Samsung Note 20 Ultra im Test

Groß, aber nicht zu groß

Von Marco Dettweiler
18.08.2020
, 16:00
Das Smartphone mit dem Stift ist einfach nicht aus der Welt zu kriegen. Im Gegenteil. Samsung hat mit dem Note 20 Ultra gute Argumente geliefert, dass dieser Exot weiterhin seine Käufer findet. Wir haben das Gerät getestet.

Es ist immer wieder faszinierend, welchen Einfluss allein das Design eines Smartphones darauf hat, wie es sich in der Hand anfühlt. Auch wenn das neue Note 20 Ultra von Samsung noch etwas größere Maße als das eh schon sehr große S 20 Ultra hat, liegt es geschmeidiger in der Hand, fühlt es sich leichter an als das Flaggschiff aus der S-Reihe. Doch es sind lediglich zwölf Gramm weniger Gewicht und das Gehäuse ist sogar einen Millimeter breiter. Der Eindruck kommt vermutlich zustande, weil die seitlichen Kanten etwas runder geformt sind und die Rückseite aus Gorilla Glas 7 angeraut ist.

Warum ist das so wichtig bei einem Gerät wie dem neuen Note von Samsung? Weil die Koreaner seit einigen Jahren zwei Größen anbieten und die Ultra-Variante, die bei den Vorgänger-Modellen noch bescheidener „Plus“ hieß, noch einmal gewachsen ist. Ein Smartphone mit einem 6,9 Zoll großen Bildschirm, den Maßen 164,8 x 77,2 x 8,1 Millimeter und einem Gewicht von 208 Gramm dürfte viele Interessenten zunächst abschrecken. Doch bevor man vorschnell urteilt, sollte man das Gerät einmal in die Hand nehmen und ein bisschen durch die Gegend tippen. Bis auf die Tatsache, dass es in manchen Hosentaschen herausragt, lässt sich das Note 20 Ultra angenehm bedienen.

Wer viel Smartphone will, bekommt mit dem Note 20 Ultra auch viel Smartphone – muss aber auch viel bezahlen. 1266 Euro ist selbst in der Oberklasse der obere Bereich. Es gibt kaum ein Android-Gerät eines anderen Herstellers, für das Käufer mehr Geld ausgeben können. Die Spezifikationen lesen sich daher wie eine Best-of-Ausstattung: Ein Oled-Bildschirm mit 3.088 x 1440 Pixel (bei 120 Hertz Bildwiederholrate „nur“ 2316 x 1080), was bei einer Größe von 6,9 Zoll üppige 466 ppi Pixeldichte ergibt. Mit dem Arbeitsspeicher mit 12 Gigabyte und der hauseigenen Prozessoreinheit Exynos 990 ist das Note 20 Ultra bestens aufgestellt für leistungsintensive Anwendungen. Doch eigentlich brauchen nur wenige Nutzer so ein hochgerüstetes Smartphone. Im Alltag spielt das Gerät selten seine Leistungsfähigkeit aus. Für die üblichen Anwendungen reicht der Arbeitsspeicher und die Prozessoreinheit der Vorgängermodelle.

Die Befürchtung war eher, dass es im Alltag an einer anderen Stelle hängen bleibt. Nämlich irgendwo mit seinem fetten Kameramodul auf der Rückseite. Das schaut soweit aus dem Gehäuse heraus, dass man das Gerät fast an die Schreibtischkante hängen kann. Doch es stört weder in der Hosentasche noch in der Hand. Nur wenn das Note rücklings auf dem Tisch liegt, kippelt das Ganze beim Tippen. Auf dem S 20 Ultra stand unter den vier Optiken noch „Space Zoom 100 X“. Dieser Hinweis ist ebenso verschwunden wie der Tiefensensor. Das ist gut so, denn der hundertfache Hybridzoom war mehr Marketing als brauchbare technische Raffinesse. Ansonsten ist die Kamera des Note der des S 20 Ultra ähnlich. Das Teleobjektiv hat „nur“ noch 12 Megapixel – was qualitativ eher wertvoll ist – und ist mit einer Blende von F3.0 lichtstärker geworden. Das Weitwinkel mit 108 Megapixel und Ultra-Weitwinkel mit 12 Megapixel haben die gleiche Auflösung wie in der Kamera des S 20 Ultra.

Samsung hat bei der Software der Kamera noch einmal nachgebessert. In Kombination mit den Hardwareänderungen des Teleobjektivs (geringere Auflösung und lichtstärkere Blende) fällt hier der Unterschied am meisten auf. Wie das S 20 Ultra nutzt das Note eine Periskoptechnik und kommt jetzt sogar auf einen fünffach optischen Zoom. Mit Hilfe der Software lässt sich immerhin noch fünfzigfach zoomen, was aber immer noch übertrieben ist. Ein zehnfacher Zoom ist die Grenze des Sinnvollen.

Im Vergleich zum S 20 Ultra wirken die Bilder manchmal noch ein wenig kontrastreicher, die Zeichnungen in dunklen Bereichen sind genauer. Auch zieht der Autofokus des Note beim Fotografieren mit dem Teleobjektiv schneller scharf, was wohl an der laserbasierten Technik liegt. Die Kamera macht in nahezu allen Situationen sehr gute Fotos. In dieser Disziplin spielt Samsung weiterhin ganz vorne mit.

Ach ja, und dann ist da ja noch der Stift. Seit vielen Jahren das Alleinstellungsmerkmal der Note-Serie. Neben der hochwertigen technischen Ausstattung wirbt Samsung bei Business-Kunden mit dieser Funktionalität. Die Gestensteuerung der Vorgängermodelle behalten die Koreaner bei. Der Stift lässt sich also nicht nur fürs Schreiben einsetzen. Man kann die Selfie-Kamera damit auslösen, in Spotify zum nächsten Lied springen und andere Dinge tun. Egal, wie wir den Stift drehen und wenden. Wir brauchen diese Funktionalität nicht. Eher ist der Stift für Notizen im Einsatz. Das klappt weiterhin prima. Herausziehen und in Smartnotes losschreiben. Laut Samsung hat der Stift noch weniger Latenzzeit. Im Vergleich zum Note 10 ist sie von 42 auf 9 Millisekunden gesunken. Der S-Pen kommt also einem klassischen Stift haptisch immer näher. Weiterhin faszinierend ist die Funktion „In Text konvertieren“. Man schreibt etwas auf, klickt auf ein Symbol und das Note verwandelt die händisch geschriebenen Worte in den Schriftfont des Computers.

Es bleibt dabei: Auch das Note 20 Ultra ist interessant für all jene, die in der Ausstattung und bei der Größe des Bildschirms keine Kompromisse machen wollen. Dann könnte man allerdings auch zum S 20 Ultra greifen, welches sich im Online-Handel allmählich den 1000 Euro nähert. Das Note 20 Ultra kostet immerhin 1266 Euro. Wer sich an den Stift gewöhnt hat und etwa das Note 10+ besitzt, hat diese Gründe für einen Umstieg: Erstens macht die Kamera in bestimmten Umgebungen noch etwas bessere Bilder. Zweitens hat der Bildschirm eine Wiederholrate von 120 Hertz, was wir an Smartphones nicht mehr missen möchten. Und drittens ist der Stift noch etwas schneller, hat also weniger Latenzzeit, was einen wahrnehmbaren, aber minimalen Unterschied ausmacht. Wer sein erstes Smartphone mit Stift kaufen will, sollte auf jeden Fall direkt zum Note 20 Ultra greifen. Denn das Note 10+ kostet offiziell immer noch knapp 1100 Euro. Die zweihundert Euro mehr lohnen sich.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Dettweiler, Marco
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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