Soundbar von Sonos im Test

3-D-Sound aus der Nische

Von Wolfgang Tunze
27.11.2021
, 08:17
Raumgefühl: Sonos holt aus einer kleinen Soundbar viel heraus.
Die kleinste Soundbar von Sonos spielt nun auch in Dolby Atmos. Zumindest versucht sie das.
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Dolby Atmos? Wie soll das gehen? Schließlich ist der ganze Lautsprecher gerade einmal 65 Zentimeter breit, kompakt genug also, um unauffällig zwischen den Füßen eines Fernsehers Platz zu nehmen. Aber der Reihe nach. Im Sommer 2018 stellte Sonos, der amerikanische Spezialist für drahtlos vernetzte Lautsprecher, eine Soundbar namens Beam vor. Der tönende Knirps hat uns damals gut gefallen, denn er ließ sich zwar bequem verstauen, wuchs aber akustisch eindrucksvoll über ein Nischendasein hinaus – gerade auch dann, wenn er Musik aus Streaming-Quellen spielte. Jetzt hat Sonos der Beam eine Runderneuerung verpasst, nennt sie folglich Beam Generation 2 und hat ihren Preis moderat angehoben. 499 Euro steht nun auf dem Preisschildchen.

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Äußerlich hat sich die Beam kaum verändert. Geblieben ist ihre zierliche Bauform mit der leicht konkav geformten, matt schimmernden ­Deckfläche, die verhindern soll, dass sich das Fernsehbild spiegelt. Einen kosmetischen Eingriff gab es an der Fassade, die Textilbespannung der Lautsprecherchassis hat Sonos durch eine Kunststoff-Abdeckung mit unzähligen kleinen Luftlöchern ersetzt. Im Inneren hat sich der Generationswechsel stärker ausgewirkt. Zwei neue Lautsprecherchassis kamen hinzu, jetzt spielt die Beam also fünfstimmig auf: Ein Hochtöner und vier Breitbandchassis bestreiten das Programm, drei Passivmembranen unterstützen die Wiedergabe tiefer Frequenzen.

Und die digitale Audio-Verbindung zum Fernseher, eine Anschlussbuchse für ein HDMI-Kabel, hat Sonos aufgebohrt. eARC heißt diese Schnittstelle nun, und das bedeutet: Der „Audio Return Channel“, also der Rückkanal, mit dem die HDMI-Verbindung den digitalen Fernsehton ausgibt, kann nach dieser erweiterten Spezifikation sehr hohe Datenraten transportieren. Das erlaubt zum Beispiel auch die Ausgabe von Heimkino-Ton in Dolby Atmos. Folglich beherrscht die Beam nach Angaben des Herstellers nun auch diese 3-D-Tonart, zumal ihr ein schnellerer Audioprozessor bei der aufwendigeren Signalverarbeitung hilft.

Damit sind wir bei der Ausgangsfrage. Eine opulente Installation für dieses Tonformat besteht ja gut und gern aus zehn Lautsprechern, von denen vier an der Zimmerdecke ­hängen, um von dort aus den Eindruck akustischer Höhe zu ver­mitteln. Viele Soundbars versuchen, diese Konfiguration mit beschei­deneren Mitteln nachzubilden. Sie lassen zwei ein­gebaute Lautsprecherchassis nach oben gegen die Decke feuern, um den gewünschten 3-D-Effekt zu erzielen. Die kleine Beam aber strahlt den Schall eigentlich nach wie vor nur nach vorn und zur Seite ab. Was fängt sie also mit Dolby-Atmos-Signalen an?

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Das wollten wir wissen und haben die neue Soundbar ins Netzwerk eingebunden – ein kurzer Prozess, wenn es im Haus schon eine Installation mit anderen Lautsprechern des Herstellers gibt. Die gute Nachricht: Der ausgewogene, gerade auch für die Musikwiedergabe prädestinierte Klangcharakter der Beam ist geblieben, und im Surroundbetrieb überzeugt sie nach wie vor, besonders natürlich, wenn noch zwei kleine Sonos One als drahtlose Surround-Lautsprecher mitspielen. Aber Dolby Atmos? Den 3-D-Sound kann die Beam eben nur mit rein virtuellen Mitteln erzeugen, gestützt auf einschlägige Algorithmen. Aber das macht sie gar nicht schlecht: Tatsächlich vermittelt die Atmos-Tonspur noch ein bisschen mehr Raumgefühl – keine präzise lokalisierbaren Schallereignisse in luftiger Höhe zwar, aber doch eine sinnvolle Anmutung von den Dimensionen des Geschehens.

Quelle: F.A.Z.
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