Notebooks im Vergleich

Klein gegen schnell

Von Michael Spehr
08.06.2020
, 14:44
Das Microsoft-Mini-Notebook Surface Go 2 im Vergleich mit dem Huawei Matebook X Pro: Während das eine Produkt eine kleine Nische besetzt, stößt das andere überzeugend in die Oberklasse vor.

Klein neben groß, leicht gegen schwer: Das sind die ersten Eindrücke, wenn man zwei Notebooks vergleicht, die kaum vergleichbar sind und dennoch mit ihrer jeweiligen Bauform eine klare Botschaft für jeden Kaufinteressenten haben: Das optimale Notebook gibt es nicht. Mehr denn je kläre man vor der Anschaffung seine individuellen Anforderungen und prüfe diesbezüglich mögliche Kandidaten.

Das Surface Go 2 ist eines der kleinsten Windows-Notebooks eines Markenherstellers. Mit Maßen von 24,5 × 17,5 x 0,8 Zentimeter und einem Gewicht von 550 Gramm für die Basiseinheit hat das Gerät geradezu Tablet-Maße. Dazu passt die Bildschirmdiagonale von 10,5 Zoll. Wer die extra zu erwerbende Tastatur ansteckt, sie wird mit magnetischen Pogo-Pins gehalten, erhöht das Gewicht um 250 Gramm. Das Gesamtpaket wiegt also weniger als ein Kilogramm und ist damit für den mobilen Einsatz prädestiniert.

Auch das Matebook X Pro des Modelljahrgangs 2020 von Huawei ist mit 1,33 Kilogramm nicht unbedingt schwer, aber eine ganz andere Hausnummer. Mit Maßen von 30,5 × 21,7 × 1,5 Zentimeter folgt es der klassischen Größe kompakter Notebooks, das Display erreicht eine beachtenswert große Diagonale von 13,9 Zoll. Dieses Gerät ist also leichter als ein Macbook Pro von Apple, obwohl der Bildschirm größer ausfällt. Das X Pro ist das Spitzenmodell des chinesischen Herstellers, entsprechend hochwertig ist das robust wirkende Aluminiumgehäuse mit sandgestrahlter Oberfläche.

Den soliden Eindruck unterstreicht das Matebook gleich nach dem Einschalten und Hochfahren: Die Ränder rund um die Anzeige mit 3000 × 2000 Pixel sind nur wenige Millimeter dick, die gesamte Fläche wird nahezu optimal ausgenutzt. Allerdings spiegelt die Anzeige stark. Der Monitordeckel lässt sich bis etwa 120 Grad nach hinten bewegen. Die starke Spiegelung fällt auch beim Surface Go 2 als Erstes auf, hier wirken zudem dicke Trauerränder rund um die Anzeige nicht mehr zeitgemäß. Mit moderner Technik hätte Microsoft mehr herauskitzeln können. Indes wuchs das Display im Vergleich mit dem zwei Jahre alten Vorgängermodell um immerhin einen halben Zoll. Die Auflösung beträgt 1920 × 1280 Pixel. Die Anzeigen beider Geräte sind berührungsempfindlich, man kann also Finger und Stift einsetzen.

Das Gehäuse des Microsoft-Minis besteht aus Magnesium, rückseitig ist Kunststoff aufgetragen, Tastatur und Notebook lassen sich flexibel in jedem Winkel einstellen, bei Bedarf liegt das Surface Go 2 flach auf dem Schreibtisch. Die wichtigsten Verbesserungen gegenüber dem ersten Surface Go sind schnellere Prozessoren. Aber wie gehabt muss man bei der Auswahl der Modellvariante aufpassen. Die beiden Einstiegsgeräte für 459 und 629 Euro kommen mit vier oder acht Gigabyte Arbeitsspeicher sowie 64 oder 128 Gigabyte Speichermedium. Die kleinste Variante mit 64 Gigabyte nutzt eine EMMC, die Abkürzung steht für Embedded Multi Media Card und ähnelt einer SD-Speicherkarte. Zugriffszeiten und Datentransferraten sind nicht vergleichbar mit einer SSD. Von dieser günstigsten Modellvariante sehe man also ab, auch wegen der nur vier Gigabyte Arbeitsspeicher. Beide Einstiegsmodelle verwenden den Pentium 4425Y-Prozessor, ein sparsamer Zweikerner, der auf der Kaby-Lake-Architektur basiert. Viel darf man hier nicht erwarten.

Also mache man gleich alles richtig und wähle das Surface Go 2 mit Intel Core M3-Prozessor, acht und 128 Gigabyte Speicher, dann liegt man bei 719 Euro ohne Tastatur. Sie kostet weitere 130 Euro. Für insgesamt 850 Euro in einer vernünftigen Konfiguration ist das Surface Go 2 recht teuer, denn mit dem Core M3 in der achten Generation kann man noch keine Bäume ausreißen, sondern allenfalls gut arbeiten. Videoschnitt und Spiele sind hier fehl am Platz, und wenn man einen kleinen Seitenblick auf Apples iPad Pro in der 11-Zoll-Version wirft, ist sofort klar, dass es für einen ähnlichen Preis zwar keine Tastatur mitbringt, wohl aber deutlich schneller und für besagte anspruchsvolle Anforderungen besser geeignet ist.

Das ist ein attraktiver Preis

Tempo satt bietet hingegen das Matebook X Pro in sämtlichen Modellvarianten. Zum Einsatz kommen stets Prozessoren der aktuellen, zehnten Generation. Schon die kleinste Ausführung mit Core-i5-Prozessor, 16 Gigabyte Arbeitsspeicher, 512 Gigabyte SSD und schneller Geforce-MX-250-Grafikkarte zum Preis von 1600 Euro legt beachtliches Tempo vor, und wer mehr will, bekommt für einen moderaten Aufpreis von 300 Euro den Core-i7-Prozessor sowie eine ein Terabyte SSD. Das ist ein attraktiver Preis.

Was bei beiden Rechnern heftiges Kopfschütteln auslöst, ist Windows Home auf dem Huawei- und Windows 10 S auf dem Microsoft-Notebook. Windows 10 S ist eine Sparversion, die nur Programme aus dem Microsoft Store zulässt. Da die meisten Nutzer mit dieser Einschränkung nicht leben können und wollen, kann man einmalig wechseln, also auf ein herkömmliches Windows 10 Home umschalten. Der Schritt ist irreversibel. Mag Windows Home für den kleinen Surface Go 2 gerade noch angemessen erscheinen, fragt man sich doch, was sich Huawei bei seiner Entscheidung gedacht haben mag.

Beide Geräte sind Sparbrötchen auch hinsichtlich der Schnittstellen. Das Surface Go 2 bringt gerade mal einen USB-Typ-C-Anschluss mit, ferner einen Speicherkartenleser und eine Kopfhörerbuchse sowie einen proprietären Anschluss für das beiliegende Ladegerät. Über USB-Typ-C kann man den Akku auch befüllen, so gesehen, ist der Ladeanschluss überflüssig. Es fehlen Thunderbolt und ein herkömmlicher USB-Anschluss. Huawei hält es wie Apple und bringt auf der linken Gehäuseseite neben der Kopfhörer-Buchse zwei USB-Typ-C-Anschlüsse mit Thunderbolt 3. An der rechten Seite findet sich ein herkömmlicher USB-Anschluss. Interessant ist die Konstruktion der Webcam, die nicht in den oberen Gehäuserand eingelassen ist, sondern sich mit einem Fingerdruck auf eine zwischen F6 und F7 eingelassene Taste öffnet. Auf diese Weise ist die Privatsphäre rein mechanisch geschützt. Im Einschalter befindet sich zudem ein biometrischer Fingerabdruckscanner. Das Surface Go 2 hat wie ein Smartphone gleich zwei Kameras: eine an der Vorderseite mit 5 Megapixel, Infrarotmodul und Windows-Hello-Gesichtserkennung. Eine zweite auf der Rückseite löst mit acht Megapixel auf.

Tastatur und Touchpad beider Kandidaten gefallen. Klar ist, dass man auf dem kleinen Keyboard des Surface Go 2 gewisse Kompromisse machen muss. Dank seines stromsparenden Prozessors kann dieses Gerät auf einen Lüfter verzichten und arbeitet lautlos. Mit einer Akkuladung kommt man auf sechs bis sieben Stunden. Der Lüfter des Matebook X Pro ist unter Last zu hören, zwischendurch bleibt er jedoch leise. Das Vorgängermodell bot hier Anlass zu Kritik, nun wurden die Ventilatoren im Innern verbessert. Die Akkulaufzeit ist spektakulär, man kommt auf Zeiten jenseits von zehn Stunden.

In der Gesamtschau auf zwei ungewöhnliche Notebooks besetzt das Surface Go 2 eine kleine Nische, und es erfüllt diese Aufgabe gut. Als Hauptrechner und Universalist taugt es jedoch nicht. Das Huawei-Notebook gefällt mit seiner guten Ausstattung, dem flotten Tempo und dem guten Preis-Leistungsverhältnis. Es ist ein überzeugender Vorstoß in die Oberklasse.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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