Neue Produkte von Google

Google bleibt dran

Von Marco Dettweiler
Aktualisiert am 30.09.2020
 - 20:30
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Auch in diesem Herbst präsentiert das Unternehmen neue Produkte aus mehreren Gattungen. Smartphone Pixel 5, Streaming-Box Chromecast und smarter Lautsprecher Nest Audio sollen Kunden an Googles Universum binden.

Jetzt ist Google an der Reihe. Nachdem Samsung, Apple und Amazon wie immer zur Herbstzeit ihre neuen Produkte vorgestellt haben, präsentierte Google am Mittwochabend neue Modelle seiner Pixel-Smartphones, des Streaming-Dongles Chromecast und smarten Lautsprechers Nest Audio. Es gab sogar noch Überraschungen, obwohl alle drei Produkte bereits vorher geleakt wurden. Dennoch dürften Google-Fans Spaß gehabt haben während der halbstündigen Veranstaltung, an der man nur per Live-Stream teilnehmen konnte. Denn einige Produkte kommen mit neuen spannenden Eigenschaften.

Smartphone Pixel 5 und 4a 5G

Google betreibt mit seinem neuen Smartphone so etwas wie Downsizing. Das neue Pixel 5 ist zwar weiterhin das Flaggschiff, jedoch nicht mehr in Preis und Ausstattung. Es kostet „nur“ 613 Euro. Im Vergleich zu seinem Vorgänger kann das Smartphone keine besonderen Funktionen vorweisen. Positiv gewendet konzentriert sich Google auf das Wesentliche. Entsperrt wird ganz klassisch über einen Fingerabdrucksensor auf der Rückseite. Der Bildschirm ist 6 Zoll groß und hat vermutlich wieder eine Bildwiederholrate von 90 Hertz. Diese Qualität dürfte den meisten Nutzern genügen, innovativ ist anders.

Das Gleiche gilt für Speicher und Prozessoreinheit. Der Snapdragon 765G zählt nicht zu den schnellsten Chips, reicht aber für die meisten Anwendungen. Ebenso kommt man mit 8 Gigabyte Arbeitsspeicher und 128 Gigabyte gut über die Runden. In puncto Laden hat Google nach vorne geschaut. Das Pixel 5 lässt sich weiter kabellos aufladen, zudem können andere Geräte wie etwa die hauseigenen In-Ear-Hörer mit Energie versorgt werden, wenn man sie auf den Rücken des Smartphones legt. Dank der auf 4000 Milliamperestunden gewachsenen Batterie wird vermutlich erst am späten Abend ein Tankstopp notwendig sein. Mit dem neuen „extremen Stromsparmodus“ soll der Akku sogar 48 Stunden halten.

Für die Kamera hat Google etwas eingeführt, was sich Kunden schon beim Vorgänger gewünscht haben. Sie hat neben dem Standard-Objektiv (12 Megapixel) eine Weitwinkel-Linse mit 16 Megapixel. Dafür fällt das Zoom-Modul weg. Da Google mit Hilfe Künstlicher Intelligenz und den daraus abgeleiteten Algorithmen aus der Standard-Hardware der Kamera erstaunlich viel herausholt, dürfte der Wegfall des Zoom-Objektivs zu verschmerzen sein. Google hat weitere Software-Funktionen eingeführt. So lassen sich auch im Selfie-Modus bei schwachem Licht kontrastreiche Bilder aufnehmen. Zudem kann der Hintergrund von Selfies im Editor angepasst werden, indem im Nachhinein künstlich Licht hinzugefügt wird. Für Videos hat sich Google den „Kino-Effekt-Modus“ einfallen lassen, der „butterweiche Kameraschwenks“ ermöglichen soll.

Das typische Pixel-Design hat überlebt. Der im Vergleich zur Konkurrenz doch üppige Rand ist etwas dünner geworden.

Google hatte noch ein zweites Smartphone im Gepäck: Das Pixel 4a 5G. Es ist – wie der Name schon sagt – die 5G-Ausführung des Mittelklasse-Geräts, dessen ausführlichen Test Sie hier lesen können. Der Akku ist in der 5G-Version etwas größer geworden, ebenso das Display. Es kostet knapp 490 Euro.

Streaming-Box Chromecast mit Google TV

Die aufgrund seiner Größe unauffälligste Neuigkeit ist der Streaming-Dongle Chromecast. Damit lässt sich jeder Fernseher, der einen HDMI-Eingang hat, mit Apps und einer eigenen Bedienoberfläche aufrüsten. So hat auch Amazon mit Fire TV und Apple mit Apple TV seit Jahren eine kleine Kiste im Angebot. Jedes Unternehmen versucht dadurch seine Inhalte zu verbreiten. Amazon lockt Prime-Kunden, Apple bindet Abonnenten von TV+ an sich. Google will mit Chromecast dafür sorgen, dass Youtube und sein Sprachprogramm Google Assistent noch häufiger genutzt werden.

Um es den Zuschauern so bequem wie möglich zu machen, liegt Chromecast nun das erste Mal eine kleine Fernbedienung bei. Die hat zum einen Tasten für Youtube und Netflix integriert. Zum anderen lässt sich per Knopfdruck der Google Assistent aktivieren und per Sprache bedienen. Diese Spracherkennungsfunktion haben Amazon und Apple schon seit einigen Jahren in ihrer Fernbedienung integriert. Dadurch ist man weitestgehend unabhängig vom Smartphone. Neu ist ebenfalls die eigene Nutzeroberfläche Google TV. Bisher war die Darstellung von Chromecast auf dem Fernseher nur eine gespiegelte Darstellung des Smartphone-Bildschirms. Die neue Nutzeroberfläche ähnelt nun anderen Smart-TVs und Set-Top-Boxen. Natürlich wendet Google auch hier seine Erfahrungen mit Künstlicher Intelligenz an, um auf den Nutzer zugeschnittene Empfehlungen zu geben. So etwas gibt es schon auf Apple TV, aber auch auf Samsung-Fernsehern. Ebenso eine Watchlist, die jetzt neu ist auf Google TV, wo man Favoriten sammeln kann, um sie später mit einem Klick anschauen zu können. Google passt sich mit dem neuen Chromecast also der Konkurrenz an.

Der knapp 70 Euro teure Chromecast schafft eine Wiedergabe von 4K-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde. HDR-Technik kommt in Form von Dolby Vision ins Wohnzimmer, Filme mit Dolby-Atmos-Sound werden ebenso wiedergegeben. Und wer sich im Google-Kosmos wohlfühlt und zum Beispiel eine Nest-Kamera benutzt, kann sich mit Chromecast die Bilder übertragen lassen.

Smarter Lautsprecher Nest Audio

Google Home, die sprechende und zuhörende Blumenvase, ist Vergangenheit. Sowohl der Name als auch das Aussehen haben sich geändert. Googles smarter Lautsprecher heißt jetzt Nest Audio und kostet knapp 100 Euro. Er ist komplett mit Stoff verkleidet, folgt also dem Trend, solche Boxen mit einem Netz zu überziehen. Die vier LED, die nacheinander horizontal aufleuchten, wenn der Assistent aufhorcht, bleiben.

Google verspricht „great sound“. Ob das tatsächlich so ist, wird der Test zeigen. Außerdem sei Nest Audio im Vergleich zum Vorgänger Google Home „75 Prozent lauter und hat einen 50 Prozent stärkeren Bass“. Der Hochtöner hat einen Durchmesser von 19 Millimeter, der Mittel-Tief-Töner misst in der Diagonale 75 Millimeter. Ein weiter wichtiger Schritt für guten Klang ist softwareseitig ebenso getan. Zwei Nest Audio lassen sich drahtlos zu einem Pärchen verbinden. Stereosound macht bei smarten Lautsprechern dieser Größe auf jeden Fall viel aus.

Ebenso ist Nest Audio multiroomfähig. Die einzelnen Lautsprecher können im ganzen Haus verteilt werden. Und per Sprachbefehl „Hey Google...“ kann die Musik, die gerade wiedergegeben wird, einfach in einen gewünschten Raum wie etwa Bad oder Wohnzimmer übergeben werden. Damit macht Google natürlich anderen Multiroom-Systemen wie Sonos Konkurrenz.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Dettweiler, Marco
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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