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Microsoft Surface im Test

Augen auf beim Notebook-Kauf

Von Michael Spehr
Aktualisiert am 12.12.2019
 - 10:09
Surface Laptop 3 und Pro 7
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Microsoft
Surface Laptop 3 und Pro 7

Die neuen Rechner von Microsoft haben nicht wenige Fallstricke. Man achte bei der Wahl auf die Prozessoren.

Wer noch vor Weihnachten mit dem Kauf eines Microsoft-Notebooks liebäugelt, halte die Augen besonders gut auf. Denn es gibt Fallstricke, die kaum zu glauben sind. Das jüngst überarbeitete Surface Laptop im klassischen Notebook-Design trägt jetzt die Versionsnummer 3 und ist neuerdings auch als 15-Zoll-Gerät erhältlich. Hier gibt es jedoch eine Besonderheit, die man unbedingt beachten sollte. Statt Intel-Prozessoren kommen die AMD-Chips der Reihe Ryzen 5 und Ryzen 7 zum Einsatz. Im Test der Kollegen von „The Verge“ war ein Gerät mit mittlerer Ausstattung, das in Deutschland 1850 Euro kostet, so langsam, dass es nicht möglich war, aktuelle Spiele selbst in reduzierter Auflösung zu spielen. Den Versuch, ein fünfminütiges Video mit Adobe Premiere Pro zu exportieren, brach die Redaktion nach 51 Minuten ab. Ein drei Jahre alter Macbook benötigte für dieselbe Aufgabe 17 Minuten. Noch kurioser: 4K-Videos auf Youtube ruckelten bei der Wiedergabe. Es handelt sich, wie gesagt, um ein neu vorgestelltes Modell. Um das Surface Laptop 3 mit 15 Zoll mache man also einen großen Bogen, es ist teuer und langsam.

Das Surface Laptop 3 mit 13-Zoll-Anzeige erhielten wir als Testgerät, hier kommen wahlweise Intel-Core-i5 oder -i7 Prozessoren zum Einsatz, bei uns war es ein Core i7 1065 G7 mit 16 Gigabyte RAM und 256 Gigabyte SSD. Der Preis beträgt 1750 Euro, liegt also auf Oberklasseniveau. Auf den ersten Blick erinnert das Design mit interessanten Farben wie „Sandstein“ oder „Kobalt Blau“ an ältere Macbooks. Wie gehabt gibt es einige Farbvarianten mit Alcantara-Bezug. Das Touchpad fällt mit einer Diagonale von 5,3 Zoll geradezu riesig aus. Das Gewicht von 1,3 Kilogramm ist angemessen.

Das Display ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen wegen des ungewöhnlichen Seitenverhältnisses von 3:2 statt 16:10. Das hat seine Vorteile beim Betrachten oder Bearbeiten von Fotos, erweist sich jedoch mit schwarzem Trauerrand oben und unten als nachteilig beim Filmkonsum. Die Farbtreue, den Kontrast und die Qualität des berührungsempfindlichen Displays mit 2256 × 1504 Pixel kann man loben. Leider spiegelt die Anzeige, und einige Tester beklagen sich, dass die automatische Anpassung von Helligkeit und Kontrast nicht immer funktioniert.

Mit dem Core-i7-Prozessor der zehnten Generation ist das Surface Laptop 3 hinreichend schnell, aber nicht für aufwendige Spiele geeignet. In der Einstiegskonfiguration für 1150 Euro muss man sich mit dem Core-i5-Prozessor bescheiden, was kein Problem sein dürfte, aber bekommt nur eine 128-Gigabyte-SSD. Mehr Speicherplatz lässt sich Microsoft fürstlich bezahlen. Das 1-Terabyte-Modell kostet 2650 Euro. Wer auf den Gedanken kommt, angesichts niedriger Preise für Nachrüst-SSD den Speicher selbst aufzurüsten, sieht sich mit dem Hinweis von Microsoft auf der Website konfrontiert, dass die SSD nicht vom Nutzer gewechselt werden darf. Zudem handelt es sich um die wenig verbreitete Bauform M.2 2230.

Dass man ungeachtet des hohen Preises auf einen biometrischen Fingerabdruckscanner ebenso verzichten muss wie auf Windows 10 Pro, erscheint ärgerlich, und dazu kommt die magere Ausstattung mit Schnittstellen: Der Akku wird mit einem proprietären Anschluss geladen, der ähnlich wie die älteren Magsafe-Adapter des Mac sich schnell löst und damit Sturzunfälle vermeidet. An der linken Seite findet man nur eine USB-C-Schnittstelle, die zwar Displayport unterstützt, aber nicht, das lässt einen ratlos zurück, den flinken Datentransport mit Thunderbolt. Daneben gibt es einen weiteren USB-A-Anschluss, es fehlen also Speicherkarten-Slot, Ethernet und HDMI. Mit typischen Office-Aufgaben hält der 45-Wattstunden-Akku zwischen sechs und acht Stunden durch. Im laufenden Einsatz ist das Gerät dankenswert leise, wird aber bei Spielen und rechenintensiven Aufgaben schnell heiß und dann auch durchaus hörbar.

Die zweite Neuerscheinung von Microsoft ist das Surface Pro X, das uns der Hersteller zu spät zur Verfügung stellte. Der Rechner in der Bauform eines Tablet mit andockbarer Tastatur hat eine Besonderheit, die zugleich sein K.-o.-Kriterium ist: Er arbeitet mit einem ARM-Prozessor. Das Betriebssystem sieht zwar aus wie Windows 10, und Microsoft nennt es auch Windows 10 Home.

Es ist jedoch eine für ARM-Prozessoren angepasste Version, die nach Berichten der Redaktionen, die früher ein Testgerät erhielten, jene Probleme hat, die wir schon bei einem vergleichbaren Gerät von Lenovo konstatieren mussten: Die ARM-Architektur kann klassische Windows-Software der x68-Welt nicht ausführen. Doch nicht nur auf der Prozessorebene treffen zwei inkompatible Sphären aufeinander, sondern auch die Grafikbibliotheken sind inkompatibel. 64-Bit-Apps laufen generell nicht. Liegen die x86-Anwendungen als 32-Bit-Version vor, verwendet Microsoft einen Emulator, der die gewohnte Prozessorarchitektur nachbilden soll. Der Nachteil dieses Tricks: Hundertprozentige Kompatibilität ist nicht gewährleistet, und die Emulation fordert den Prozessor enorm. Ein weiterer Nachteil von Windows 10 on ARM: Für Drucker, Kameras und andere Peripherie benötigt man zwingend ARM-Treiber, die aber eher Mangelware sind.

Kurz und knapp: Wie die Kollegen berichten, gibt es Kompatibilitätsprobleme mit vielen Apps, die Akkulaufzeit des Geräts sei viel zu kurz, und das Tablet arbeite zu langsam. Dem Surface Pro X zu Preisen zwischen 1150 und 2000 Euro nähere man sich also mit Vorsicht.

Wer die Bauform mag, werfe statt dessen einen Blick auf das Surface Pro 7 mit Type Cover, das zu Preisen von 1650 Euro an jetzt im Handel ist. Der Charme besteht in der Nutzung als Tablet, wenn man die mit magnetischen Pogo-Pins angedockte Tastatur abnimmt. Die Bildschirmdiagonale beträgt 12,3 Zoll, es ist also ein recht großes Tablet, und die Auflösung liegt bei 2736 × 1824 Pixel, wie beim Notebook liegt also ein Seitenverhältnis 3:2 vor. Das Gewicht von fast 800 Gramm ohne und 1100 Gramm mit Tastatur erschwert ebenfalls den mobilen Einsatz. Zum Vergleich: Ein iPad Pro mit 11 Zoll wiegt 470 Gramm, und das riesige 12,9-Zoll-iPad bringt es nur auf 630 Gramm.

Während alle namhaften Hersteller mittlerweile die Anzeige möglichst dicht an den Rand ziehen, um die Bauform kompakt zu halten, sind hier noch immer die antiquiert wirkenden schwarzen Trauerränder rund um das Display ein Ärgernis. An den Seiten werden 1,5 Zentimeter verschenkt, an Ober- und Unterseite etwas weniger.

Unser Testgerät mit demselben Core i7-Prozessor wie der Surface Laptop 3 und 16 Gigabyte Speicher arbeitete etwas langsamer als das Notebook, aber den Unterschied bemerkt man kaum. Eher stört die kürzere Akkulaufzeit zwischen fünf und neun Stunden. Auch die Ausstattung mit Schnittstellen bleibt wie beim Laptop karg, allerdings gibt es einen Micro-SD-Kartenleser unter dem rückseitigen Standfuß. Die Tastatur mit Alcantara-Oberfläche wirkt zwar klapprig, erlaubt aber ein durchaus flinkes Schreibtempo und ist in mehreren Farben erhältlich. Unter Last wird die obere Hälfte des Tablets heiß. Ohne Tastatur ist das Surface Pro 7 von 900 Euro an erhältlich, allerdings in einer kaum sinnvollen Ausstattung, nämlich mit Core-i3-Prozessor, 4 Gigabyte Speicher und 128 Gigabyte SSD. Die nächst teurere Solo-Variante liegt bereits bei 1050 Euro und hat trotzdem nur eine 128 kleine Gigabyte SSD.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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