Samsung Watch Active 2

Am Puls der Zeit

Von Michael Spehr
10.06.2020
, 11:14
Die Smartwatch Watch Active 2 wirkt gut verarbeitet, das kreisrunde Design erscheint indes langweilig und wenig kreativ. Spektakulär könnte es werden, wenn Samsung künftig mit der Uhr auch den Blutdruck misst.

Es muss nicht immer Apple sein. Ist eine clevere Uhr als Begleiter für Sport und Freizeit oder als Erweiterung des smarten Telefons gefragt, bieten Rivalen wie Garmin, Polar, Fitbit, Huawei und Samsung schöne Alternativen für einen kleinen Preis. Wir haben die Galaxy Watch Active 2 von Samsung einige Zeit ausprobiert, die es in zwei Gehäusehöhen, 40 und 44 Millimeter, in Materialien wie Edelstahl und Aluminium sowie mit oder ohne Mobilfunk zu Preisen zwischen 300 und 450 Euro gibt.

Unser Testgerät war die größere Variante im Aluminiumgehäuse. Sie wirkt gut verarbeitet, das kreisrunde Design erscheint indes langweilig und wenig kreativ. Die Uhr ist nach Schutzart IP 68 gegen Staub und Wasser geschützt. Armbänder lassen sich ohne Werkzeug wechseln, wobei der Mechanismus und die dünnen Befestigungsstege fragil wirken.

Zwei Tasten an der rechten Seite sind für die Bedienung zuständig, und der Samsung-Freund fragt sich natürlich gleich, was aus der analogen, drehbaren Lünette der Vorgängermodelle geworden ist. Die fehlt hier, stattdessen gibt es einen berührungsempfindlichen Display-Rand, über den man mit dem Finger entlangstreichen soll. Der Hauptvorteil der Lünette, die sichere Bedienung mit feuchten Fingern oder Handschuhen, ist indes mit dieser Touch-Lösung dahin. Im täglichen Umgang mit der Uhr stört man sich zudem an manchen Details und gelegentlicher Umstandskrämerei, die man von einer Apple Watch nicht kennt.

Was indes begeistert, ist das sehr helle und kontrastreiche Display in Verbindung mit Dutzenden liebevoll gestalteter Zifferblätter. Wie bei der Apple Watch Series 5 ist die Anzeige auf Wunsch immer aktiv, nach einigen Sekunden reduziert sich die Darstellung allerdings auf die Uhrzeit, so lässt sich Energie sparen. Verwaltet werden die Zifferblätter in einer von mehreren Apps, die man für den Betrieb benötigt. Die Apps stehen für beide Smartphone-Plattformen Android und Apples iOS zur Verfügung. Das wundert kaum, denn wie Huawei haben sich auch die Koreaner gegen Googles Smartwatch-Betriebssystem Wear OS entschieden, das kaum noch gepflegt wird. Samsung setzt auf sein hauseigenes Tizen, das ordentlich läuft, aber im Vergleich mit Wear OS manche auf der Uhr laufende App vermissen lässt.

An der Ausstattung gibt es sonst nichts zu kritisieren, wenngleich kontaktloses Bezahlen, ein Kompass oder die Messung der Sauerstoffsättigung des Blutes fehlen. GPS und Herzfrequenzmessung arbeiten ordentlich und präzise. Viele verschiedene Sportaktivitäten lassen sich erfassen, aber die Analytik und Bündelung der Aktivitäten in der Samsung-Health-App bleibt gegenüber ausgewachsenen Sportuhren wie denen von Garmin oder Polar weit zurück. Auch ist es nicht möglich, seine Daten und Aktivitäten in einem Browserfenster am PC anzusehen oder weitergehend auszuwerten.

Einige Knüller kommen jedoch noch. So wurde bereits zur Ankündigung der Uhr im vergangenen Jahr versprochen, dass eine EKG-Funktion im ersten Quartal dieses Jahres nachgereicht werde. Dazu kam es nicht. Indes ist die Funktionalität nun in Korea freigegeben, und im dritten Quartal will man liefern. Spektakulär könnte eine zweite, bislang ebenfalls nur angekündigte Funktion sein, nämlich die Messung des Blutdrucks. Das kann bislang keine Smartwatch. Samsung will dazu den Herzfrequenzsensor nutzen. Bevor die Watch Active 2 diesen Zusatzjob übernimmt, muss sie einmalig mit einem herkömmlichen Blutdruckmessgerät kalibriert werden. Der Vorgang sei einmal im Monat zu wiederholen, sagt der Hersteller. Zudem funktioniert die Blutdruckmessung nur im Zusammenspiel mit einem Samsung-Smartphone. Ungeachtet dieser Einschränkungen steht Samsung hier für Innovation.

Der Akku wird auf moderne Weise induktiv mit einem beiliegenden Qi-Ladepuck befüllt und hält etwas länger als einen Tag durch. Wer mit GPS seine Radtour aufzeichnet und währenddessen kontinuierlich die Herzfrequenz misst, leert den Akku innerhalb von fünf Stunden oder 120 Kilometer. Das ist im Vergleich mit einer Sportuhr blamabel. Wer sich für die Watch Active 2 entscheidet, sucht wohl eher einen Kompromiss zwischen Smart und Sport. In dieser Hinsicht überzeugt die jüngste Samsung. Ihr wichtigster Rivale in der gleichen Preisklasse ist die Huawei Watch GT 2, ebenfalls mit hochwertigem Display, aber deutlich längerer Akkulaufzeit.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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