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Infotainment Mercedes E-Klasse

Jetzt machen die uns ein E für ein A vor

Von Michael Spehr
 - 22:17

Sieht so aus wie, ist es aber nicht. Immer wieder werden wir gefragt, ob dass das neue M-Bux von Mercedes-Benz sei. Dieses spektakuläre Infotainmentsystem debütierte im vergangenen Jahr in der A-Klasse. Wir bewegten indes die E-Klasse, hier ist M-Bux noch nicht angekommen. Aber auf dem Weg dorthin hat Mercedes-Benz sein betagtes Comand Online noch einmal so aufgehübscht, dass es kaum wiederzuerkennen ist. Wie bei M-Bux dominieren zwei riesige Anzeigen den Innenraum, wenn man das Widescreen Cockpit und das Media Display (für jeweils 1000 Euro) wählt. Zweimal 12,3 Zoll messen die Monitore, der linke ist für die klassische Cockpit-Darstellung mit Tachometer und Drehzahlmesser zuständig, der rechte für sämtliche Kommunikationsdienste.

Die Nähe zu M-Bux entsteht jedoch nicht nur durch die schiere Größe der Anzeigen, sondern auch durch die Lenkradtasten aus der A-Klasse sowie die an M-Bux orientierten Menüs und Symbole. Navigation, Radio, Medien, Telefonie, Office und Connect heißen die Hauptabteilungen, die sich mit dem Controller anwählen lassen – oder mit physischen Tasten unterhalb der Bedienelemente für die Klimatisierung des Fahrzeugs. Unterschiede zu M-Bux entdeckt man, sobald der Smartphone-Freund die Anlage mit dem Finger auf dem Display bedienen will. Das funktioniert hier nicht. Schade eigentlich, denn Android Auto und Apple Carplay müssen deshalb allein mit dem Controller bedient werden, wofür sie nicht gemacht sind.

Die Bedienung des modernisierten Comand Online setzt auf größtmögliche Flexibilität. Man kommt auf verschiedenen Wegen zum Ziel, kontextabhängige Menüs finden sich nun auf der rechten Displayseite mit dem Nachteil, dass reichlich vorhandener Platz auf dem Hauptbildschirm nicht genutzt wird und man selbst für triviale Funktionen wie den Titelsprung oder das Pausieren der Musikwiedergabe zunächst in dieses Menü gehen muss. Wie gehabt, kommt auch eine Spracherkennung zum Einsatz. Sie ist allerdings nicht so flexibel und leistungsfähig wie ihre jüngere Schwester in M-Bux, vermag aber durchaus zu überzeugen.

Das Navi hat eine neue Kartendarstellung erhalten, sie wirkt frischer und bietet die Anzeige von Echtzeit-Verkehrsinformationen für jede einzelne Straße. Eine Mobilfunk-Sim-Karte mit LTE-Mobilfunkmodul gehört zur Serienausstattung jeder neuen E-Klasse. Die Verkehrsdaten können in den ersten drei Jahren nach der Zulassung unentgeltlich genutzt werden. Mit LTE kommen nicht nur Stauinfos ins Auto, sondern auch zusätzliche Anwendungen rund um Mercedes Me. Mit dem mobilen Office im Fahrzeug kann man beispielsweise Ortsangaben im Bürokalender als Navi-Ziel übernehmen.

Für einen Aufpreis von 240 Euro lässt sich die E-Klasse mit einer Qi-Ladestation zum kabellosen Betanken des Smartphone-Akkus ausrüsten. Das große iPhone XS Max liegt nicht plan in der Halterung, wird aber trotzdem geladen. Allerdings führt die in der Station vorhandene NFC-Anbindung regelmäßig zu dem Problem, dass beim Hineinlegen der Bezahldialog von Apple Pay auf dem Handy-Bildschirm erscheint. Der NFC-Funkchip wird vermutlich und irrtümlich als Bezahlterminal angesehen. In einem Untermenü von Comand kann man NFC deaktivieren, damit ist das Problem gelöst.

Alles in allem ist das jüngste Comand Online wirklich gut geworden, aber M-Bux ist in fast jeder Hinsicht besser und noch weitaus flexibler. Für die Cockpitanzeige gibt es nur drei unterschiedliche Bildschirmeinstellungen, weitergehende Anpassungen wie in der A-Klasse sind nicht vorgesehen, auch nicht die Einblendung der Navi-Karte hinter Tacho und Drehzahlmesser.

Das leidige Comand-Problem, dass man die akustischen Fahrhinweise nicht permanent ausschalten kann, bleibt in der E-Klasse ebenfalls bestehen. Wer ein M-Bux-Fan ist, kaufe also die A-Klasse, die neue B-Klasse, den CLA oder den GLE von Mercedes-Benz oder warte, bis auch die E-Klasse mit der neuesten Spitzentechnik ausgerüstet ist.

Quelle: F.A.Z.
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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