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Samsung S9+ im Test

Im Dunkeln spektakulär

Von Marco Dettweiler
 - 13:58

Die Frage aller Fragen bei jedem neuen Smartphone: Lohnt sich der Wechsel? Weil die Produkte mittlerweile eine sehr hohe Qualität haben und die Unterschiede im Vergleich zum Vorgänger immer geringer werden, muss man oft mit „Nein“ antworten. So verhält es sich auf den ersten Blick beim Samsung S9 und S9+, die schon vorbestellt werden können und am 16. März ausgeliefert werden. Design, Display und Maße haben sich kaum verändert. Der ohnehin schnelle Prozessor ist noch schneller geworden. Insofern gelten in diesen Punkten die gleichen Einschätzungen wie für das S8 und S8+.

Doch bevor Besitzer eines Note 8, S8 oder S8+ nun die Lektüre beenden, sollten sie diese Frage beantworten: Fotografieren Sie gern und häufig im Dunkeln? Dann bitte weiterlesen! Denn die neue Kamera kann etwas, was andere Smartphones bisher nicht konnten: Scharfe Bilder bei Lichtverhältnissen aufnehmen, wo normalerweise nur viel schwarz zu sehen ist. Der Verdienst gebührt einer Blende von f/1.5, die den Lichteinfall übernimmt, wenn es dunkel wird. Ansonsten arbeitet das S9+ mit f/2.4.

Wir haben mit dem S9+ dutzende Fotos gemacht. Mit dabei war das Pixel XL 2 von Google als Sparringspartner und Testsieger. Vergleicht man die Aufnahmen beider, geschossen tagsüber draußen oder in beleuchteten Innenräumen, sind die Unterschiede eher gering. Samsung gibt den Fotos per Software einen leichten Gelb- oder Rotstich mit, sodass sie etwas wärmer als die des Pixel erscheinen.

Je nach Motiv liefern beide Kameras zwar eine große Dynamik der Farben, versuchen aber auch durch deutlich erkennbare Abstufungen die Bilder knackig und kontrastreich zu machen. Das gelingt meist beiden Geräten. Die Aufnahmen des Pixel haben eine leicht kühlere Anmutung, die man eher von Sony-Smartphones kennt. Das S9+ schafft - ebenso wie seine Vorgänger - die Bilder sehr gefällig zu gestalten. Die meisten Kollegen, welche die Vergleichsbilder sahen, mochten die Samsung-Aufnahmen etwas mehr.

Die Beurteilung verlässt dann die Ebene des Geschmacks, wenn die Kameras im Dunkeln eingesetzt werden. Dann spielt das S9+ seinen Vorteil, eine Blende von f/1.5 und einige Softwaretricks zu haben, voll aus. In Räumen mit mäßigem Licht rauschen die Fotos des Pixel deutlich, Artefakte bilden sich. Das Samsung-Smartphone bildet klarer und schärfer ab, zeigt zudem mehr Details. Das Pixel versagt, wenn die Kamera Gegenstände in fast komplett dunklen Räumen abbilden soll. Dann sind nur noch helle Flecken zu erkennen. Den Flaggschiffen anderer Herstellern würde es auch so gehen. Die Kamera des S9 kann in sehr dunklen Räumen genügend Licht einfangen. Das ist ein riesiger Gewinn. Zwar rauschen nun die Bilder auch etwas, aber Details und Farben sind zu sehen.

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Kamera des Samsung S9+
Superzeitlupe im Test

Die zweite neue Funktion ist die Superzeitlupe. Weil hinter dem Sensor ein Speicherchip für diese eine Funktion sitzt, kann die Kamera für 0,2 Sekunden 192 Bilder in einer HD-Auflösung von 720p aufnehmen und sie dann auf sechs Sekunden gestreckt mit 30 fps wiedergeben. Das alles hatte Sony schon vor einem Jahr mit dem Xperia XZ Premium eingeführt - und Samsung hat nun diesen Sensor inklusive Speicheraufsatz in seinem S9+ verbaut. Eine - eigentlich sinnvolle - Funktion kommt dazu: Im Automatikmodus löst die Kamera die Superzeitlupe aus, sobald sich etwas in einer quadratischen Fläche des Fokus bewegt.

Im Test hat die Erkennung nicht zuverlässig funktioniert, man kann sich darauf nicht verlassen. Es bleibt also der gleiche Versuchsaufbau wie beim Sony XZ Premium: Das Objekt, das in Superzeitlupe aufgenommen werden soll, wird fokussiert, dann wird die Videoaufnahme gestartet und der Beginn besagter 0,2 Sekunden manuell ausgelöst. Der Flügelschlag eines vorbeifliegenden Vogels, das Zerbersten einer Glasflasche oder das Eintauchen ins Wasser, das sind Aufnahmen, um die sich weiterhin Profis kümmern sollten.

Uns ist gelungen, einige witzige Videoaufnahmen in Superzeitlupe zu drehen, wie im Video zu sehen ist: Fallende Wassertropfen, brennende Streichhölzer, fliegende Plastikflaschen, abbrennende Wunderkerzen und Bewegungsstudien des Videoredakteurs. Wer sich die Zeit für die Superzeitlupe nimmt, hat dabei Spaß. Ihre Einsatzmöglichkeiten sind allerdings konträr zu denen eines Schnappschusses. Mal eben schnell gemacht ist eine Superzeitlupe nicht, man muss sie sorgfältig planen. Vielleicht fördert Samsung damit das bewusste Fotografieren, weil die Beschäftigung mit der Pro-Einstellung der Kamera-App zeigt, dass damit sehr gute Bilder gelingen können. Vom ISO-Wert über die Blende bis hin zu Weißabgleich kann alles manuell eingestellt werden. Doch auch das ist nicht neu. Das können die Kamera-Apps der Oberklasse-Smartphones schon lange.

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Samsungs neues Flaggschiff
Das Samsung Galaxy S9+ im Kurztest

Lohnt sich also der Kauf des S9+? 950 Euro kostet die Plus-Variante. Sein S8+ ob der besseren Kamera und Superzeitlupenfunktion in die Ecke zu legen, das ist wohl übertrieben.

Wer neu in die Android-Welt einsteigt oder ein älteres Smartphone benutzt, wird vom Sprung auf das S9+ profitieren. Und das alte S8 ist übrigens mit dem Erscheinen der neuen Oberklasse deutlich günstiger zu haben, schon für rund 600 Euro.

Technische Daten und Preis

Bildschirm: 5,8 Zoll Super Amoled Quad HD+ mit 2.960 x 1.440 Pixeln und in einem 18,5:9 Format, Plus: 6,2 Zoll

Prozessor: Octacore 2,9 GHz + 1,7 GHz

Arbeitsspeicher: 4 GB Ram / 6 GB Ram beim Plus

Datenspeicher: 64 GB, mit MicroSD-Karte auf bis zu 400 GB erweiterbar

Kamera hinten: 12 MP, Blenden: F/1.5 und F/2.4, Plus: Dualkamera mit 12 MP F/1.5 & F/2.4 Blende

Kamera vorne: 8 MP F/1.7

Anschlüsse: LTE Cat 18, Bluetooth 5.0, NFC, W-Lan 802.11 a/b/g/n/ac, GPS

Akku: 3.000 mAh, Plus: 3500 mAh

Maße: 147 x 68,7 x 8,5 Millimeter, Plus: 158,1 x 73,8 x 8,5 Millimeter

Gewicht: 163 Gramm, Plus: 189 Gramm

Betriebssystem: Android 8

Preise: 850 Euro für das S9 und 950 Euro für das S9+

Quelle: FAZ.NET
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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