Tablet mit E-Ink-Display

Eitel Sonnenschein

Von Michael Spehr
30.06.2022
, 15:51
Ein E-Ink-Display ist auch bei hellstem Sonnenschein bestens ablesbar. Jetzt gibt es so etwas fürs Tablet. Einige Details überzeugen nicht.
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Der Sommer ist da, und das Leben findet wieder draußen statt. Wer mit seinen elektronischen Kleingeräten in der prallen Sonne sitzt, sieht sofort, dass die gängigen Anzeigen nicht für einen solchen Einsatz konzipiert sind. Sie passen ihre Helligkeit automatisch an die Umgebung an, meist wird sofort der Maximalwert abgerufen und trotzdem sieht man nicht viel. Zudem saugt diese Einstellung den Akku schnell leer. Deshalb empfehlen sich Anzeigen mit einem matten E-Ink-Display für den Einsatz in der hellen Sonne. Dieses „elektronische Papier“ gibt es seit den Siebzigerjahren und hat den Vorteil hoher Kontraste, weil das Bild nicht durch Hintergrundbeleuchtung erzeugt wird, sondern durch winzige elektrisch geladene Partikel einerseits und eine LED im Rahmen andererseits. Die Anzeige selbst benötigt nur Strom, wenn sich der Inhalt ändert. So arbeitet das E-Ink-Display ungemein energieeffizient, es wird auch deshalb in den meisten Lesegeräten für elektronische Bücher verwendet.

Die Technik hat jedoch auch Nachteile, die ihrer Verbreitung in der Smartphone- und Tablet-Welt entgegenstehen. Die Darstellung ist träge, weil sich die Partikel für jede Bildänderung umgruppieren müssen, und ein farbiges E-Ink-Display ist bislang die Ausnahme.

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Eine solche Ausnahme haben wir einige Zeit erprobt. Der chinesische Hersteller Onyx International, der seit 2006 E-Ink-Geräte unter dem Markennamen Boox in verschiedenen Größen und Ausführungen anbietet, schickte uns sein Nova Air C. Es handelt sich interessanterweise nicht um ein E-Book-Lesegerät, sondern ein Android-Tablet. Es kostet mit Stift und Schutzhülle 450 Euro.

Das Display hat eine Diagonale von 7,8 Zoll und löst mit 624 × 468 Pixel auf. Maximal werden 4096 Farben wiedergegeben. Schon diese technischen Daten geben also einen Hinweis darauf, dass hier nicht mit einer typischen Tablet-Anzeige zu rechnen ist. Ein ähnlich kompaktes iPad Mini hat eine Auflösung von 2266 × 1488 Pixel und gibt Millionen Farben wieder. Das Nova Air C hat zudem einen sehr breiten Trauerrand rund um die Anzeige. Das Tablet wirkt gut verarbeitet, am unteren Rand befinden sich ein USB-C-Anschluss zum Betanken des Akkus sowie eine Lochreihe für die Lautsprecher. Drei Pogo-Pins an der linken Seite dienen dazu, zwei Tasten zu aktivieren, die sich an einer Leiste in der Schutzhülle befinden. Der mitgelieferte Stift dockt magnetisch rechts am Gehäuse an und benötigt keine Stromversorgung.

Das Hochfahren des Tablet benötigt einige Sekunden, und anschließend zeigt sich ein Bildschirmmenü, das nur wenig an Android-Tablets erinnert. Links befindet sich eine Menüleiste für den Schnellzugriff auf Anwendungen und Einstellungen, mittig liegen Inhalte, etwa der hauseigene Buchladen oder Apps. Zwar ist ein Internetbrowser bereits aufgespielt, auch gelingt die Anbindung ans WLAN unproblematisch, aber der Google Play Store fehlt. Um ihn zu aktivieren, sind etliche Schritte erforderlich, selbsterklärend ist das Ganze nicht. Hat man diese Hürde genommen, kann man sich wie gehabt mit seinem Google-Konto anmelden und die gewünschten Apps laden. Da das Tablet auch Bluetooth unterstützt, lässt sich eine externe Tastatur problemlos anbinden. Wir probierten verschiedene Apps.

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Schon der erste Start des Browsers und die Eingabe einer Adresse mit der virtuellen Bildschirmtastatur zeigt dann, dass sich das Vergnügen in Grenzen hält. Bilder sind zwar mit 4096 Farben grob zu erkennen, aber die Schrift bleibt fisselig, ist selbst in Vergrößerung schlecht lesbar, und der langsame Bildaufbau mindert das Surfvergnügen ungemein. Auch die Videowiedergabe bleibt nur ein Behelf.

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Im zweiten Anlauf starteten wir die Kindle-Leseapp für elektronische Bücher von Amazon. Da hier eine reduzierte Darstellung der Buchseiten zum Einsatz kommt und man die Schrift hinreichend vergrößern kann, war der Eindruck positiv. Allerdings ist die Darstellung erheblich schlechter als auf den monochromen E-Ink-Geräten von Amazon, etwa dem Paperwhite oder Oasis. Indes, in diesem Szenario ist das Nova Air C durchaus zu empfehlen.

Das Lesen von E-Mails, etwa in der Gmail-App von Google, ist kein Problem, das Schreiben mit externer Bluetooth-Tastatur gerät abermals wegen der lahmen Anzeigeaktualisierung zur Qual.

Im Zusammenspiel mit dem Stift lassen sich handschriftliche Notizen erfassen, und hier gibt es nichts zu meckern: Das Tablet reagiert präzise. Die auf der Anzeige aufliegende Handkante ist kein Pro­blem. Nur fehlt im Vergleich mit dem Rivalen Remarkable 2 die Handschrifterkennung, also die Umwandlung des Geschriebenen in Text. Allerdings unterstützt der Remarkable 2 kein Android.

Alles Weitere läuft mit dem Nova Air C wie mit jedem anderen Android-Tablet. Es gibt Push-Meldungen und eine obere Menüleiste, um Einstellungen wie WLAN, Helligkeit oder Lautstärke vorzunehmen, und mit den üblichen Android-Gesten kann man zum Beispiel alle geöffneten Fenster auf einen Blick anzeigen lassen. Das Tablet arbeitet mit einem älteren Android 11, und man rechne nicht mit Sicherheits-Updates. Immerhin kann man den Zugang zum Gerät mit einem Code schützen. Der Arbeitsspeicher ist drei Gigabyte groß, der Gerätespeicher fasst 32 Gigabyte. Bei uns waren nach der Installation von einem halben Dutzend Apps noch 18 Gigabyte frei.

Die Akkulaufzeit gibt der Hersteller mit „bis zu vier Wochen“ im Stand-by-Modus an. Das ist keine sinnvolle Angabe. Wer WLAN und Bluetooth aktiviert hat und aktiv das Tablet nutzt, rechne mit rund acht Stunden. Auch in dieser Hinsicht ist ein Amazon-Lesegerät die bessere Wahl. Insgesamt bleibt das Nova Air C ein spannendes Produkt, das jedoch in einer sehr engen Nische spielt und kein Gerät für jedermann ist.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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