Smartwatch für Senioren

Großmutter am Zaun

Von Michael Spehr
07.07.2021
, 10:36
Die Alternative: Smartwatch der Telekom statt Hausnotrufsystem
Taugt eine Smartwatch als Notrufsystem für Senioren? Die Telekom bringt eine Uhr mit Sturzerkennung auf den Markt. Wie gut ist sie?

Ein Hausnotrufsystem mit Alarmknopf und eingebautem Sturzmelder ist für viele gebrechliche und allein lebende Senioren die Technik der Wahl für ein Mehr an Sicherheit. Aber es muss nicht immer ein solches System sein, es gibt Alternativen. Zum einen die Apple Watch mit Mobilfunk und GPS-Ortung, die ebenfalls eine Sturzerkennung eingebaut hat. Hier wird die nächste Rettungsleitstelle automatisch angerufen, sofern der Uhrenträger den Anruf nicht vorher abbricht, weil es ihm gut geht. Es gibt Berichte zuhauf, wie zuverlässig die Technik funktioniert.

Jenseits von Apple sind in den einschlägigen Internetkaufhäusern etliche Notrufarmbänder von kleineren Herstellern im Handel. Teils arbeiten sie mit einer eigenen Basisstation, teils im Zusammenspiel mit einem Großtasten-Handy. GPS ist nicht immer eingebaut, man informiere sich vorab über die Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit.

Nun stellt die Telekom eine Senioren-Smartwatch vor, die Safety Watch von TCL, einem chinesischen Konzern, der auch Fernsehgeräte und Audioprodukte herstellt. Die Uhr kostet 150 Euro in Einmalzahlung oder 10 Euro im Monat mit Mobilfunkvertrag, den man ohnehin benötigt. Ohne Sim-Karte und Netzanbindung kann man mit der Uhr nicht viel anfangen.

Wo Opa ist: Die Karte zeigt’s sofort.
Wo Opa ist: Die Karte zeigt’s sofort. Bild: Hersteller

Nach dem Auspacken der Safety Watch erkennt man sofort, warum sie so günstig ist. Im Unterschied zu den hier dargestellten Rendering-Fotos des Herstellers wirkt die Uhr billig. Das gilt für die Anmutung des Plastikgehäuses ebenso wie für das wechselbare Armband (wahlweise rot oder grau) und den Ladeanschluss mit Magnet und Pogo-Pins auf der Rückseite. Mit Maßen von 48,5 × 41 × 14,25 Millimeter ist die TCL größer und dicker als die Apple-Watch im 44-Millimeter-Gehäuse und mit einem Gewicht von 57 Gramm auch deutlich schwerer. Sie ist nach IP 67 gegen Wasser und Staub geschützt.

Diese Uhr ist kein Schmuckstück, und die nächste Enttäuschung zeigt sich nach dem Einschalten: Das Display ist nicht bis an den Rand geführt, es gibt dicke schwarze Balken an allen vier Seiten. Bedient wird sie mit feinen Wischbewegungen über die Anzeige, nichts für Menschen mit eingeschränkter Feinmotorik. Auf der rechten Seite befinden sich ein hinreichend großer Ein- und Ausschaltknopf sowie die SOS-Taste, die im Unterschied zur Apple Watch nicht die nächste Rettungsleitstelle alarmiert, sondern vorab definierte Notfallkontakte. Links am Gehäuse lässt sich eine Nano-Sim mit Spezialwerkzeug einsetzen, die moderne E-Sim wird nicht unterstützt.

Hardware, Menüsystem und Design sind eine Reise in die Vergangenheit, aber die Software kann einiges wettmachen. Die Uhr hat einen Schrittzähler eingebaut sowie besagte Sturzerkennung, und man kann mit ihr in hinreichender Akustik telefonieren. Das interne Telefonbuch fasst bis zu 50 Kontakte.

Noch besser gefällt die TCL-App für iPhone und Android. Sie ist nicht gedacht für den Uhrenträger, sondern für den sorgenden Familienangehörigen, der hier ein perfektes Instrument an die Hand bekommt, um den Status des Seniors jederzeit zu sehen. Oder zu überwachen. Die App zeigt den geographischen Standort und den historischen Verlauf der zurückgelegten Wege, den Akkustatus, die Zahl der zurückgelegten Schritte, Daten zum Schlafverlauf, sofern die Uhr nachts getragen wurde, und es lässt sich sogar ein geographischer Geofence einrichten. Der Familienangehörige erhält dann eine Meldung, sobald der Träger der Uhr das markierte Gebiet betritt oder verlässt.

Insgesamt macht die Uhr, was sie soll, die Ortung ist genau, und der Akku schafft immer einen ganzen Tag. Bedenken kann man wegen des Datenschutzes haben – oder wegen der kleinteiligen Bedienung mit dem Touchscreen. Eine ähnliche Uhr von TCL gibt es unter der Modellbezeichnung Family Watch, unter anderem im Angebot bei 1&1. Sie ist für die Überwachung von Kindern konzipiert, hat eine Kamera für Videotelefonate und WLAN eingebaut. Hier gibt es einen Schulmodus für ungestörtes Lernen, ebenfalls den Geofence und die Notruffunktionalität.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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