Pixel 4a im Test

Ziemlich viel Phone

Von Michael Spehr
17.09.2020
, 19:01
Das Pixel 4a kommt direkt von Google und überrascht mit seiner schlichten Art. Insgesamt erhält man für einen kleinen Preis ziemlich viel Smartphone mit einer sicheren Update-Zukunft und verblüffend guten Kamera.

Kaum hatten wir das neue iPhone SE in der Hand und Gefallen an der besonders kompakten Bauform gefunden, landete das nur unwesentlich größere Pixel 4a von Google auf unserem Schreibtisch. Auch dieses Gerät, das sich dem Trend zum immer größeren Smartphone widersetzt, schlossen wir schnell ins Herz. Wie das iPhone SE ist auch das Pixel 4a günstig. Es kostet 340 Euro in der einen einzigen Konfiguration mit 128 Gigabyte Speicher, wenn es von Oktober an lieferbar ist. Zum Vergleich: Das iPhone SE startet bei 470 Euro, liegt mit 128 Gigabyte aber schon bei 515 Euro.

Einen Unterschied bemerkt man sofort beim ersten In-die-Hand-Nehmen: Das iPhone mit Glaseinfassung wirkt solider als das Pixel mit seinem Kunststoffrücken, der indes den Vorzug mitbringt, dass man das Gerät auch ohne Hülle verwenden kann. Das Gehäuse fasst sich gut an, ist nicht anfällig für Fingerabdrücke, und die Tasten rechts bieten keinen Anlass zur Kritik. Das Pixel 4a ist also alles andere als ein Hochglanzbolide, und das ist auch gut so.

Die Pixel-Serie von Google hat einen zu vernachlässigenden Marktanteil und ist kein Verkaufsschlager. Das wundert ein bisschen, denn es handelt sich hier um die Referenzgeräte des Android-Herstellers. Man bekommt nicht nur früh das „echte“ Android von Google, frei von Betriebssystem-Aufsätzen und Verbastelungen, sondern erhält auch manches Extra, das bei den Huaweis oder Samsungs fehlt. Leider kommen nicht alle dieser Boni in den deutschen Sprachraum. Eine der schönen Exklusivbeigaben ist der Sprachrekorder, der Audio aufnimmt und gleichzeitig transkribiert. Leider nur für amerikanisches Englisch.

Eine auch hierzulande nutzbare Funktion ist der Sicherheitscheck, der die eigenen Notfallkontakte alarmiert und ihnen den Standort freigibt, wenn man innerhalb eines bestimmten Zeitraums nicht bestätigt, dass alles in Ordnung ist. Für überzeugte Android-Freunde ist also ein Pixel das Gerät der Wahl. Es zeigt, wie Google die Android-Welt sieht, und der Blick ist unverstellt.

Das neue Pixel 4a kommt mit einer Bildschirmdiagonale von 5,8 Zoll und löst mit 2340 × 1080 Pixel auf. Die OLED-Anzeige hat auf Wunsch einen Always-on-Modus, mit dem sie Hinweise auf Uhrzeit, Wetter, Akkustand und neue Nachrichten gibt. Die Anzeige ist hell, der Kontrast hoch, und die Ränder sind klein. Der fest eingebaute Akku lässt sich leider nicht induktiv befüllen und misst nur 3140 Milliamperestunden. Indes kommt man locker über den Tag, was vielleicht auch der Tatsache geschuldet ist, dass der Prozessor nur zur Mittelklasse gehört. Der Snapdragon 730 unterstützt zudem keinen 5G-Mobilfunk. Das Arbeitstempo wirkt dennoch alles andere als mittelmäßig. Im Gegenteil: Das unverbaute Betriebssystem lässt Apps schnell starten und bietet genug Geschwindigkeit.

Während die Smartphone-Oberklasse mit drei oder gar vier Kameras aufwartet, geht Google hier mit nur einer Linse ins Rennen. Das Experiment überzeugt jedoch, weil der Hersteller wie immer auf leistungsfähige Software setzt, die aus den Rohdaten ein gelungenes Ergebnis berechnet. Ein optischer Bildstabilisator ist an Bord, die Kamera löst mit 12,2 Megapixel auf. Bei Tageslicht gelingen schöne Aufnahmen, in dunkler Umgebung lohnt sich der Einsatz eines Stativs. Der Autofokus verwendet eine Dual-Pixel-Phasenerkennung, und Google spendiert einen Porträt-Modus für unscharfe Hintergründe, der sich sogar auf bereits geschossene Fotos anwenden lässt.

Der Speicher von 128 Gigabyte ist nicht erweiterbar, und es gibt auch nur einen Slot für Sim-Karten. Indes kann man mit einer E-Sim auch eine zweite Nummer aufs Gerät bringen. Statt einer biometrischen Gesichtserkennung muss man sich – wie beim iPhone SE – mit dem Fingerabdrucksensor bescheiden. Beim Pixel 4a liegt er auf der Geräterückseite. Bluetooth 5.1, NFC und USB-Typ C runden die Ausstattung ab, an der Oberseite gibt es sogar einen analogen Kopfhörerausgang. Ein Sicherheitschip soll Kennworte, Google Pay oder Log-in-Daten schützen. Worauf man neben 5G verzichten muss: auf den aktuellen Wifi-Standard 6 und einen Schutz gegen Staub und Wasser. Insgesamt erhält man für einen kleinen Preis ziemlich viel Smartphone mit einer sicheren Update-Zukunft und verblüffend guten Kamera.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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