Smarthome

Wohin das vernetzte Haus zieht

Von Michael Spehr
27.10.2021
, 09:50
Heizungsregelung: Eve Thermo steuert die Raumtemperatur auf Zuruf.
Je mehr Komponenten im Smarthome funken, um so instabiler das Netz. Jetzt kommt endlich Abhilfe.
ANZEIGE

Das smarte Heim mit vernetzten Sensoren und dem Internet der Dinge wird mehr und mehr Realität. Derzeit hat rund jeder siebte Haushalt eine entsprechende Ausstattung, schon 2025 soll es nach Schätzungen von Google jeder dritte sein. Einer der führenden europäischen Hersteller ist Eve Systems aus München mit Angeboten zur Messung von Raumtemperatur, Luftdruck, Beleuchtung, Heizung, Rauchmeldern und mehr. Überwiegend stehen bei den Kunden Themen wie Energieeffizienz, Sicherheit und Komfort im Vordergrund, wenn ein Produkt fürs Smarthome gekauft wird, sagt Geschäftsführer Jerome Gackel der F.A.Z..

ANZEIGE

Eve Systems verwendet die Homekit-Technik von Apple mit den Vorzügen der Datensparsamkeit: Nichts landet in der Cloud, man muss sich nicht anmelden, und es gibt kein Tracking, also keine digitale Nachverfolgung sämtlicher Aktivitäten. Doch ein Problem hat auch Homekit: Je mehr vernetzte Sensoren sich mitsamt Bluetooth-Datenübertragung oder WLAN im Haus tummeln, umso störungsanfälliger wird das Ganze.

Derzeit hat ein vernetztes Heim ungefähr neun smarte Geräte, bis 2025 werden es nach Schätzungen von Google aber schon 20 sein. Je komplizierter die dadurch bedingten Netzstrukturen sind, desto intelligenter muss das System auf Störungen und Ausfälle reagieren. WLAN mit großer Reichweite und schnellen Reaktionszeiten, aber hohem Stromhunger stößt hier ebenso an Grenzen wie Bluetooth mit wenig Stromverbrauch, langen Reaktionszeiten sowie geringen Reichweiten und Datenübertragungsraten.

Temperatursensor: Eve Room
Temperatursensor: Eve Room Bild: Hersteller

In einem ersten Schritt hat sich schon vor Jahren die „Thread Group“, bestehend aus Google, Samsung, Apple und anderen, auf eine neue, offene Netzwerktechnik für das Internet der Dinge geeinigt. Thread basiert auf dem IP-Protokoll 6 und bildet ein Netzwerk, das nicht von zentralen Knotenpunkten oder einer Bridge abhängig ist. Beim Ausfall einer Komponente suchen sich alle anderen Beteiligten automatisch einen neuen Weg, man spricht von einem selbst heilenden Mesh-Netz. Thread benötigt einen „Border Router“, das ist in einer Homekit-Umgebung zum Beispiel ein Homepod-Mini-Lautsprecher oder ein Apple TV. Je mehr Thread-Geräte in einem Netz, umso stabiler läuft es.

ANZEIGE

Thread wird bereits von Dutzenden Geräten unterschiedlicher Hersteller unterstützt, und nun zündet die nächste Stufe der Heimvernetzung: Matter ist der offene Smarthome-Standard, der hersteller- und geräteübergreifend funktioniert, ein Industriestandard so gut wie aller Beteiligten, der es zum Beispiel erlaubt, ein Google- oder Amazon-Produkt in die Apple-Welt zu integrieren. Muss man bisher beim Kauf neuer Geräte beachten, in welchem Ökosystem sie laufen sollen, ist dieses Problem mit Matter aus der Welt.

Matter wird von der Connectivity Standards Alliance (CSA) entwickelt, die wiederum aus der Zigbee Alliance hervorging. Hier sind nun Unternehmen wie Apple, Amazon, Google, Ikea, Somfy und viele andere mehr an Bord. Matter soll dafür sorgen, dass alle Geräte aller Hersteller reibungslos miteinander kommunizieren können, und verwendet Ethernet, WLAN, Thread und Bluetooth.

ANZEIGE

Bestehende Systeme wie Apples Homekit oder Amazon Alexa werden damit nicht überflüssig. Matter ist eine Art neue Einheitssprache für alle beteiligten Systeme, welche dafür sorgt, dass sich alle verstehen. Auf diese Weise kann man ein Nest-Thermostat von Google in einer Apple-Umgebung nutzen oder umgekehrt Apple-Sensoren in die Google-Welt bringen. Die neue Lingua franca für das Smarthome startet mit ersten Geräten im kommenden Jahr. Viele Produkte von Eve Systems lassen sich mit einem Update auf Matter aktualisieren.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
FacebookTwitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE