Neuigkeiten von Apple

Wenn sich das iPad eng ans Macbook kuschelt

Von Michael Spehr
07.06.2021
, 20:59
Die neue App-Bibliothek auf iPad OS
Apples Agenda für 2021 setzt auf Vernetzung, Zusammenarbeit und mehr Datenschutz. Apps stehen im Zentrum der Entwicklerkonferenz WWDC. Für Siri gibt es eine große Überraschung.

Die Software steht im Vordergrund, wenn Apple im Sommer zu seiner großen Entwicklerkonferenz einlädt und Tausende von Programmierern aus aller Welt erfahren, was der Konzern plant. Auch in diesem Jahr findet das Ereignis coronabedingt nur virtuell statt: Tim Cook betrat die Bühne, und im Publikum jubelten Emojis statt Menschen.

Während der Worldwide Developers Conference (WWDC) wird über die Neuheiten der kommenden Betriebssysteme informiert, es werden Trends und Rahmenbedingungen benannt, und im Herbst kommen dann die entsprechenden Geräte mitsamt fertiggestellter Software.

Die bis zum 11. Juni laufende WWDC mit 200 Veranstaltungen gibt also für die Apple-Welt die Richtung der kommenden Monate vor, und die diesjährige Keynote war vor allem auf die Verbesserung und Erweiterung bestehender Apps ausgerichtet. Alle Apple-Geräte wachsen enger zusammen und bieten mehr Datenschutz.

iOS 15

Keine Überraschung ist das neue iOS 15, der Versionssprung erfolgt jährlich, und wie immer werden auch viele alte Geräte mit der neuen Software ausgestattet. Die Videolösung Facetime will mit besserem Klang aufwarten, 3D mit Spatial Audio: der Klang des Gegenübers kommt aus seiner Richtung. Ferner gibt es eine Nebengeräuschunterdrückung, die Störendes ausblendet. Auch das Vorausplanen von Facetime-Konferenzen wird so einfach wie bei anderen Diensten. Überraschend: Facetime-Videotelefonate können auch auf Nicht-Apple-Geräten geführt werden, also etwa mit Android-Smartphones. Mit Shareplay kann man gemeinsam Musik hören und seinen Bildschirm teilen oder gar an Apple TV weitergeben. Das neue Facetime holt sich somit viele Funktionen von Zoom, Microsoft Teams und anderen Konferenzplattformen.

Der hauseigene Messaging-Dienst iMessage, der auf iPhone, iPad und Mac läuft, wird ausgebaut. Geteilte Inhalte werden künftig übersichtlicher dargestellt, und man kann Musikempfehlungen von Freunden schnell in der Musik-App speichern oder Fotos in der eigenen Bildbibliothek.

Um den Tagesablauf weniger anstrengend zu machen, stellt Apple die Funktion Focus vor: Dazu gehört eine Zusammenfassung von Push-Meldungen und ihre Priorisierung. Der Nicht-Stören-Modus wird automatisch in iMessage angezeigt und man kann einen weiteren Status festlegen, zum Beispiel, dass man Auto fährt, schläft oder arbeitet und damit festlegen, wie eingehende Benachrichtigungen behandelt werden und welche Apps auf dem Hauptbildschirm angezeigt werden. Focus arbeitet geräteübergreifend auch auf Mac und iPad.

Mit Live Text kommt Texterkennung in die Kamera und die Fotobibliothek. Das können andere Apps schon lange, nun wird die Funktionalität gleich ins Betriebssystem eingebaut. Live Text erkennt nicht nur Text, sondern auch Objekte, wie zum Beispiel Hunderassen oder Architektur, und das Ganze wird mit der Spotlight-Suche verknüpft. Die Fotobibliothek fasst jetzt nicht nur Rückblicke zusammen, sondern untermalt sie auch automatisch mit Musik. Aus Bildern werden auf Knopfdruck schicke Filme.

Die Karten-App Wallet für Zahlungs- oder Bonuskarten, aber auch Autoschlüssel erhält künftig auch Hotelschlüssel oder gar Wohnungsschüssel. Außerdem lassen sich in Amerika sogar Ausweise und Führerscheine einlesen und speichern. Selbst am Flughafen könne man auf den physischen Ausweis verzichten. Ob das alles nach Deutschland kommt, sei dahingestellt.

Apples Karten in verbesserter Auflösung kommen nach Spanien, Portugal, Italien und Australien. Von Deutschland ist noch nicht die Rede. In iOS 15 soll die Detailtiefe noch einmal erhöht werden. Wer den öffentlichen Nahverkehr nutzt, bekommt Hinweise zum Aussteigen.

Die Ohrenstöpsel Airpods erhalten eine computergestützte Verstärkung von Sprache, damit schlecht Hörende Sprache besser verstehen. Nebengeräusche werden ausgeblendet. Außerdem kann Siri mehr Inhalte vorlesen, etwa die Einkaufsliste, wenn man im Supermarkt ist. 3D-Audio mit dreidimensionalem Klang erreicht die Airpods und die Macs mit M1-Prozessor. Die entsprechende Funktionalität von Apple Music startete am Montag.

iPad OS

Das nunmehr eigenständige iPad-Betriebssystem iPad OS springt ebenfalls auf die Version 15: Auch hier liegt der Fokus auf der Verbesserung einzelner Apps. Der Startbildschirm wird überarbeitet, Widgets können künftig überall auf dem Bildschirm platziert werden, und die einzelnen Widgets wurden verbessert sowie vergrößert. Die App Mediathek arbeitet wie auf dem iPhone, um viele Apps übersichtlicher darzustellen.

Es gibt eine neue Multitasking-Ansicht, so dass man gleichzeitig mit zwei Apps arbeiten kann. Jede Anwendung läuft in einem eigenen Fenster. Alle offenen Fenster werden an einer zentralen Stelle gesammelt. Noch immer fehlt die Möglichkeit, verschiedene Nutzer für ein iPad anzulegen.

Die Notizen lassen sich mit Tags aufwerten, neu sind Schnellnotizen. Das Anlegen einer neuen Notiz funktioniert in jeder App mit einer Wischbewegung und unterstützt natürlich auch den Apple Pencil. Die Übersetzungs-App Translate kommt aufs iPad und unterstützt Handschrifterkennung und automatische Erkennung, dass jemand in einer Fremdsprache spricht.

Privatsphäre

Jenseits der Software-Updates stellt Apple noch einmal seine Privatsphären- und Datenschutzprinzipien dar: Minimierung der Datenerfassung, Verarbeitung von Daten nur auf dem jeweiligen Gerät und mehr Sicherheit. Nach dem Tracking-Schutz in iOS 14.5 blockiert iOS künftig auch die Tracking-Pixel in E-Mails, die weit verbreitet sind und das Öffnen einer E-Mail sowie die IP-Adresse zurückmelden. Der Safari-Browser versteckt nicht nur Tracker, sondern abermals die IP-Adresse. Wie Apps auf private Daten zugreifen, das lässt sich künftig detailliert ablesen, und es wird auch angezeigt, an welche Dritten diese Daten weitergegeben wurden. Die Assistentin Siri arbeitet jetzt nur noch auf dem Gerät selbst, es werden also keine Audio-Schnipsel zur Erkennung auf Server übertragen.

iCloud

Der hauseigene Cloud-Speicher wird um ein iCloud Plus ergänzt: Dabei wird sämtlicher Datenverkehr ohne Performance-Einbuße über eine Art VPN verschickt. Ferner kann man Wegwerf-E-Mail-Adressen bequem einrichten.

Health

Die Health-App für alle Gesundheitsdaten erkennt künftig schleichende Änderungen im Verhalten der Nutzer. So wird etwa die Stabilität beim Gehen erfasst, um frühzeitig vor erhöhter Sturzgefahr zu warnen. Wenn Balance, Stabilität und Koordination nachlassen, erfasst dies die App und gibt einen Hinweis. Gesundheitsdaten können nun auch innerhalb der Familie geteilt werden, damit beispielsweise die Kinder die Daten ihrer betagten Eltern sehen. Was mit wem geteilt wird, lässt sich detailliert einstellen. Apple hat keinen Zugriff auf die Gesundheitsinformationen.

Watch OS

Das Uhrenbetriebssystem Watch OS macht einen Sprung auf die Version 8. Die Meditations-App „Atmen“ wird erweitert. Das Schlaf-Tracking erfasst künftig auch die Atemfrequenz im Schlaf. Ferner kommen neue Trainings auf die Uhr, darunter Pilates. Fotos lassen sich auf der Uhr besser anzeigen und wandern ins Ziffernblatt.

Homekit und Apple TV

Im vernetzten Heim soll Apples Homekit eine immer wichtigere Rolle spielen. Nicht nur, dass man die Haustür mit der Apple Watch öffnet, sondern auch dahingehend, dass man Apple TV mit Siri-Kommandos steuert und seine Filme mit Freunden teilt. Apple TV will sogar wissen, was alle mögen, und der Homepod Mini dient künftig als Lautsprecher für Apple TV. Siri kommt überraschenderweise auf Geräte von Drittherstellern, „Zubehör mit Siri“ heißt das Stichwort.

Mac OS

Mac OS 12 heißt Monterey und unterstützt die neuen Fähigkeiten von Facetime und Shareplay. Auch hier gibt es die Focus-Funktion, um konzentriert zu arbeiten. iPad und Mac nebeneinander gestellt, bilden künftig ohne Konfiguration ein Paar. So erhält das iPad automatisch eine Tastatur und das Touchpad, die Funktion heißt Universal Control und läuft sogar mit mehr als zwei Geräten. Auch Airplay und die Kurzbefehle erreichen den Mac, und der Browser Safari soll von einem neuen Tab-Design profitieren.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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