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Faltbar in die Zukunft

Microsoft plant Comeback im Smartphone-Geschäft

Von Roland Lindner, New York
Aktualisiert am 02.10.2019
 - 20:15
One more thing? Am Mittwoch stellte Microsoft das „Surface Duo“ vor. zur Bildergalerie
Der Technologiekonzern überrascht mit einem faltbaren Surface-Handy. Es soll nicht auf einer hauseigenen Plattform laufen, sondern auf Googles Android. Bis zum Verkaufsstart müssen sich Kunden allerdings noch länger gedulden.

Apple-Mitgründer Steve Jobs war dafür bekannt, am Ende von Produktpräsentationen seines Unternehmens eine Neuheit aus dem Ärmel zu schütteln, mit der keiner gerechnet hat. „One More Thing“ nannte er das. Vielleicht war das die Inspiration für den Softwarekonzern Microsoft, der für den Mittwoch zur Vorstellung neuer Hardwareprodukte in New York eingeladen hatte. Der vermeintliche Schlusspunkt der Veranstaltung war der „Surface Neo“, ein faltbarer Tabletcomputer mit zwei Bildschirmen, über den im Vorfeld schon spekuliert worden war. Aber darauf ließ er dann noch ein weiteres Gerät folgen, ein ebenfalls faltbares Smartphone mit dem Namen „Surface Duo“.

Und dieses Gerät ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Mit ihm startet das Unternehmen eine neue Offensive im Handymarkt, aus dem es sich nach der glücklosen Akquisition von Nokia weitgehend zurückgezogen hatte. Und das Duo-Smartphone, dessen Bildschirme Diagonalen von jeweils 5,6 Zoll haben, wird nicht etwa aus einer hauseigenen Plattform wie Windows laufen, sondern auf dem zum Internetkonzern Google gehörenden Betriebssystem Android. Das unterstreicht einmal mehr die Strategie von Satya Nadella, der seit seinem Antritt als Vorstandsvorsitzender vor gut fünf Jahren Produkte von Microsoft verstärkt für Plattformen konkurrierender Unternehmen geöffnet hat. Microsoft bietet seit geraumer Zeit kein eigenes Handy-Betriebssystem mehr an und vermied es auch, das Duo-Gerät am Mittwoch selbst ein „Smartphone“ zu nennen, auch wenn es Telefonate erlaubt.

Der Neo-Tablet soll im Gegensatz zum Duo-Handy ein neues Betriebssystem mit dem Namen Windows 10X bekommen, das speziell auf Geräte mit zwei Bildschirmen abgestimmt ist. Die Bildschirme des Tablets haben jeweils eine Diagonale von neun Zoll, und das Gerät hat ein spezielles Keyboard, das an seiner Rückseite magnetisch befestigt ist.

Faltbare Computer sind die Zukunft

Wer an den beiden faltbaren Surface-Produkten Interesse hat, muss sich noch gedulden. Sie sollen beide erst zum Weihnachtsgeschäft 2020 herauskommen, auch zum Preis gab es noch keine Angaben. Surface-Produktchef Panos Panay sagte in New York, Microsoft habe die Geräte schon jetzt enthüllen wollen, um Softwareentwicklern frühzeitig Gelegenheit zu geben, an darauf abgestimmten Programmen zu arbeiten. Er beschrieb faltbare Produkte wie die neuen Surface-Angebote als die „nächste Kategorie“ von Computern. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen produktiver seien, wenn sie mit zwei Bildschirmen arbeiten könnten. Auch eine Reihe anderer Unternehmen arbeitet an solchen Produkten, die offenbar ihre ganz eigenen Herausforderungen mit sich bringen. Samsung musste den Start seines Falthandys „Galaxy Fold“ wegen technischer Schwierigkeiten verschieben.

Neben den faltbaren Produkten stellte Microsoft am Mittwoch noch eine Reihe anderer neuer Surface-Produkte vor. Darunter den „Surface Laptop 3“, die jüngste Generation von Laptops, die es diesmal neben einer Version mit einem 13,5-Zoll-Bildschirm auch in einer 15-Zoll-Variante gibt. Im neuen 15-Zoll-Gerät für Privatkunden setzt Microsoft zum ersten Mal Mikroprozessoren von AMD an. Das Modell für Geschäftskunden sowie alle 13,5-Zoll-Rechner laufen mit Chips von Microsofts Traditionspartner Intel. In einem Seitenhieb auf Apple sagte Surface-Manager Panay, die neuen Laptops seien drei Mal so schnell wie das Macbook Air des Rivalen. Die Laptops sollen am 22. Oktober in Deutschland herauskommen, die kleinere Version hat einen Startpreis von 1149 Euro, bei der größeren sind es 1349 Euro.

Microsoft zeigte außerdem den „Surface Pro 7“, die neue Generation seines Tabletcomputers, die ebenfalls am 22. Oktober verfügbar sein und 899 Euro kosten soll. Daneben gab es die Premiumvariante „Surface Pro X“, die es vom 19. November an für 1149 Euro geben soll. Zu den Neuheiten am Mittwoch gehörten auch die kabellosen Kopfhörer „Surface Earbuds“, ein Konkurrenzprodukt zu den Airpods von Apple. Die Earbuds sollen in Amerika 249 Dollar kosten und wären damit deutlich teurer als Apples Kopfhörer, die für 159 Dollar zu haben sind. Microsofts Kopfhörer sollen mit der Bürosoftware Office verknüpft sein und es zum Beispiel erlauben, Texte in Dokumente hinein zu diktieren oder bei Powerpoint-Präsentationen die nächsten Folien aufzurufen. Wann sie in Deutschland herauskommen sollen, lässt Microsoft noch offen.

Microsoft hat seine Hardware-Reihe Surface im Jahr 2012 mit seinem ersten Tabletcomputer gestartet und war damit zunächst alles andere als erfolgreich. Weil sich das Gerät so schlecht verkaufte, sah sich der Konzern nach weniger als einem Jahr zu einer Abschreibung von 900 Millionen Dollar gezwungen. Aber Microsoft gab nicht auf und entwickelte weitere Modelle. Im Laufe der Zeit wurde aus Surface eine ganze Produktfamilie, mit Tablets, Laptops und Desktops. Zuletzt ist das Geschäft stark gewachsen. Im vergangenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz mit Surface-Geräten um 23 Prozent auf 5,7 Milliarden Dollar, vor allem dank einer stärkeren Nachfrage von Unternehmenskunden. Damit schlägt sich Microsoft hier im Moment deutlich besser als in seiner anderen großen Hardwarekategorie, den Videospielekonsolen mit dem Namen Xbox, bei denen der Konzern zuletzt erhebliche Umsatzeinbußen hinnehmen musste. Freilich bleibt Microsoft auch mit seinen Surface-Geräten noch immer weit hinter den Konkurrenzprodukten von Apple zurück. Mit seinem Tabletcomputer iPad erzielte Apple allein im jüngsten Geschäftsquartal einen Umsatz von 5,0 Milliarden Dollar, Macintosh-Computer brachten 5,8 Milliarden Dollar ein.

Quelle: FAZ.NET
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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