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Apple Music im Test

Musik für die Massen

Von Marco Dettweiler
Aktualisiert am 01.07.2015
 - 13:27
Groß angekündigt, aber beileibe keine Revolution: Apples neuer Streaming-Dienst „Apple Music“zur Bildergalerie
Am Dienstagabend ist Apple Music gestartet. Der neue Streaming-Dienst soll eine Revolution - und ein Spotify-Killer - sein. Aber ist er das wirklich? Wir haben verglichen.

Apple Music ist da - und die Spekulationen haben ein Ende. Sie begannen im November des letzten Jahres mit Medienberichten, dass Apple einen Streaming-Dienst präsentieren wird. Anfang Juni wurden die Gerüchte konkreter, als Tim Cook auf der Keynote des WWDC in San Francisco mehr Details zu Apple Music bekanntgab.

Wegen der hektischen Bühnenshow konnte man sich damals als Zuschauer allerdings noch nicht wirklich vorstellen, wie Apple Music funktioniert. Aber eine Einordnung bezüglich der Konkurrenz von Spotify, Deezer, Google Play Music, Napster und Xbox Music war durchaus möglich.

Installation

Seit diesem Dienstagabend liegt die Wahrheit nun auf dem iPhone. Der neue Streaming-Dienst „Apple Music“ ist in die iOS-App „Musik“ integriert, die jeder schon auf seinem iPhone oder iPad hat und nur aktualisieren muss. Das bedeutet im ersten Schritt die Aktualisierung des Betriebssystems auf iOS 8.4. Selbst kurz nach Veröffentlichung am Dienstagabend dauerte die Installation im heimischen W-Lan „nur“ 20 Minuten. Danach muss man auf die App „Musik“ klicken, um sich anzumelden.

Preis

Die ersten drei Monate sind kostenlos, danach kostet der Streamingdienst - ähnlich wie die Angebote der Konkurrenz - 9,99 Euro im Monat. Interessant für manche Nutzer könnte das Abo „Familie“ für 14,99 Euro monatlich sein: Bis zu sechs Personen dürfen dann gleichzeitig Apple Music nutzen.

Der Betrag wird nach den drei Monaten automatisch über das iTunes-Konto abgebucht. Das ist gleichzeitig praktisch und verlockend für den Nutzer. Er muss sich nicht mehr separat irgendwo anmelden. Für viele bequeme Nutzer, die noch keinen Streaming-Dienst abonniert haben, dürfte damit die Entscheidung gefallen sein. Neugierige sollten trotzdem aufpassen: Wer nur die drei Monate testen will, muss das Abo aktiv beenden.

Titelangebot

Zahlen über das Titelangebot wie 20 Millionen (Spotify) oder 30 Millionen (Apple Music) bis hin zu 35 Millionen Liedern (Deezer) sagen wenig aus. In der Regel findet man bei allen populären Streaming-Angeboten die Musik, die man sucht. Der Geschmack muss noch nicht einmal Mainstream sein. Selbst eher unbekannte Tracks aus dem Techno-Bereich lassen sich häufig finden. Worauf die Anbieter nun stattdessen setzen (und was man von den Video-Streaming-Diensten schon kennt), sind exklusive Songs und Alben. Nach dem Motto „Willst du etwas Bestimmtes, musst du zu uns kommen“ wirbt Apple mit dem neuen Song „Freedom“ von Pharrell Williams und dem Album „1989“ von Taylor Swift. Im Gegenzug kann Spotify damit angeben, dass Musikfans nur bei ihnen alle Rammstein-Alben hören können. Auch AC/DC haben jetzt kapiert, dass man an Streaming nicht mehr vorbei kommt. Ihre Alben gibt es sowohl auf Apple Music als auch auf Spotify.

Apple Music
Apple startet Musik-Streamingdienst
© dpa, afp

Bedienung

Es dürfte niemanden überraschen, dass die App sehr schick gestaltet ist, reibunglos funktioniert und in das Betriebssystem perfekt integriert ist. Die Albumcover und Porträtfotos wirken gestochen scharf und sind größer als etwa bei Spotify. Es gibt am unteren Rand die fünf Zugänge „Für dich“, „Neu“, „Radio“, „Connect“ und „Meine Musik“. Am rechten oberen Rand lässt sich nach Liedern suchen. Etwas unübersichtlich wird es, wenn man in den Rubriken nach unten scrollt. Beispiel „Neu“: So sind untereinander angeordnet „Neue Musik“, „Aktuelle Songs“, „Kürzlich erschienen“, „Top-Titel“, „Tolle Playlists fürs Workout“, „Auf Connect entdeckt“, „Newcomer im Spotlight“ und so weiter. Da hat Apple zu viel gewollt. Der Nutzer verliert da leicht den Überblick.

Ein ausgewähltes Lied kann auf verschiedene Weisen behandelt werden. Es kann auf eine „Nächste Titel“-Liste oder Playlist gesetzt, zu „Meine Musik“ hinzugefügt oder offline bereitgestellt werden. Diese Möglichkeiten sind vielfältig, aber nicht einmalig. Spotify bietet nahezu die gleichen Auswahlmöglichkeiten an.

Qualität

Apple Music streamt in einer Auflösung von 256 Kilobit pro Sekunde im AAC-Format. Spotify schafft bis zu 320 kbit/s im MP3-Format und Tidal unkomprimierte CD-Qualität. Für den Einsatz auf dem Smartphone mit einem durchschnittlichen Kopfhörer dürfte Apples und Spotifys Streaming-Qualität reichen. Wer seine CDs und Platten verkauft hat und auch zu Hause an seiner hochwertigen Anlage gestreamte Musik hört, sollte die Angebote miteinander klanglich vergleichen. Musikliebhaber mit sehr guten Ohren könnten sich dann möglicherweise doch für Tidal entscheiden. Sowohl der Betrieb im W-Lan als auch mit einer Mobilfunkverbindung funktionierten im Test sehr gut. Die Lieder starteten nach ein bis zwei Sekunden und brachen nicht ab.

Radio

Es gibt zwei Funktionen, mit denen Apple Music glänzen und sich von Spotify & Co. absetzen will. Das eine ist das Radio Beats 1. Apple nennt es auch ein „24/7 Global Radio“. Es wird von dem australischen DJ Zane Lowe geleitet. Er und Kollegen wie Ebro Darden und Julie Adenuga bestücken den „Sender“ in Los Angeles, New York und London. Wir haben ein bisschen in den Londoner Ableger reingehört: Beats 1 ist professionell gemacht, die Musik gefällig. Länger als eine Stunde wollten wir es aber dann doch nicht hören, dafür erschien uns die Musik zu mainstreamig. Das heißt nicht, dass die Charts rauf und runter gespielt werden, aber die Farbe des Sounds ist uns zu eintönig.

Connect

Die zweite Funktion bei Apple Music, die das Streaming „revolutionieren“ soll, ist „Connect“. Es ist eine Social-Media-Komponente, die mit einem spezifischen Musik-Facebook vergleichbar ist. Fans folgen ihren Lieblingsbands und bekommen Fotos, Videos und unveröffentlichte Musik zu sehen und zu hören. Angeblich kann man auch mit den Bands interagieren. Wir folgten als erstes unserer Lieblingsband „Radiohead“. Beim nächsten Blick in Connect folgten wir plötzlich aber auch Norah Jones, Eminem, Beyoncé, Adele oder auch Bob Dylan. Wo kommen die plötzlich alle her? Falle gefunden: Apple-Music-Nutzer „folgen automatisch allen Künstlern, deren Titel man zu seiner Musikmediathek hinzugefügt hat.“ Das würde bedeuten, dass man allen Künstlern folgt, deren Lieder man als iTunes-Datei hinterlegt hat. Ein lästige Angelegenheit, weil man Hunderte Musikern nun händisch „entfolgen“ muss - solange man nicht "Automatisch folgen" generell deaktiviert.

Menschliche Empfehlungen

Ein weiterer Teil der angeblichen Revolution sollen die Empfehlungen sein, die von einer Redaktion - und nicht einem Algorithmus - vorgeschlagen werden. Sie tauchen unter der Kategorie „Neu“ auf, nennen sich „Apple Music-Editoren“ (mit „handgemachten Playlists“), „Aktivitäten“ und „Kuratoren“ (Musikauswahl von „Rolling Stone“ und anderen Magazinen). Das geht zum Beispiel folgendermaßen: Unter „Electronic“ geht man etwa zur Unterrubrik „Für Kenner“. Dort wiederum wird einem die dreizehnteilige Playlist für „Massive Attack für Kenner“ angeboten. Ja, nicht schlecht, es werden nicht die typischen Highlights der Alben angeboten, sondern unter anderem die Songs „Atlas Air“, „Mezzanine“ oder „Blue Lines“. Das Problem ist nur: Wer Massive-Attack-Kenner ist, hat sicherlich schon selbst eine solche Playlist erstellt. Dazu braucht man nicht Apple Music.

Die Algorithmen schlagen außerhalb der menschlichen Playlists übrigens gnadenlos zu. Weil wir uns am Dienstagabend in einer Dance-Playlist verloren haben und danach endlich mal anhören wollten, was diese nervige Ich-zwing-Apple-Music-in-die-Knie-Sängerin Taylor Swift so drauf hat, bekommen wir heute morgen das Album „Red“ von ihr angeboten, und von Donna Summer „VH1 presents live & more encore!“ Nein, das wollen wir nicht hören!

Fazit

Wie zu erwarten, liefert Apple ein hochwertiges und professionelles Produkt ab. Doch eine Revolution, von der Apple vollmundig spricht, ist Apple Music mitnichten. Ein Rund-um-die-Uhr-Radio und eine Art Fan-Facebook-Funktion haben die anderen Streaming-Dienste zwar nicht. Aber man braucht sie wohl auch nicht. Eben weil es beides schon gibt: Tausende Internet-Radios und etablierte Social-Media-Kanäle wie Twitter, Facebook und Blogs. Auch was das Titelangebot angeht, nehmen sich die Anbieter nicht viel. Wenige exklusive Titel oder Alben stehen Millionen von Liedern gegenüber, die man bei jedem bekommt. Der Preis von zehn Euro pro Monat ist ebenfalls bei allen Anbietern der gleiche. Und dass ich bei Apple dafür auch von Menschenhand gemachte Empfehlungen bekomme, ist nützlich, aber kein Killerfeature.

Es gilt also nach wie vor: Wer etwa bei Spotify ein Abo hat, braucht nicht zu wechseln. Und wer noch keinen Streaming-Dienst gebucht und ein iPhone als Smartphone hat, dürfte wohl bei Apple Music landen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Dettweiler, Marco
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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