Smartwatches von Huawei

So dezent kann digital sein

Von Michael Spehr
25.06.2022
, 12:36
Die kleine Watch GT 3 Pro im Kleid aus teurem Material (links) und die große Huawei mit üppiger Amoled-Anzeige.
Mit hochwertiger Anzeige und teuren Materialien drängt Huawei in den Smartwatch-Markt. Die beiden Varianten der Watch GT 3 zeigen im Test nicht nur Pluspunkte.
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Die Smartphone-Ära Huaweis endete mit dem Trump-Bann im Jahr 2019. Das war selbstredend nicht das Ende des Unternehmens. Nach der Anordnung des damaligen amerikanischen Präsidenten darf der chinesische Hersteller seither keine Google-Dienste auf seine Geräte aufspielen. Bis dahin hatte Huawei im Smartphone-Markt eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen geschrieben: Hochwertige Handys mit vielen Finessen eroberten die Welt. Damit ist nun Schluss. Huawei hat ein eigenes Betriebssystem namens Harmony entwickelt, das in der westlichen Welt nicht angenommen wird, und so fokussiert man sich nun auf andere Produkte. In Europa sind dies unter anderem smarte Armbanduhren.

Abermals lässt der chinesische Hersteller die Alteingesessenen ziemlich blass aussehen. Die Uhren mit hochwertigem Amoled-Display und faszinierender Helligkeit kommen mit edlen Materialien, und der Preis bleibt dennoch moderat. Wir haben jetzt einige Zeit die neue Watch GT 3 Pro ausprobiert, die in verschiedenen Varianten erhältlich ist.

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Am spektakulärsten ist die Ausführung in einem weißen Keramikgehäuse. Mancher erinnert sich an die Apple Watch mit diesem Material, die es von der Series 2 bis Series 5 zu Preisen von rund 1500 Euro gab. Dann wurde sie eingestellt. Huawei bringt jetzt die Watch GT 3 Pro in einem 43-Millimeter-Gehäuse in zwei Keramik-Varianten: Mit Silberakzenten und Lederarmband für 500 Euro sowie mit Gold und Keramikarmband für 600 Euro.

Keramik:  Die kleine Watch GT 3 Pro im Kleid aus teurem Material
Keramik: Die kleine Watch GT 3 Pro im Kleid aus teurem Material Bild: Hersteller

Erstere haben wir uns angesehen. Die Keramik hat einen besonderen Charme, der von den in der App mitgelieferten Zifferblättern unterstrichen wird. Da wirkt alles hochwertig und nobel, ein Augenschmaus. Allerdings ist die Anmutung des weißen Lederarmbands unterirdisch billig. Hier gibt es kein Vertun: Das Keramikarmband ist die bessere Wahl, zum Einstellen des Umfangs liegt Werkzeug bei, mit dem man einzelne Kettenglieder entfernen kann.

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Erschlagende Auswahl an Zifferblättern

Hinsichtlich Ausstattung und Funktionalität probierten wir die Watch GT 3 Pro in der 46-Millimeter-Bauform. Sie kostet mit Kunststoff- oder Lederarmband 370 Euro, mit Titanarmband 500 Euro. Das Gehäuse besteht stets aus Titan, und das Glas ist Saphirglas, das eine Kratzfestigkeit bis Mohshärte 9 erreicht. Der Unterschied zur kleineren 43-Millimeter-Variante besteht allein in der Akkukapazität, die mit 530 gegenüber 290 Milliamperestunden fast doppelt so groß ausfällt.

Ungeachtet des 46-Millimeter-Durchmessers wirkt die Watch GT 3 Pro mit einer Bauhöhe von 10,9 Millimeter ungemein schlank und lässt sich gut unter dem Hemdärmel tragen. Die Rückseite ist glasbeschichtet, störende Kontakt-Pins für ein Ladekabel gibt es nicht. Vielmehr wird der Akku der Watch GT 3 Pro induktiv mit einem Ladepuck betankt.

Klar und deutlich: üppiger Amoled-Anzeige  Die große Huawei mit
Klar und deutlich: üppiger Amoled-Anzeige Die große Huawei mit Bild: Hersteller

Um die Huawei-Uhren in Betrieb zu nehmen, ist die Health-App des Herstellers für iOS oder Android erforderlich. Mit ihr lassen sich auch sämtliche Geräteeinstellungen vornehmen oder ein Zifferblatt auswählen. Letztere gibt es zu Hunderten, gratis und gegen Bezahlung, die Auswahl ist geradezu erschlagend. Die Uhr läuft bei Bedarf im „Always on“-Modus, wie die Apple Watch. Bei Armbewegungen erscheint die Anzeige in voller Pracht und Helligkeit, in Phasen der Ruhe erfolgt automatisch der Wechsel zu einer reduzierten Darstellung, die weniger Energie verbraucht. Das Display löst mit 466 x 466 Pixel auf, Helligkeit, Farben und Kon­traste überzeugen.

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Die Bedienung der Watch GT 3 Pro erfolgt mit der Krone rechts oben, sie lässt sich drehen und drücken sowie mit der Seitentaste darunter. Als Betriebssystem kommt Harmony zum Einsatz, es gibt einen App-Store zum Laden zusätzlicher Programme, das Angebot ist mickrig. Wie beim Google-Betriebssystem Wear OS verwendet man Fingergesten, um Einstellungen vorzunehmen, Apps zu starten oder einen Blick auf diverse Diagramme zu werfen. Schwach bleibt die Watch GT 3 Pro wie gehabt in der Smartwatch-Funktionalität. So kann man auf eingehende Nachrichten nur mit vorformulierten Textbausteinen antworten, und es gibt keine Modellvariante mit E-SIM, die den Einsatz ohne begleitendes Smartphone erlauben würde. Immerhin, man kann die Uhr als Bluetooth-Freisprecher verwenden, wenn sich das Handy in der Nähe befindet, die Akustik ist überzeugend.

Weitere Zusatzdienste geplant

Die Uhr hat Sensoren für GPS, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Beschleunigung, Körpertemperatur und ein Barometer eingebaut. Demnächst nachgereicht wird eine EKG-Funktion mit Arteriosklerose-Risikoscreening. Schon jetzt gelingt die Erfassung Dutzender Sportarten sowie des Schlafs sehr ordentlich und mit hoher Genauigkeit. Leider lassen sich die Ergebnisse des Sport-Trackings nur in der Smartphone-App ansehen, nicht im Webbrowser. Auch ist es sehr umständlich, Trainingsdaten zu exportieren, um sie beispielsweise in andere Plattformen zu importieren.

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Wie bei den hochwertigen Garmin-Sportuhren kann man für jede Sportart individuelle Einstellungen vornehmen, also etwa die Anzeige konfigurieren. Die Analytik spielt auf hohem Niveau, wenn etwa Lauf-Leistungen berechnet werden. Neu ist eine Schlagmessung für den Golfspieler. Mit einem Work-out am Tag hält der Akku der großen Huawei mehrere Tage locker durch, die kleine muss öfter auf die Ladestation.

Künftig will Huawei per Abonnement weitere Zusatzdienste rund um Sport und Fitness anbieten. Wie bei Apples Fitness Plus gibt es dann Atemübungen oder Fitnesskurse mit Videoanleitung. Huawei Health Plus soll 8 Euro im Monat oder 60 Euro im Jahr kosten. Dass die Chinesen in diesem Segment erfolgreich sein werden, darf man aber getrost in Zweifel ziehen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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