Scanwatch von Withings im Test

Gesunde Zeiten

Von Michael Spehr
Aktualisiert am 22.10.2020
 - 15:53
Die Scanwatch von Withings mit EKG und Sportfunktionen.
Die Scanwatch von Withings vereint die analoge Uhrenwelt mit der digitalen Zeit. Zudem bietet sie eine extrem lange Akkulaufzeit.

Es gibt ungezählte Berichte aus aller Welt, wie die Apple Watch mit ihrer EKG-Funktionalität ältere Menschen auf ein bislang nicht entdecktes und gefährliches Vorhofflimmern hingewiesen hat. Wir haben jetzt eine Smartwatch ausprobiert, die das auch kann und ein EKG sowie andere Messergebnisse ohne iPhone präsentiert. Zudem bietet sie eine extrem lange Akkulaufzeit. Die Scanwatch von Withings setzt dazu auf mehrere Tricks: Sie ist eine Armbanduhr mit gewohntem Zifferblatt und mechanischen Zeigern, sie verzichtet also auf eine großflächige elektronische Anzeige, sondern hat nur ein kreisrundes kleines Monochromdisplay im oberen Achtel eingebaut, das sich auf Tastendruck aktiviert. Auch das stromfressende GPS fehlt, so dass der früher zu Nokia gehörende französische Hersteller von einer Akkulaufzeit von bis zu 30 Tagen spricht.

Verblüffend klein ist der Preis: Die Scanwatch startet bei 280 Euro, und dafür erhält man keineswegs eine Uhr im Gehäuse aus Kunststoff oder Aluminium, sondern erstaunlicherweise ein hochwertiges Edelstahlgehäuse mit Saphirglas. Apple, Garmin und andere lassen sich diesen schönen Luxus deutlich teurer bezahlen. Die Scanwatch ist in zwei Bauhöhen mit 38 und 42 Millimetern erhältlich, und sie ist wasserdicht bis zu einer Tauchtiefe von 50 Metern. Geladen wird die Uhr leider nicht induktiv, sondern mit einem Adapter, der drei Pogo-Pins verwendet. Die Armbänder sind wechselbar, und die schlichte Eleganz des analogen Zifferblatts gefällt. Das guillochierte Zweitzifferblatt zeigt, wie viel Prozent des täglich zurückzulegenden Schritt-Ziels man bereits absolviert hat.

Zur Inbetriebnahme der Uhr ist ein Smartphone mit iOS oder Android unabdingbar, und man benötigt die Health Mate genannte App des Herstellers. Sie bindet auch andere Withings-Geräte an, alles läuft hier unter einem Dach zusammen. Uhr und App sind mit Bluetooth verbunden, in der App nimmt man zudem grundlegende Einstellungen vor.

Ist das alles erledigt, muss man sich um nicht viel kümmern. Die Oled-Anzeige ist auf Wunsch entweder kontinuierlich eingeschaltet oder wird mit einem Tipp auf die Krone aktiviert. Mit dem Drehen der Krone lassen sich die einzelnen Funktionen aufrufen oder Messwerte wie die Zahl der bereits zurückgelegten Schritte oder die kontinuierlich erfasste Herzfrequenz abrufen. Dass die kleine Digitalanzeige nur ein grobschlächtiges Bild zeigt, sei ihr verziehen.

Wie die Apple Watch schreibt auch die Scanwatch auf Knopfdruck ein simples Einkanal-EKG, das nur einen winzigen Bruchteil der Informationen eines 12-Kanal-EKGs beim Kardiologen liefert. Herzinfarkte lassen sich damit nicht erkennen, wohl aber besagtes Vorhofflimmern. Diese Funktion ist klinisch validiert. Im Laufe des Jahres kommen per Update noch zwei weitere Herzfunktionen hinzu, die Warnungen bei zu niedriger oder zu hoher Herzfrequenz.

Auch die Schlafüberwachung mit der Erkennung von Schlafapnoe, also Atemstillständen während des Schlafs, muss noch validiert werden. Derzeit weist die Uhr nur auf Atmungsstörungen während des Schlafs hin, und das macht sie wahlweise jede Nacht oder einmal pro Quartal für drei Nächte in Folge. Gemessen werden in solchen Nächten die Herzfrequenz, die Herzfrequenzvariabilität und die Sauerstoffsättigung. Die durchgehende Überwachung reduziert die Akkulaufzeit drastisch. Wer zwischendurch nur gelegentlich ein EKG schreiben lässt oder die Sauerstoffsättigung misst, kann nach unseren Erfahrungen durchaus mit einer Akkuladung jenseits von zwei bis drei Wochen rechnen. Sehr spektakulär.

Von den Gesundheitsfunktionen abgesehen, ist die Scanwatch auch ein brauchbarer Begleiter für das tägliche Sportprogramm. Mehr als zwei Dutzend verschiedener Aktivitäten lassen sich auf Knopfdruck mitsamt entsprechender Metrik aufzeichnen. Allerdings wird die zurückgelegte Strecke beim Joggen oder Radfahren nur dann erfasst, wenn das Smartphone mit GPS in der Nähe ist. In der Health App erfolgt eine Auswertung, die zwar nicht üppig ist, aber vielleicht doch motiviert. Sodann kann die Uhr auch Push-Nachrichten vom Smartphone mit Vibration und reduzierter Anzeige auf dem Display spiegeln, und sie lässt sich als Komfortwecker einsetzen, der genau dann vibriert, wenn in einem vorgegebenen Zeitfenster das Aufstehen angesagt ist. Alles in allem ist die Scanwatch mit ihrem innovativen Ansatz eine gelungene Überraschung, die wir gern empfehlen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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