Shure Aonic 50 im Test

Sicher doch

Von Marco Dettweiler
01.09.2020
, 10:05
Und noch ein kabelloser Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung? Ja, und was für einer! Der Aonic 50 von Shure überzeugt auf Anhieb. Dabei ist er auf den ersten Blick ein unauffälliger Vertreter seiner Art.

Das Niveau ist hoch. Ob Sennheiser, Sony, Bose, Beats, AKG, Beyerdynamic oder Bang & Olufsen: Alle haben einen kabellosen, die Ohren umschließenden Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung im Angebot, der gut klingt, ordentliches Noise Cancelling (Geräuschunterdrückung) hat, meist komfortabel sitzt und schick aussieht. Selbst der Preis mit durchschnittlich 400 Euro ist ähnlich. Deshalb ist die häufig gestellte Frage von Freunden, welchen Kopfhörer sie sich kaufen sollen, nur schwer zu beantworten. Und jetzt hat auch noch Shure den Aonic 50 auf den Markt gebracht.

Von den von der Redaktion bisher erprobten Modellen gefällt der Klang dieses Kopfhörers am besten. Der Aonic 50 kann noch etwas mehr beeindrucken, als es der Momentum Wireless von Sennheiser, H9 von Bang & Olufsen und WH-1000 XM3 von Sony bisher getan haben. Das liegt vermutlich an der Klangphilosophie von Shure, welche die Entwickler beibehalten haben. Das amerikanische Unternehmen kommt aus dem Profibereich und versorgt seit Jahrzehnten viele Musiker mit Mikrofonen und In-Ear-Monitoren.

Der Aonic 50 spielt neutral, präzise, ausgewogen. Und mitreißend. Das liegt vor allem an der Abstimmung im Tiefenbereich. Shure hat es geschafft, exakt den Bass so abzustimmen, dass er schön konturiert und knackig die Lieder trägt und nach vorne bringt, ohne sie ins Dumpfe zu drücken. Die Stimme hat Platz und die Höhen Luft. Bei Rock, Pop und Elektro setzt jederzeit der gewünschte Kopf-Nick-Effekt ein. Anderseits ist der Sound auch angenehm unaufgeregt und vermeidet es, mit übertriebenen Effekten die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Nun ist Klang nicht alles bei Kopfhörern. Sie sollen ebenso zuverlässig die Außengeräusche unterdrücken. Auch hier gibt es aber nichts zu meckern. Wie bei der Konkurrenz lässt sich das Cancelling in drei Stufen regulieren: Aus, halb durchlässig für Stimmen oder möglichst volle Geräuschunterdrückung. Die beiden letzten Modi können über eine App noch angepasst werden. Überraschenderweise rauscht der Aonic 50 leicht im Umgebungsmodus, also wenn man Stimmen und anderes noch deutlich hören soll, und nicht im vollen NC-Modus, was eigentlich bei vielen Kopfhörern mit Noise-Cancelling der Fall ist.

Auch wenn man nicht umhinkommt, Sony und Bose das etwas bessere Noise Cancelling zu attestieren, schmilzt der Abstand zur Konkurrenz deutlich. So schottet der Aonic 50 in den meisten Umgebungen den Nutzer zuverlässig und weitestgehend von der Außenwelt ab.

Neben Klang und Noise Cancelling beeinflusst der Tragekomfort die Bewertung solcher Kopfhörer. Schließlich sollte man sie stundenlang aufsetzen können, wenn sie schon einen universellen Charakter haben. Auch in diesem Punkt liefert Shure ein sehr gutes Ergebnis. Man kann den Aonic 50 stundenlang tragen. Er drückt weder auf die Ohren noch auf den Schädel. Das Gegenteil ist leider mitunter bei Kopfhörern der Konkurrenz der Fall, die in punkto Klang und Noise Cancelling überzeugen konnten und eben beim Tragekomfort nicht.

Das Einzige, was man Shure vorwerfen könnte, ist das Aussehen des Aonic 50. Viel gewagt haben die Designer hier nicht. Der Kopfhörer sieht etwas langweilig aus. Die Designer könnten sich höchstens damit herausreden, dass der Kopfhörer klassisch aussehen soll, wofür die einzigen Farben – Schwarz und Braun – sprechen. Der offizielle Preis von 430 Euro ist etwas hoch angesetzt. Doch man bekommt ihn fast überall für die üblichen 400 Euro. Wer einen ohrumschließenden Kopfhörer mit Noise Cancelling sucht, sollte sich auf jeden Fall mit dem Aonic 50 beschäftigen. Wahrscheinlich ist die Suche dann schon beendet.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Dettweiler, Marco
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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