T-Touch Connect Solar

So smart ist analog

Von Michael Spehr
17.01.2021
, 14:11
Zwischen analog und digital: Tissot bringt eine Smartwatch mit Quartzlaufwerk, Solarzellen und mechanischen Zeigern. Wie gut ist die T-Touch Connect Solar?

Das ist die Crux aller Luxusuhren mit Elektronik: Bits und Bytes sind schnell vergänglich. Während die hochwertige mechanische Uhr auf eine Lebensdauer von Jahrzehnten hin gebaut ist, kann schon das nächste iPhone-Update den Todesstoß für eine Smartwatch bedeuten, wenn ihr Hersteller nicht mehr mithalten will oder kann. Manches Schweizer Unternehmen setzt deshalb auf Hybrid. Es gibt dann nur einen Hauch von Elektronik, weil an erster Stelle hochwertige Mechanik und feine Materialien überzeugen sollen.

Zu dieser Gattung zählt die T-Touch Connect Solar von Tissot, dem 1853 gegründeten Traditionsunternehmen, das im schweizerischen Le Locle seinen Sitz hat. Man kann sie als Nachfolger der T-Touch Expert Solar ansehen, und es wird ein Preis von um die 1000 Euro aufgerufen. Die Uhr wirkt auf den ersten Blick wie eine mechanische Uhr, und tatsächlich, sie hat ein Quarzlaufwerk und mechanische Zeiger, aber drei Besonderheiten zeichnen sie aus: die dank Solarmodul lange Akkulaufzeit von rund sechs Monaten, die Bedienung über berührungsempfindliches Glas und das im unteren Bereich des Zifferblatts eingelassene Mini-Display. Die raffinierte Verbindung aus Mechanik und Elektronik ist der Clou.

Die Uhr hat eine Diagonale von 47 Millimetern, fällt also eher groß aus und ist mit einer Dicke von 15,3 Millimetern nicht mehr unter einem Herrenhemd-Ärmel zu tragen. Das Gewicht beträgt 92 Gramm, obwohl das Gehäuse aus satiniertem oder mit PVD beschichtetem Titan besteht und die Lünette aus Keramik. Derzeit sind sechs verschiedene Modellvarianten in unterschiedlichen Farben lieferbar, mit einer Ausnahme besteht das Band stets aus Kautschuk und kommt mit einer Standardschließe. Ohne Werkzeug ist es nicht zu wechseln. Die Uhr ist wasserdicht bis zu einem Druck von 10 Bar.

Auf der linken Gehäuseseite prangt ein eingravierter Schriftzug, rechts liegen die Krone und zwei Drücker. Letztere kann man kurz oder lang drücken, und im Zusammenspiel mit der Krone und den taktilen Feldern auf dem Glas entsteht auf diese Weise ein Bediensystem für die Digitalfunktionen, die sich auf dem kleinen Display am unteren Rand des Zifferblattes auf den Weg bringen lassen. Die taktilen Felder sind umlaufend auf der Lünette mit ihrer jeweiligen Funktion beschriftet. Man entsperrt die Uhr mit dem Start-Drücker und tippt dann einfach mit dem Finger auf einen der sechs Funktionsbereiche der Lünette. Die zugehörigen Menüs werden auf dem Display gezeigt, die weitere Bedienung übernehmen die Drücker. Das alles ist etwas gewöhnungsbedürftig.

Die derzeit gebotenen Funktionen umfassen Schrittzähler, Höhenmesser, Barometer, Wetter, verschiedene Timer, einen Kompass, die Anzeige einer zweiten Zeitzone und die Übertragung von Nachrichten und Anrufen vom Smartphone. Es werden die ersten Worte einer Nachricht angezeigt, Anrufe werden signalisiert, man kann sie aber nicht entgegennehmen, wohl aber ablehnen. Das eingebaute GPS-Modul ist derzeit noch funktionslos.

Die zugehörige App auf dem Smartphone, wahlweise für iOS oder Android, erfordert zwingend eine Registrierung mit E-Mail-Adresse, visualisiert die Aktivitätsdaten, erlaubt in engen Grenzen eine Konfiguration der Uhr – und kann sonst nicht viel. Wer sich nicht allein auf die Kraft der Sonne und die integrierten Solarzellen verlassen will, kann die Uhr in einer Docking-Station zwischendurch auch auf gewohntem Weg mit Strom betanken. Dankenswerterweise gibt es hier eine induktive Befüllung ohne Fummelei mit Kontakt-Pins wie bei anderen Mitbewerbern. Der Uhrenboden ist vollkommen flach.

Insgesamt verfolgt die T-Touch Connect Solar ein überaus interessantes Konzept mit einem proprietären Uhrenbetriebssystem. Die lange Akkulaufzeit und der Betrieb unabhängig vom Smartphone gefallen. Dass die Funktionalität eher bescheiden ausfällt, gehört zu den unabdingbaren Nebenwirkungen dieses Konzepts. Ein interessanter Rivale mit ähnlichen Ideen ist die Alpinerx Alive des Herstellers Alpina in Genf.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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