, 08:37
Schussbereit: Canon EOS M50 MkII mit externem Mikrofon
Sony hat den Vloggern schon ein passendes Werkzeug an die Hand gegeben. Canon zieht nun nach. Das Einsteigermodell EOS M50 ist modernisiert worden und bietet nun fast alles, was das Herz der Netzgemeinde erwärmen dürfte.

Vor einem Jahr entdeckte Sony eine neue Kunden-Spezies: den Vlogger, gelegentlich auch Content Creator genannt. Was tun solche Zeitgenossen? Ganz einfach. Sobald eine Kamera in Reichweite ist, bloggen, streamen, sharen und posten sie, bis dem Akku die Puste ausgeht. Sony hat der Vlogger-Szene damals ein passendes Werkzeug an die Hand gegeben, in Gestalt der handlichen Kamera ZV-1, die uns mit etlichen, auf schnelle Schüsse, schöne Selfies und komfortable Netzanbindung zugeschnittenen Eigenschaften gut gefallen hat. Bis auf zwei Details. Für Aufnahmen in heller Umgebung hätten wir uns einen Sucher gewünscht, und für entfernte Motive fanden wir den Zoom-Bereich zu knapp.

Canon bietet jetzt Abhilfe. Der Hersteller hat seine Einsteiger-Systemkamera EOS M50 modernisiert und legt sie nun als M50 MkII der Netzgeneration ans Herz. Direktvergleiche mit dem Sony-Modell hinken freilich. Die Neue von Canon kann sich mit passenden Objektiven auf jede Brennweite einschießen, und weil ihr Korpus folglich auch etwas größer sein darf, kann sie sich einen Bildsensor im APS-C-Format leisten; Sonys ZV-1 setzt, wie in der Kompaktklasse üblich, auf einen kleineren 1-Zoll-Chip.

Doch die Zielgruppe haben beide gemeinsam, Canon peilt sie mit verschiedenen Kameraeigenschaften an. Dazu zählt etwa der Monitor, der sich über ein zweiachsiges Gelenk so drehen lässt, dass er auch für vertikale Selfies funktioniert. Videoaufnahmen im Hochformat bekommen Metadaten auf den Weg, damit sie auch bei der Wiedergabe hochkant auf dem Bildschirm erscheinen. Wenn sie soll, filmt die Canon in 4k-Auflösung mit 3840 mal 2160 Bildpunkten, aber höchstens mit 30 Einzelbildern je Sekunde. Über einen HDMI-Anschluss kann die Kamera die Videos in voller Auflösung ausgeben. Auch im Clean-Modus, also ohne Display-Informationen. So taugt sie ebenso als Webcam. Dazu braucht sie jedoch einen Adapter, der das HDMI-Signal über eine passende Buchse entgegennimmt und über einen USB-Stecker an den Computer ausgibt. Der Rechner kann die Kamera als Bildquelle wählen und zum Beispiel Konferenzprogrammen wie Zoom oder Microsoft Teams zur Verfügung stellen. Allerdings begrenzt der Adapter die Auflösung. Er nimmt zwar 4k-Videos entgegen, gibt sie aber nur im Full-HD-Format weiter.

Mindestens 6 Megabit je Sekunde

Drahtlos lässt sich die Canon zudem mit der Außenwelt vernetzen. Über W-Lan etwa kann sie den Cloud-Dienst image.canon erreichen und Live-Aufnahmen an Youtube streamen, vorausgesetzt, der Router kann mindestens 6 Megabit je Sekunde hochladen. Und der bespielte Youtube-Kanal muss mindestens 1000 Abonnenten haben. Über den Cloud-Service lassen sich Fotos zudem automatisch ablegen und für begrenzte Zeit in voller Auflösung speichern. Jeder Browser kann dieses Online-Archiv erreichen, die Bilder als Diaschau zeigen, herunterladen oder an soziale Netzwerke schicken.

Wir haben die Canon mit einem Zoom-Objektiv ausprobiert, das den Brennweitenbereich 18-150 Millimeter abdeckt, was, auf Kleinbild umgerechnet, einem Zoom von 29 bis 240 Millimetern entspricht. So ausgerüstet, wiegt das Kamera-Set etwa 640 Gramm, liegt also noch recht leicht in der Hand. Der eingebaute Schwenk-Monitor unterstützt mit seiner hohen Auflösung und seiner Touchscreen-Funktion alle Bedienschritte sehr gut. Der OLED-Sucher zeigt die Motive hinreichend scharf. Der Autofokus erweist sich als schnell und sicher, die Fokus-Nachführung leistet im Fotobetrieb, was sie soll. Im 4k-Videomodus verliert sie etwas an Tempo und bleibt hinter ihren Foto-Fähigkeiten zurück. Dass die Kamera zehn Einzelbilder je Sekunde schießen kann, ist hinreichend flott, auch wenn andere Modelle, etwa die kleine Sony, in dieser Disziplin noch mehr Tempo machen.

Mit der Bildqualität sind wir zufrieden: schöne, natürliche Farben und scharfe Konturen. Der Ton geht in Ordnung, für Videoproduktion empfiehlt sich ein externes Mikrofon, das sich über eine Klinkenbuchse anschließen lässt. Canon bietet ein passendes Modell als Teil eines Vlogger Kits an. Zusammen mit einem Tischstativ, Starterobjektiv mit 15 bis 45 Millimeter Brennweite und einer 32-Gigabyte-Speicherkarte kostet die Ka­mera um 790 Euro, der Kamerakorpus allein ist online derzeit für rund 600 Euro zu haben.

Quelle: F.A.Z.
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