Kopfhörerverstärker von Stax

Highend to go

Von Marco Dettweiler
08.05.2020
, 14:13
Mit dem kompakten Kopfhörerverstärker SRM-D10 sind die Elektrostaten der Japaner auch unterwegs einsetzbar. Doch der geeignete Ort für das Gerät mit Akku und Digital-Analog-Wandler ist woanders.

Stax! Klingt nach Schokoriegel, Pflanzenart oder Computerspiel. Ist aber eine legendäre Kopfhörermarke aus Japan. Seit das Unternehmen in chinesischer Hand ist, die eher führt als würgt, bewegt es sich langsam Richtung Zukunft. Zwar sehen die meisten Kopfhörer immer noch aus, als stammten sie aus einem Selbstbaukasten. Lediglich das Flaggschiff SR-009 wirkt wie ein moderner Highend-Kopfhörer. Dafür versucht Stax mit neuen Verstärkern den Zeitgeist einzufangen. Diese sind übrigens für den Betrieb notwendig, weil beim elektrostatischen Prinzip die Membran mit einer hohen Spannung versorgt werden muss.

So bietet Stax mit dem SRM-D50 erstmals einen Verstärker mit Digitaleingang an. Anschluss finden somit Netzwerkspieler, CD-Spieler, Notebook oder gar Smartphone. Mit dem SRM-D10 legt Stax noch eine Schippe drauf. Dieser Kopfhörerverstärker macht die Hörer mobil, weil ein Akku das Kabel zur Steckdose für ein paar Stunden verzichtbar macht.

Das klingt erst einmal verlockend. Stax-Hörer auf dem Kopf, SRM-D10 in der Hand und Highend-Klang auf den Ohren. Doch halt, da fehlt noch etwas: der Zuspieler, die Quelle, irgendwo muss ja die Musik herkommen. Es liegt nahe, das Smartphone zu benutzen, weil man es ohnehin schon dabeihat. Audiophile entscheiden sich häufig für Digital-Audio-Player, kurz DAP, weil die mit vielen Dateiformaten umgehen können und ihr Innenleben so aufgebaut ist, dass möglichst guter Klang aus den Ausgängen kommt. Solche mobilen Geräte müssen für die Nutzung mit USB mit einem OTG-Kabel verbunden werden, damit sich beide erkennen. Mit dem iPhone funktioniert auch der Kamera-Adapter von Apple. Auf das OTG-Kabel oder den Adapter wird dann ein weiteres USB-Kabel gesteckt.

Achtung, es droht Kabelsalat! Denn es kommt noch das Kabel des Kopfhörers hinzu. Das ist knapp zwei Zentimeter breit und zwei Meter lang. Wir haben uns ein kleines Paket mit Haushaltsgummis geschnürt, um mobil zu sein. Es funktioniert, aber praktikabel ist das nicht. Selbst wenn man das über ein halbes Kilogramm schwere Bündel in einer Tasche versteckt, muss man es für die Veränderung der Lautstärke oder Liederwahl immer wieder herausholen. Außerdem dringen durch das Gehäuse von elektrostatischen Kopfhörern wie denen von Stax die Umgebungsgeräusche ungehindert zum Ohr und ebenso die Schallwellen der Membran zur Außenwelt. Man stört und wird gestört.

Der Versuch, die Stax-Welt zu mobilisieren, ist gescheitert. Das gilt allerdings auch für alle anderen Hersteller, die Verstärker für unterwegs anbieten, die erst noch mit Smartphones oder anderen Produkten als Quelle aufgerüstet werden müssen.

Für den mobilen Einsatz gibt es bessere Lösungen: kabellose Kopfhörer, am besten mit Geräuschunterdrückung. Sie sind smart in Erscheinung und Bedienung, die Mehrzahl dieser Produkte, sei es für den Sitz in oder auf dem Ohr, klingen auch noch ziemlich gut.

Wozu sind mobile Verstärker wie der SRM-D10 dann zu gebrauchen? Sie sind eine smarte Lösung für den audiophilen Musikgenuss zu Hause. Kombiniert man den Verstärker etwa mit dem Kopfhörer SR-L500 MK2, kostet der klanglich ambitionierte Einstieg in die Stax-Welt 1900 Euro. Bei Bedarf lässt sich das auf die Preisspitze treiben. Auch das Topmodell SR-009S für mehr als 5000 Euro, der als einer der besten Kopfhörer der Welt gilt, treibt der kleine Verstärker bis zu einem gewissen Pegel anstandslos an. Die Kombination funktioniert an Notebook, Hifi-Anlage, Netzwerkspieler, Smartphone und benötigt zirka dreieinhalb Stunden lang keine Steckdose. In Zeiten von Homeoffice lässt sich schnell das Zimmer wechseln oder auf dem Balkon Musik hören.

Enthalten im Preis: elektrostatischer Kopfhörer, Verstärker, Digital-Analog-Wandler, Akku und phantastischer Klang. Es ist immer wieder aufs Neue faszinierend zu hören, wie die hauchdünne Membran jeden Ton zugleich mit Leichtigkeit und Exaktheit wiedergibt. Seine absoluten Stärken spielt ein Stax nach wie vor in Jazz- und Klassikstücken aus. Rock, Pop und Elektro wirken mitunter etwas kalt und analytisch, weil der Bass sehr trocken und punktgenau ist. Mit der Wohlfühlatmosphäre, die durch warme und weiche Tiefen von anderen Kopfhörern erzeugt wird, hat dies nichts zu tun. Aber genau dieser Klang zeichnet einen Stax aus.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Dettweiler, Marco
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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