Ladestation im Test

Gegen das häusliche Strippenchaos

Von Michael Spehr
05.09.2020
, 08:12
Haushalte mit mehreren Personen kennen das Problem: Wer kann und darf was wo laden? Multiport-Netzgeräte oder eine originelle Ladestation von Pitaka können helfen.

Wer viele elektronische Kleingeräte wie Smartphone, Tablet oder Kopfhörer im Haushalt verwendet, kennt die Probleme rund um die Betankung ihrer Akkus. Ständig ist man auf der Suche nach dem richtigen Ladegerät, kämpft mit anderen Hausbewohnern um die verfügbaren Steckdosen und ärgert sich über den Kabelverhau, der auf Regalen und anderen Ablageplätzen rund um die Ladegeräte entsteht.

Eine Lösung kann darin bestehen, ein Multiport-USB-Ladegerät einzusetzen. Solche Produkte mit 40 oder 60 Watt besetzen nur eine einzige Steckdose und bieten mehrere USB-Ausgänge mit verschiedenen Ausgangsleistungen und Ladestandards. Ein Powerport des Herstellers Anker für 40 Euro hat vier herkömmliche USB-Anschlüsse und einen mit USB-Typ-C. An Letzterem kann man mit bis zu 30 Watt laden, gegebenenfalls auch ein Notebook. Von der Basiseinheit führen also maximal fünf Kabel für fünf Geräte ab, und wer das Ladegerät verstecken will, kann beispielsweise bei Ikea die Kvissle genannte Metallbox erwerben, die in ihrem Innern das Ladegerät beherbergt und über einen Korkdeckel die Anschlusskabel nach außen führt. Auf diese Weise ist das Strippenchaos ein wenig reduziert.

Eine weitere Möglichkeit sind Ladestationen, die es in Dutzenden von Variationen etwa bei Amazon gibt. Sie vereinen mechanische Halterung, Ladegerät und Kabelzuführung, bisweilen können auch ein oder zwei Geräte induktiv und damit kabellos geladen werden. Komplett aufs Kabel verzichten wollte Apple mit seiner 2017 angekündigten Ladematte Airpower für bis zu drei Geräte. Im März vergangenen Jahres hieß es dann, dass die Ladematte wegen technischer Probleme nicht auf den Markt komme.

Wir haben nun einen Kombi ausprobiert, der ebenfalls in erster Linie die Freunde des Hauses Apple ansprechen will. Das in Hongkong ansässige Unternehmen Pitaka schickte uns sein Air Omni, eine Ladestation für sechs Geräte. Pitaka kannten wir bislang von seinen Smartphone-Schutzhüllen aus Aramid, die wir seit Jahr und Tag für jedes neue Smartphone kaufen. So wundert kaum, dass auch die Ladestation eine Oberfläche aus diesem Faserverbundstoff hat, den man unter dem Markennamen Kevlar kennt. Die Air Omni hat die Maße eines Buches (17 × 20,5 × 3 Zentimeter) und wiegt ohne das mitgelieferte 64-Watt-Netzteil 825 Gramm. Dieses externe Netzteil kommt mit einer Klinkenbuchse.

Interessant ist die Bauform des Air Omni: Vorn legt man sein Smartphone ab, das induktiv nach dem Qi-Standard befüllt wird, und zwar mit bis zu zehn Watt. Das iPhone muss sich indes mit 7,5 Watt bescheiden, die Einschränkung stammt von Apple. Hinter dem Smartphone fährt auf Knopfdruck ein Ladepuck für die Apple Watch aus, dazu muss man die an der Seite angebrachte rote Taste betätigen. Das Einklappen des Pucks sichert diesen beim Transport der Ladestation. Zahnbürsten mit induktivem Laden befüllt die Station leider nicht. Links neben der Uhr liegt sodann ein weiteres kleines Induktionsfeld, mit dem man zum Beispiel die Airpods oder andere Ohrenstöpsel in ihrem Gehäuse laden kann.

Viel Aufwand hat Pitaka mit der hinteren Ladeeinheit betrieben. Hier kann man eine für den Transport wegklappbare Stütze ausklappen, im Haltewinkel flexibel justieren und dann wahlweise ein Tablet mit USB-Typ-C oder Lightning-Anschluss aufsetzen. Zwischen beiden Anschlusstypen wechselt man durch Betätigung eines Knopfs. Je nach Größe des Tablets ist die Stabilität der Konstruktion ein Problem, wird doch das Tablet allein durch den Ladeanschluss gehalten. Last, not least liegen an der rechten Seite zwei weitere Ladebuchsen, hier sind eigene Kabel mitzubringen, einmal USB Typ A und einmal USB Typ C.

Im praktischen Einsatz macht die Station einen guten Eindruck. Sie erspart etlichen Kabelverhau, erfordert aber eine gewisse Aufmerksamkeit, wenn man Airpods, Apple Watch und Smartphone gleichzeitig auf die passende Position legen will. Es geht etwas eng zu. Der Preis von 180 Euro ist hoch, aber die gesamte Basiseinheit ist bestens verarbeitet. Ärgerlich bleibt das klobige Netzteil mit einem proprietären Anschluss.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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