Samsung Fold 2 im Test

Klappe, die zweite

Von Marco Dettweiler
Aktualisiert am 22.09.2020
 - 14:44
Soll das zweite Mal klappen: das Samsung Fold 2zur Bildergalerie
Samsung hat für die neue Generation seines Falthandys Fold einiges geändert. Die Mängel der Erstausgabe sind weitestgehend beseitigt. Die markanteste Verbesserung ist der größere Bildschirm auf der Vorderseite.

Eigentlich ist die Tugend der Geduld eine anzustrebende Charaktereigenschaft. Beim Kauf eines Smartphones jedoch nicht. Die Frequenz neuer Geräte ist hoch, und die Unterschiede zwischen Modellen sind meist gering. Warten lohnt nicht. Doch es gibt Ausnahmen. Als das Galaxy Fold von Samsung, das erste faltbare Smartphone der Welt, auf den Markt gekommen ist, war klar, dass die Koreaner bei der zweiten Version versuchen würden, einige Mängel der Erstausgabe zu beseitigen. Der Versuch ist gelungen.

Die markanteste Verbesserung ist der größere Bildschirm auf der Vorderseite. Mit einer Bildschirmdiagonalen von 6,2 Zoll ist das Display im Fold 2 sogar etwas größer als das des iPhone 11. Nur das Seitenverhältnis von 25:9 ist gewöhnungsbedürftig. Es zieht sich reichlich in die Länge. Im Alltag fällt dies immer dann auf, wenn es etwas zu lesen gibt. Textzeilen auf Internetseiten, in Mails oder Nachrichten werden früher umbrochen. Die Lesbarkeit leidet dabei nicht, Nutzer müssen nur häufiger scrollen, weil die Zeilen schneller konsumiert sind. Im Vergleich zum Vorgänger taugt der Außenbildschirm also nun für alle Anwendungen, die man mit einem normalen Smartphone auch nutzt.

Und dann gibt es ja noch den zweiten, riesigen Bildschirm, der sich entfaltet, wenn man das Fold aufklappt. Auch während des Tests der zweiten Generation des Falthandys geht von der üppigen, 7,6 Zoll großen Fläche immer noch eine Faszination aus. Der Bildschirm des iPad Mini ist nur unwesentlich größer. Es ist immer wieder schön anzusehen, wenn sich die Fläche einer App nach dem Aufklappen verdoppelt. Der Rand ist schmaler geworden. Ebenso ist die Selfie-Kamera zu einer kleinen Aussparung geschrumpft. Zudem hat Samsung die Oberfläche des Displays verbessert. Die Koreaner sprechen von einem „flexiblen Glas-Kunststoff-Gemisch“. Es fühlt sich unter der Kuppe des Zeigefingers tatsächlich mehr nach Glas und weniger nach Kunststoff an, so wie es am ersten Fold der Fall war. Doch das Glasgefühl üblicher Oberklasse-Smartphones will sich nicht ganz einstellen. Der Finger flutscht nicht so smart über den Bildschirm.

Was zuweilen immer noch zu sehen ist, wenn viel Licht auf den Bildschirm mit dunklem Hintergrund fällt, ist der Knick in der Mitte. Doch er fällt selten auf und stört nicht. Am ersten Fold hatte eher der Mechanismus gestört, der um die Falte herum verbaut war. Das Gerät kannte nur zwei Modi: zu- oder aufgeklappt. Jetzt lässt sich das Fold 2 zwischen beiden Zuständen an fast beliebiger Stelle arretieren, um es wie ein aufgeklapptes Notebook auf den Tisch legen zu können. Zirka 30 Grad muss man es einklappen, damit es hält.

Legt man den Knick horizontal und wählt die entsprechende Anwendung, öffnet sich zum Beispiel im Mailprogramm die Tastatur in der unteren Hälfte und das Textfeld im oberen Bereich, der durch die angewinkelte Stellung wie der Monitor eines Notebooks wirkt. Bei Youtube läuft oben das Filmchen, unten reihen sich die Empfehlungen für weitere Videos. Ebenso verteilen sich zwei Anwendungen, die gleichzeitig aktiv sein sollen. Das Anordnen von mehreren Apps auf einem Bildschirm gibt es weiterhin, ebenso lassen sich bestimmte Elemente per Drag&Drop zwischen diesen austauschen. Im Alltag haben wir das aber, wie schon beim ersten Fold und anderen Smartphones mit dieser Funktionalität, selten genutzt.

Beide Bildschirme funktionieren wie getrennte Arbeitsplätze. Auf dem äußeren Display wird die App-Anordnung nicht für den großen Bildschirm übernommen. Das gilt auch für Widgets. So genügt ein kurzer Blick auf das Handy, um zu wissen, wie das Wetter ist – aufklappen muss man es dafür nicht. Übrigens funktioniert die Übergabe der App nur für das Auffalten. Klappt man das Fold zu, geht das Gerät aus, die App erscheint nicht auf dem äußeren Display.

Ob Triple-Kamera, 12 Gigabyte Arbeitsspeicher, 256 Gigabyte interner Speicher, Akku mit 4500 Milliamperestunden, 5G-Modul, Bildschirm, Designsprache oder schneller Prozessor: Das alles ist Oberklasse, wie man sie von der Technik der aktuellen S- und Note-Reihe kennt. Der Preis von fast 2000 Euro ist allein dem Faltmechanismus geschuldet.

Wer so viel dafür zahlen will, weil ihn oder sie die neue Gattung reizt, kann es mit dem Fold 2 versuchen. Es ist jetzt reif für den Markt. Die Geduld hat sich gelohnt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Dettweiler, Marco
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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