Kopfhörer und Player von Sony

Moritas Erbe

Von Wolfgang Tunze
24.05.2022
, 10:08
Da spielt zusammen, was zusammengehört: Der neue Walkman von Sony zusammen mit einem High-End-Kopfhörer.
Der Walkman lebt. Als High-End-Ikone und mobiles Schwergewicht. Wir haben dem jüngsten Spross der Player-Dynastie zusammen mit einem Luxus-Kopfhörer gelauscht.
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Als Sony-Gründer Akio Morita vor 43 Jahren den ersten Walkman der Welt vorstellte, rotierte im Inneren des mobilen Musikanten eine Magnetband-Kassette. Heute, viele Technik-Generationen später, gibt es die Nachfahren der Walkman-Sippe noch immer. Die Idee vom Musikspaß unterwegs hat überlebt – daran hat auch das Ende des iPods und anderer ambulanter Unterhalter nichts geändert.

Für die jüngste und spektakulärste Ausgabe des Walkman allerdings wäre die Hosentasche ein gewagtes Behältnis: Das mächtige Stück Elektronik zieht den Hosenbund mit einem Gewicht von einem knappen Pfund in die Tiefe – da muss das Beinkleid schon sicher sitzen. Mithin ist klar, wo Sony die ökologische Nische für das Walkman-Überleben verortet: In den Gefilden des High End, wo Kompromisse nichts zu suchen haben.

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Das äußert sich in vielen Details des neuen, NW-WM1ZM2 genannten Players: Sein mächtiges, vergoldetes Gehäuse fräst der Hersteller aus einem massiven Block aus reinem Kupfer. Neben dem üblichen 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss für einen gewöhnlichen Kopfhörer gibt es auch eine größere Buchse, wo High-End-Hörer mit symmetrischem Anschluss andocken können. Diese Art der Signalführung steht für die Musikübertragung mit geringeren Dreingaben wie Rauschen und Verzerrungen. Und die eingebauten Buchsen beziehen ihre Signale nicht etwa über dünne Leiterbahnen einer Platine, sondern über kräftige, abgeschirmte Kabel. Puristischen Philosophien folgt auch die Auslegung der Elektronik. Spezielle Polymer-Kondensatoren in der Stromversorgung, sagt der Hersteller, laufen erst nach einer Einspielzeit von 200 Stunden zu ihrer Höchstform und damit zu ihren feinsten Beiträgen zur Klangqualität auf.

Der Walkman NW-WM1ZM2 kostet um 3600, der Kopfhörer MDR-Z1R um 1800 Euro.
Der Walkman NW-WM1ZM2 kostet um 3600, der Kopfhörer MDR-Z1R um 1800 Euro. Bild: Hersteller

Mechanische Relais übernehmen die Stummschaltung des symmetrischen Ausgangs, erkennbar an hörbarem Klicken. Die üblichen schaltenden Halbleiter, so das Argument für diese Lösung, könnten sich mit Rauschen oder Verzerrungen ins Klanggeschehen einmischen. Die eingebauten Schalt-Verstärker verarbeiten neben den üblichen PCM-Digitalsignalen auch Einbit-Datenströme in DSD; wenn sie sollen, konvertieren sie sogar PCM- in DSD-Musik, wovon sich manche High-End-Adepten weitere subtile Klangvorteile versprechen. Musiksignale in höchsten Auflösungen sind für den Player kein Problem, auf alle gängigen Codierungen versteht er sich ebenso, selbst mit der exotischen MQA-Signalaufbereitung kommt er zurecht.

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Platz für üppiges mobiles Musikrepertoire

Wer mag, kann sogar in Analog-Nostalgie schwelgen: Eine spezielle Kosmetik-Schaltung simuliert vinyltypische Resonanzen und Abtastgeräusche. Für gröbere Eingriffe ins Klanggeschehen hält sich ein zehnbandiger Equalizer bereit. Das mobile Musikrepertoire darf gern üppig ausfallen: Der eingebaute Datenspeicher fasst 256 Gigabyte, und wenn das nicht reicht, hilft eine Micro-SD-Karte weiter, für die der Player an seiner linken Seite einen verdeckten Schacht bereithält. Die Bluetooth-Übertragung an Drahtlos-Kopfhörer zählt zwar nicht zum Kern seiner High-End-Mission, aber der Vollständigkeit halber bietet der Walkman sie an. Ein LDAC genannter Codec soll selbst diesen Übertragungsweg veredeln. Eine weitere Betriebsart verdient ebenfalls Erwähnung: Über ein USB-C-Kabel kann der Player Digitalsignale von einer externen Quelle entgegennehmen und über seine eingebauten Wandler abspielen – etwa für die Wiedergabe eines Musikarchivs im Notebook.

Der NW-WM1ZM2 ist der direkte Nachfahre eines äußerlich ganz ähnlichen Modells, das Anfang 2017 auf den Markt kam. Der allerdings musste noch ohne Vernetzung auskommen; beim neuen Walkman ist das anders. Er arbeitet mit dem Betriebssystem Android 11, verbindet sich über WLAN mit dem Internet und hat damit Zugriff auf das ganze App-Sortiment der Google-Welt. Folglich kann er auch die üblichen Streamingdienste anzapfen, und wer mag, kann auf dem 5 Zoll großen, 1280 × 720 Pixel auflösenden Touchscreen auch Videos gucken. Beim Vorgänger reichte das Bildschirmraster nur für die Darstellung der Funktionen.

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Ein Gespann für distinguierte Genießer

Für unsere Hörproben haben wir den neuen Walkman mit einem kongenialen Kopfhörer verheiratet, dem MDR-Z1R, der in einer repräsentativen, satingefütterten Kiste geliefert wird. Er lässt sich über ein passendes, versilbertes Kabel symmetrisch mit dem Player verbinden. Siebartige Abdeckungen seiner Hörkapseln verraten die offene Bauweise, darunter sitzen, zur Förderung der Räumlichkeit schräg eingebaut, die Schallwandler. Eine 7 Zentimeter große, konzentrisch aufgebaute Membran, die in ihrer Mitte eine kleine Magnesiumkalotte trägt, macht die Musik. Wenn die Datenblätter stimmen, kann dieses Konstrukt Töne bis zur Höchstfrequenz von 120 Kilohertz wiedergeben, allerdings profitieren menschliche Ohren von dieser Eigenschaft allenfalls indirekt. Der Sitz dieses mächtigen Hörgeräts ist an Bequemlichkeit kaum zu überbieten: Weiches Schafsleder bedeckt den breiten Kopfbügel und die üppigen Ohrpolster.

Und wie musiziert das opulente Gespann? So souverän, fanden wir, wie es sich schon äußerlich gibt. Die Elektronik des Players liefert die Basis für höchste Transparenz und Klarheit, der Hörer setzt angemessen um, was er über den symmetrischen Signalweg bezieht. Sein feines Differenzierungsvermögen kann selbst die Nuancen zwischen Musikkonserven in Standard- und in höchsten Auflösungen hörbar machen, zarte Obertöne klingen leichtfüßig und frei. Auch die Tiefton-Wiedergabe des Hörers hat uns gut gefallen – nicht so sehr, weil sie akustisches Muskelspiel verkörpert, sondern weil sie bis hinab zu den tiefsten Frequenzen trocken und schlank reproduziert, was die Musiksignale vorgeben. Man müsste schon unter den besten Elektrostaten suchen, um Kopfhörer zu finden, die noch feiner und luftiger aufspielen.

All dies hat seinen Preis: Der Walkman NW-WM1ZM2 kostet um 3600, der Kopfhörer MDR-Z1R um 1800 Euro. Wer braucht Gerätschaften dieser Klasse? Sicher nicht der gehetzte U-Bahn-Fahrer auf dem Weg zur Arbeit. Eher schon der distinguierte Genießer, der noch zu reisen versteht wie weiland Hercule Poirot im Orientexpress.

Quelle: F.A.Z.
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