Huawei Matepad Paper im Test

Aus Lust am Lesen

Von Michael Spehr
03.08.2022
, 11:05
Ein neues Huawei-Tablet mit E-Ink-Display dient nicht nur als elektronischer Bücherschrank. Auf ihm läuft Android-Software, allerdings mit einer Einschränkung.
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Sie sind die Helden des Sommers, Lesegeräte für elektronische Bücher mit E-Ink-Display und erste Tablets, die ebenfalls diese besondere Anzeigetechnik verwenden. E-Ink oder auch „elektronisches Papier“ hat den Vorteil hoher Kontraste und langer Akkulaufzeit. Zudem soll sich das Schreiben mit dem Stift wie auf echtem Papier anfühlen. Die Technik hat jedoch auch Nachteile. Die Darstellung ist träge, die Bildwiederholrate liegt bei ungefähr 15 Hertz, ein Smartphone hat mindestens 60. Videos schauen ist deshalb kein Vergnügen, zumal die meisten Geräte auch nur Schwarz-Weiß oder Graustufen zeigen.

Farbige E-Ink-Anzeigen sind eine seltene Ausnahme, unlängst hatten wir hier das Nova Air C von Boox vorgestellt. Nun erreichte uns von Huawei ein E-Ink-Tablet, das Matepad Paper mit einer monochromen Anzeige, die sich über 10,3 Zoll erstreckt. Stift und Hülle sind im Lieferumfang enthalten, das Paket kostet 500 Euro.

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Die Hardware wirkt hochwertig, und der chinesische Hersteller hat manche Raffinesse eingebaut, die man anderswo nicht findet. Etwa für Internettelefonie und Audioanwendungen zwei Lautsprecher und vier Mikrofone, einen biometrischen Fingerabdruckscanner in der Einschalttaste an der Oberseite, W-Lan und Bluetooth sowie 64 Gigabyte Speicher für Nutzerdaten plus vier Gigabyte RAM. Der Akku des Matepad Paper wird per USB C geladen und bietet beim Lesen eine Laufzeit von mehr als 25 Stunden und beim Abspielen von Hörbüchern rund neun Stunden nach Herstellerangabe.

Die Anzeige löst mit 1872 x 1404 Pixeln auf und unterscheidet allein zwischen Schwarz und Weiß. Die zusätzliche Beleuchtung lässt sich in 32 Stufen einstellen, und natürlich ist die Anzeige berührungsempfindlich, sonst würde der Stift nicht funktionieren. Dieser dockt magnetisch an der rechten Seite an und wird induktiv geladen.

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Bereich für handschriftliche Notizen

Da Huawei seit dem Trump-Bann die Google-Dienste nicht mehr in seinen Geräten verwenden darf, kommt das hauseigene Betriebssystem Harmony OS zum Einsatz. Die Bedienung erfolgt mit den üblichen Android-Streichgesten über die Anzeige. Das Startmenü zeigt einen Bereich für handschriftliche Notizen, den Buch-Shop von Huawei sowie bereits aufgespielte Apps, darunter Browser, E-Mail-Software, Kalender, Taschenrechner und Audiorekorder.

Zunächst lasen wir Bücher. Die Darstellung ist gut, reicht aber nicht an die eines Kindle Oasis von Amazon heran. Wie bei jedem E-Ink-Tablet muss man sich an die geringe Reaktionsgeschwindigkeit gewöhnen. Beim Schreiben handschriftlicher Notizen stellt sich ein gutes Schreibgefühl ein, allerdings ist der Remarkable 2 in dieser Hinsicht besser. Eine Erkennung der Schrift und Umwandlung in Text ist ebenfalls implementiert. Da die Rückseite des Tablets glatt ist, rutscht es gegebenenfalls über den Tisch. Der auf der Anzeige aufliegende Handballen ist kein Problem.

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Gut verarbeitet und hinreichend schnell

Dank W-Lan und dem vorinstallierten Browser kommt man schnell ins Internet. Wer ein werbefreies oder werbearmes Leseerlebnis im Netz sucht, muss allerdings einen anderen Browser installieren, etwa Firefox. Hier ist dann viel Geduld beim Installieren von Android-Apps ohne Googles Play Store angesagt, und gefährlich ist dieser „Sideload“ ebenfalls. Man muss der entsprechenden Anbieterseite vertrauen. Zu den mitgelieferten Apps gehören immerhin die Kin­dle-App von Amazon und die von Tolino zum Lesen der E-Books anderer Ökosysteme sowie WPS Office mit Textverarbeitung, Präsentationssoftware und Tabellenkalkulation. Um das Matepad als Arbeitsgerät zu nutzen, benötigt man indes eine Bluetooth-Tastatur. Die virtuelle Bildschirmtastatur bringt einen überaus peinlichen Fehler mit: Es fehlt das Semikolon.

Insgesamt ist das Matepad Paper ein gut verarbeitetes und hinreichend schnelles Tablet, dem leider der Google Play Store fehlt. Verblüffend gut liefern Lautsprecher und Mikrofon ab. Hier merkt man die Erfahrung Huaweis im Bau von Tablets. Wie bei allen E-Ink-Geräten sollte man wissen, wo die Grenzen des Einsatzes liegen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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