Kompaktkamera Fujifilm X-E4

Schnappschüsse und Selfies

Von Hans-Heinrich Pardey
05.06.2021
, 15:05
Einfach und verzwickt zugleich: Klassische Bedienung und ein etwas hakeliger Klapperatismus des Displays bei der Fujifilm X-E4.
Die Fujifilm X-E4 erinnert an Kleinbildkameras, die Japans Industrie in den Sechziger- und Siebzigerjahren baute. Zurück zum Wesentlichen, lautet also die Devise. Diese Kompaktkamera führt uns Vereinfachung als Fortschritt vor Augen.

Wie Hersteller Modellreihen fortentwickeln, kann manchmal verblüffen. So ist das auch mit der X-E4 von Fujifilm. Verglichen mit der X-E3 wurde das aktuelle Modell mit 26 statt 23 Megapixel des Sensors ohne Shift zur Bildstabilisierung, mit einem klappbaren Monitor und weiteren Filmsimulationen (das sind vor allem die Farbigkeit und Durchzeichnung beeinflussende Bildstile) aufgewertet. Zugleich wurde die Kamera einer äußeren Überarbeitung unterzogen, die sie weitaus deutlicher als erwartet vom Vorgängermodell unterscheidet: Bei kaum geänderten Maßen hat sich die Bedienungsoberfläche zwar nicht grundsätzlich, jedoch deutlich im Detail verändert.

Innerhalb Fujis erfolgreichem Portfolio von Kameras mit APS-C-Sensor bildet die X-E-Reihe die Mittelklasse, oberhalb des günstigeren Einstiegs mit einer X-A und unterhalb der sich auch äußerlich deutlich unterscheidenden X-S10 oder X-T4. Nicht selten heißt es, die X-E4 sei eine Kamera im Design einer Sucherkamera. Das ist insofern lustig, als sie im Gegensatz zur Fuji X-100 gar kein Sucherfenster in der Front, wohl aber einen elektronischen Sucher hat. Gemeint ist: Der X-E-Baureihe fehlt ein Prismengiebel, der zwar bei der X-T4 auch kein – weil bei einer Spiegellosen völlig überflüssiges – Prisma beherbergt, ihr aber die Anmutung einer Spiegelreflex gibt.

So geradlinig-glatt und kompakt, wie nun die X-E4 mit dem Pancake, dem flachen Fujinon XF 1:2,8/27mm WR (WR meint Wetterfestigkeit) auf dem Tisch steht, erinnert sie stark an Generationen von Kleinbildkameras, die Japans Industrie in den Sechziger- und Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts baute: Minoltas Hi-Matic, Canons Canonet oder die Olympus 35 samt ihren Varianten und Kopien waren Belichtungsautomaten, vielfach mit Messsucher. Sie sahen einander recht ähnlich und hatten eine fest verbaute lichtstarke Kleinbild-Brennweite von um die 40 Millimeter. Als Wechselobjektiv entspricht das XF 27mm diesem Wert an der X-E4 fast exakt und macht sie als Normalobjektiv mit erweitertem Bildwinkel für rund 1200 Euro (Gehäuse: knapp 900 Euro) zur Schnappschusskamera.

Kompakter Begleiter für den Schnappschuss zwischendurch: Fujifilm X-E4
Kompakter Begleiter für den Schnappschuss zwischendurch: Fujifilm X-E4 Bild: Hans-Heinrich Pardey

Dass Fuji bei der Neugestaltung das hintere Drehrad, drei von ehemals acht Tasten an der Rückseite, das Daumenpolster dort sowie die Vorwölbung an der Front und den AF/MF-Schalter kassiert hat, stuft die X-E4 keineswegs zur Einsteigerkamera zurück. Die Veränderungen machen auch nicht den Zukauf des Haltegriffs und der – eine Taste oben auf dem Gehäuse verdeckenden – Daumenstütze zwingend.

Mit dem flachen Objektiv bestückt, greift sich das neue Gehäuse prima. Die klas­sische Bedienung mit Zeitenrad und Blendenring blieb erhalten, der schnelle Hybridautofokus mit seinen 425 gruppierbaren Messpunkten aus der Oberklasse des X-Systems ist an Bord. Was will man mehr? Vielleicht ein etwas weniger hakeliges Display. Es lässt sich – um den Preis einiger Verrenkungen – in Selfie-Position nach vorn klappen. Die X-E4 ist noch mehr als ihre Vorgängerin ein Fotoapparat, ausgesprochen sympathisch.

Quelle: F.A.Z.
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