Sportuhr Polar Grit X im Test

Im zweiten Anlauf

Von Michael Spehr
12.05.2020
, 15:04
Polar ist wieder da und verbessert seine Sportuhren. Die neue Grit X richtet sich an Profis, ist aber günstig.

Als Polar vor anderthalb Jahren ein Comeback auf dem Markt der Sportuhren startete, lautete unser Fazit, dass die damals neu vorgestellte Vantage eine Wette auf die Zukunft ist. Zwar seien viele Aspekte der Uhr spannend und faszinierend, aber ebenso viel müsse noch nachgeliefert werden. Diese Wette hat Polar gewonnen. Läufer, Sportbegeisterte und professionelle Athleten sind mit einer Sportuhr oder einem Brustgurt des finnischen Familienunternehmens groß geworden. Polar war einer der Pioniere in diesem Bereich und brachte erste Produkte seit Beginn der achtziger Jahre auf den Markt. Dann stagnierte das Unternehmen, bis im Herbst 2018 die besagte neue Vantage ein großer Sprung nach vorn war, wenngleich es anfangs noch an der Software haperte.

Doch wurde sukzessive das Betriebssystem der smarten Uhren verbessert, und nun kommt die Grit X in den Handel. Sie steht mit einem Preis von 430 Euro etwas unterhalb der Vantage V (für 500 Euro), bringt aber nahezu deren Ausstattung mit und ist dem Spitzenmodell in mancher Hinsicht überlegen.

Das Gehäuse besteht aus Edelstahl, und es gibt seitlich fünf physische Tasten. Bedient wird die Uhr aber zusätzlich mit dem farbigen Touchscreen, der wiederum unter Gorillaglas liegt. Saphirkristallglas wie bei der Konkurrenz ist nicht zu haben. Die Verarbeitungsqualität ist ordentlich, und die Armbänder kann man jetzt ohne Werkzeug wechseln. Die Helligkeit der Anzeige lässt jedoch zu wünschen übrig, und die Touch-Bedienung ist bisweilen zäh. Auch bleibt der Wunsch nach schöneren Zifferblättern offen. Das Display könnte mehr Inhalte auf einen Blick zeigen, indes sind einige Details wie die Wettervorhersage dazugekommen.

Mit ein bis zwei Workouts fast eine Woche Akku

An der Unterseite befinden sich rote, grüne und orange Leuchtdioden zur Messung des Pulses. Vier Metallknubbel dienen zur Ankopplung der Ladeschale mit kleinen Kontaktknöpfchen an einem USB-Kabel. Induktives Laden wäre die bessere Lösung. Mit einer Tiefe von 13 Millimetern ist die Grit X so dick wie die Fenix 6S von Garmin und lässt sich damit gerade noch unter einem Hemd tragen. Das Anlegen des Kunststoffarmbands könnte schneller vonstattengehen.

Eingebaut sind Empfänger für GPS und Glonass, das europäische Satellitensystem Galileo fehlt. Ein Barometer ist vorhanden, Sensoren zur Messung der Sauerstoffsättigung gibt es nicht. Die Uhr ist bis 100 Meter Tauchtiefe wasserdicht und erlaubt das Ankoppeln von Bluetooth-Sensoren. Der Funkstandard Ant+ älterer Fitnessgeräte wird nicht unterstützt. Die Akkulaufzeit gibt Polar mit bis zu 40 Stunden im Trainingsmodus inklusive GPS- und Pulsmessung an, ein Wert, der uns plausibel erscheint. Mit ein bis zwei Workouts am Tag hielt der Akku fast eine Woche durch, und man kann jetzt, wie bei Garmin, granular verschiedene Energiesparoptionen aktivieren.

Herzfrequenzmessung und GPS-Aufzeichnung probierten wir auf dem Rad, während des Krafttrainings und beim Laufen aus. GPS arbeitete bestens, hier gibt es keine Kritik, im Gegenteil: Man sieht in der Kartendarstellung sogar, auf welcher Straßenseite gelaufen oder mit dem Rad gefahren wurde, faszinierend. Der Herzfrequenzsensor misst ebenfalls präzise, reagiert aber auf Änderungen nur langsam. Hier sind Garmin oder die Apple Watch deutlich schneller. Neu hinzugekommen sind Hinweise zur Ernährung, man erfährt nach einem Training, wie viele Kohlenhydrate und Fett verbrannt wurden und während der Übung, dass es jetzt Zeit für einen Snack sein könnte.

Karten im Gerät gespeichert

Um die Uhr als Navigationssystem zu nutzen, benötigt man ein Konto bei Komoot. Das ist ein sehr empfehlenswerter Dienst, der Routenplaner und Navigations-Apps für Sportaktivitäten bereitstellt. Ist das Ganze eingerichtet, sieht man auf dem Uhrendisplay allerdings nur Entfernungen und Abbiegehinweise. Es fehlt also die Kartendarstellung, wie sie eine Fenix 6 bietet. Die Karten der Garmin-Uhr sind zudem im Gerät gespeichert, man kann also jederzeit eine Routenführung nach Hause oder zu einem anderen Ziel starten.

Eine neue Funktion ist der Hill Splitter. Er erkennt Auf- und Abstiege mit Hilfe der barometrischen Höhendaten automatisch und lässt sich für verschiedene Sportprofile wie etwa Laufen, Snowboard oder Skilauf aktivieren. Auf diese Weise kann man die Steigungsstatistiken verschiedener Trainingseinheiten vergleichen. Was als Steigung gezählt wird, hängt vom jeweiligen Sportprofil und vom Gelände ab.

Wie gehabt stellt Polar leistungsfähige Analytik-Tools im Web-Browser und in der App zur Verfügung. Im Unterschied zu Garmin oder zu Apple gibt es sogar eine gut funktionierende iPad-App. In der Analytik werden die aktuellen Trainings mit jenen der letzten Monate verglichen, um Empfehlungen für die weiteren Aktivitäten abzuleiten. Mit Cardio Load soll die Herz-Kreislauf-Reaktion einer Trainingseinheit vergleichend erfasst werden, und die muskuläre Belastung wird als Menge mechanischer Energie, die man während eines Laufs produziert hat, ebenfalls angegeben.

Neu ist in der Schlafanalyse die nächtliche Messung der Herzfrequenz und der Herzfrequenz-Variabilität. Auch die Atemfrequenz wird während des Schlafs durchgängig gemessen. Natürlich muss man dazu die Uhr die ganze Nacht über tragen.

Insgesamt ist die Grit X, die es in verschiedenen Farben und mit unterschiedlichen Armbändern gibt, eine gelungene Alternative zu den meist teureren Rivalen von Garmin. Polar arbeitet intensiv an der Software, die Fortschritte sind unübersehbar. Für einen kleinen Preis bekommt man eine starke Ausstattung mit vielen Finessen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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