Staubsaugerroboter von Neato

Aus dem Staub

Von Susanne Braun
15.07.2021
, 13:20
Spezielles Design: Der D8 saugt bis in die Ecken
Der Saugroboter D8 von Neato Robotics reinigt gut und zuverlässig. Dank Lidar-Technik findet er sich auch im Dunkeln zurecht. Aber der Preis ist hoch.

Es mag Haushalte geben, in denen mehr Tiere als Menschen leben. Unser ist so einer. Vier Katzen und zwei Hunde bereichern das Leben der beiden Hausherren. Dass die Tiere neben viel Freude auch viel Schmutz produzieren, nehmen wir gern in Kauf, meistens zumindest. In Zeiten des großen Fellwechsels bei Hund und Katz schwankt die Stimmung allerdings schon mal, Staub- und Fellflocken nehmen überhand. Kaum gesaugt, tummeln sich schon wieder die ersten Staubgebilde nicht nur in den Ecken.

Hier kommt nun der Saugroboter D8 des kalifornischen Herstellers Neato ins Spiel. Wir haben ihn James getauft, da wir gleich zu Beginn die Bekanntschaft mit James von der Neato-Hotline machen durften. Der Roboter fand seine Ladestation nicht, und wenn wir ihn direkt andockten, lud er nicht. Es war Samstagabend, da saugt man ja eigentlich auch nicht, aber dennoch stand die Hotline zur Verfügung, indes nur auf Englisch.

James löste das Problem. Fortan trägt der D8 seinen Namen und verrichtet in unserem Haushalt ein anspruchsvolles Pensum. Der Staubbehälter fasst 0,7 Liter, etwas mehr als bei der Konkurrenz. Bei uns ist er dennoch schnell voll, daher leeren wir vorsichtshalber nach jeder Hausreinigung. Das geht flink von der Hand und ist stets von Erstaunen begleitet, was James wieder alles eingesammelt hat. Es ist auch spannend, ihm zuzuschauen. Anfangs ist er wie ein Baby. Ziemlich planlos zieht er seine Bahnen und Kreise und seltsamen Wendungen durch die Räume. Er scheint verwirrt, wandert aus dem Wohnzimmer in die Küche, obwohl er dort ganz offensichtlich noch nicht fertig ist. Aus der Küche kehrt er ins Wohnzimmer zurück, schiebt den Flur irgendwo dazwischen und ist schließlich nach gut 40 Minuten der Meinung, dass nun alles sauber ist. Brav fährt er zurück zu seiner Ladestation und dockt sich mit einigem seltsam anmutenden Geruckel an.

Wir beobachten ihn wie gebannt, bücken uns und knien auf dem Boden, um zu schauen, wie er sich unter der Couch durch schwieriges Terrain manövriert. Ja, er poltert anfangs manches Mal vor Möbelfüße und andere Dinge, die ihm im Weg stehen, aber es entstehen keine Schäden. Mit der Zeit lernt er dazu und wird erwachsen. Er erkennt seine zu reinigende Umgebung und versucht auch nicht mehr, an schrägem Mobiliar hochzuklettern. Aus fast allen schwierigen Situationen befreit er sich von allein. Die Sensoren, die den Treppenabsturz verhindern, arbeiten zuverlässig, und so können wir James nach einiger Zeit pro- blemlos ohne Aufsicht arbeiten lassen.

Vorausgesetzt die Hunde sind außer Haus. Denn während die Katzen sich nicht um ihn scheren, sehen die Hunde das ein wenig anders. James kennt seinen Weg zur Ladestation, und er nimmt stets denselben. Liegt da auf einmal ein Hund im Weg, dann trifft Husky Eigensinn auf Roboter Eigensinn. James stupst die Hundenase an, fährt zurück, fährt vor und stupst wieder an, und wieder und wieder. Der Husky bleibt unbeeindruckt. Der Klügere gibt nach, heißt es, und so entscheidet James irgendwann, um den Hund herumzufahren, selbstverständlich nicht ohne ihm nebenbei einen mitzugeben. Er wischt einfach den ganzen buschigen Schwanz zur Seite, damit er in direktem Weg zu seiner Station kommt.

Sieht auch chic aus

James arbeitet nicht nur sorgfältig und gewissenhaft, er sieht mit der gebürsteten Oberfläche auch chic aus. Wann er zu seinem Dienst antritt, bestimmen wir mit der App. Bei deren Installation ist eine Registrierung mit der E-Mail-Adresse erforderlich. Nach ein paar intuitiv ablaufenden Schritten, unter anderem der Einbindung in das häusliche WLAN, lässt sich der D8 programmieren. Beispielsweise mit einer Zeitsteuerung für den automatischen Start.

Auch kann man ihm sagen, ob er im Eco- oder Turbo-Modus arbeiten soll. Bei uns muss er täglich ran, zumindest bis der Fellwechsel beendet ist. In der App lässt sich sowohl der beim ersten Reinigungsgang erstellte Grundriss des Hauses ansehen wie auch jeder vollzogene Reinigungsverlauf. Auch lassen sich in der App Bereiche festlegen, die James nicht befahren soll.

100 Minuten reichen in unserem Haus

Im Unterschied zu anderen Saugrobotern ist er vorn rechteckig und kann sich dank dieser Form in jede Ecke manövrieren und exakt an Kanten entlangfahren. Die Hauptbürste ist fast 30 Zentimeter breit, die seitlich angebrachte Bürste befördert den Schmutz von den Rändern der Wände und aus den Ecken in die Mitte des Roboters, wo er eingesaugt wird. Seine Umgebung erkundet James mit einem modernen Lidar-Sensor, wie ihn auch die jüngsten iPhones mitbringen. So kann er sich auch im Dunkeln zurechtfinden. Die Höhe von 10 Zentimeter ist eher üppig, andere Mitbewerber sind flacher und damit flexibler. Mit etwas mehr als 30 Zentimeter Breite und Tiefe windet er sich zwischen den meisten Tisch- und Stuhlbeinen hindurch. Die vom Hersteller angegebene Akkulaufzeit von 100 Minuten reicht in unserem Haus für einen kompletten Reinigungszyklus.

3,7 Kilogramm bringt James auf die Waage und ist somit gut in die verschiedenen Stockwerke zu tragen. Einmal dort ausgesetzt, reinigt er die Etage und kehrt dann zum Startpunkt zurück und wartet auf seinen Träger. Die No-go-Zone wird bisher nur für eine Karte und damit auch nur für ein Stockwerk unterstützt. Nach jedem Reinigungsvorgang erhält man optional eine Push-Meldung aufs Handy.

In unserem Haushalt sind hauptsächlich Holzböden, für die der Ecomodus ausreichend ist. Für Teppiche sollte der Turbomodus gewählt werden. James erklimmt bereitwillig die hohe Funkenschutzplatte des Kamins wie auch den Lammfellteppich. Bevor er losläuft, sollte man tunlichst Dinge wie Stromkabel oder Vorhänge, die auf dem Boden schleifen, oder anderes Kleinteiliges beiseiteräumen.

James’ Bürste muss regelmäßig mit dem mitgelieferten Werkzeug gereinigt werden, der Filter ist wechselbar. Auch ist James nicht günstig zu haben. Knapp 800 Euro kostet er. Dafür ist beim Marktführer iRobot auch noch eine automatische Absaugstation mit dabei, die hier fehlt. Ein günstiger und guter Roomba kostet weniger als 400 Euro, und die ebenfalls empfehlenswerten Geräte von Ecovacs fahren noch preiswerter durchs Haus.

Quelle: F.A.Z.
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