Technikmesse CES

Schirme, Töne, Sensationen

Von Wolfgang Tunze
18.01.2021
, 10:18
Die amerikanische Technikmesse CES geht in die virtuelle Welt. Welche Botschaften schickt sie? Wir haben den Signalen gelauscht.

Noch bunter, noch heller, noch kontrastreicher sollen sie sein, die neuen Fernseher des Jahrgangs 2021. Nur: Wie kann eine virtuelle Messe ihre Online-Besucher davon überzeugen? Sie fehlt eben schmerzlich, die sinnliche Komponente, wenn eine Großveranstaltung wie die CES von Las Vegas in den digitalen Raum umzieht. So bleiben wir vorerst darauf angewiesen, uns aus dem, was wir schon kennen, und aus allem, was uns die digitale Technik-Schau in den vergangenen Tagen an neuen Informationen vermittelt hat, ein Bild zu machen.

Bei den TV-Geräten folgen die Hersteller ihren eingeschlagenen Pfaden: Die neuen Oled-Modelle, von Haus aus Weltmeister in den Disziplinen Farbtreue und Kontrast, aber nur Vize-Champions in der Helligkeit, holen mit höherer Strahlkraft auf. Das trifft zum Beispiel auf das neue Flaggschiff „JZW2004“ von Panasonic zu. Das Modell kann noch mehr: Algorithmen sollen Farben automatisch für die Wiedergabe unterschiedlicher Inhalte optimieren. Und allen Videospielern kommen, sagt der Hersteller, extrem geringe Latenzzeiten und die Fähigkeit zu hohen, variablen Bildfrequenzen entgegen.

Sonys neue TV-Spitzenkräfte haben ähnliche Fähigkeiten: Ultra-HD-Auflösung mit bis zu 120 Einzelbildern je Sekunde, variable Bildfrequenzen und die jüngste, 2.1 genannte Version der HDMI-Schnittstelle, die all diese Eigenschaften unterstützt, sollen auch hier die Video-Zocker vor den Bildschirm locken. Bildprozessoren, die nach den Vorgaben selbstlernender Algorithmen ticken, sollen den Fußballrasen besonders schön grün erscheinen lassen. Mit solchen Fähigkeiten, gern Künstliche Intelligenz genannt, ist Sony in diesem Jahr in bester Gesellschaft. Topgeräte der Gattung LCD werben mit Hinterleuchtungen aus besonders winzigen LED-Zellen, die, zu Mini-Clustern kombiniert, sehr feine Helligkeitsabstufungen erlauben und somit gleißend helle Bilddetails vor finsterem Hintergrund scharf abgrenzen – ganz ohne Überstrahlungen an den Rändern. LG präsentierte auf seinem virtuellen Messestand eine QNED genannte Geräteserie, die ihre Hinterleuchtungen aus je 30.000 LED-Zellen zusammensetzt und in 2500 Dimmzonen organisiert.

Samsung setzt kristalline LED-Zellen sogar direkt als farbige Pixel auf futuristischen Bildschirmen ein, die ganz ohne die Lichtsteuerung von LCD-Schichten auskommen. Prototypen dieses Konstruktionsprinzips hat der Hersteller immer wieder gezeigt. Enorme Helligkeit und beinahe ewiges Leben sind nur zwei der Vorzüge, mit denen Samsung für diese Technik wirbt. Jetzt hat der Hersteller serienreife Micro-LED-Bildschirme, wie er sie nennt, fürs Wohnzimmer angekündigt – zunächst in den Maxi-Formaten 110 und 99 Zoll, mit Diagonalmaßen also von 2,80 und 2,51 Meter. Rund 24 Millionen LED-Zellen erzeugen hier die Bilder in Ultra-HD-Auflösung. Kleinere Geschwister dieser TV-Riesen sollen bis zum Ende des Jahres folgen.

Eine andere Richtung der Bildschirm-Evolution zielt auf Flexibilität ab. LG hat das Messepublikum schon vor zwei Jahren mit einem Fernseher überrascht, der sich aus einer kompakten Behausung entrollt und in die Höhe reckt. Der chinesische Hersteller TCL versteht sich ebenfalls auf die Bildschirm-Wicklung und experimentiert mit möglichen Anwendungen. In einem Demo-Video etwa durchquert ein einsamer Wanderer einen dichten Dschungel und holt einen Doppelstab aus seinem Rucksack, zieht die beiden Elemente auseinander und entrollt so ein großes Display, das ihm Standort, Umgebung und allerlei Detailinformationen anzeigt. In einer anderen Szene nutzt ein junger Mann diese Gerätschaft als Videotelefon auf einem kuscheligen Sofa.

Und noch eine weitere Anwendung hat sich TCL ausgedacht: Das Smartphone der Zukunft könnte viel kleiner ausfallen als heute übliche Kaliber, mit quadratischem Grundriss nämlich und folglich besonders kompatibel mit dem Platzangebot in den Handtaschen der Damen. Zur Nutzung zieht man es einfach auf brauchbare Länge auseinander: Ein hauchdünner Folienbildschirm rollt sich im Inneren des Gehäuses ab und streckt sich in ein übersichtliches Format. Vorerst allerdings dominieren andere Ideen zur magischen Bildschirm-Vergrößerung. Faltbare Smartphone-Schirme wird es in diesem Jahr in weiteren Varianten geben, derweil bringt LG die Umsetzung einer anderen Idee bereits in die Läden. Das Smartphone Wing des Herstellers stapelt zwei Bildschirme übereinander. Ist mehr Bildfläche gefragt, dreht man einfach den oberen Schirm in die Waagerechte und legt damit den unteren zur ergänzenden Ansicht frei. Ob man das alles wirklich braucht? Bis zur nächsten, hoffentlich realen Messe wissen wir mehr.

Dann können wir auch wieder Probe lauschen, um herauszufinden, was die jüngsten Lautsprecher leisten. Im Fall des Sony-Modells SRS-RA 3000 konnten wir das zum Glück schon auf der CES 2020, als der Hersteller das Gerät als Prototyp im Messegepäck hatte. Der rundum abstrahlende Funklautsprecher unterstützt ein Tonformat, das der Hersteller selbsterklärend „360 Reality Audio“ nennt. Auch konventionelle Tonquellen lassen sich für die 360-Grad-Wiedergabe optimieren, dafür sorgt ein spezieller Algorithmus. Tatsächlich sind die einhüllenden Klänge reizvoll, schrieben wir damals in unsere Messe-Notizen. Raumfüllende Wiedergabe versprechen auch die jüngsten Soundbars der einschlägigen Anbieter.

Desinfektion mit ultraviolettem Licht

Denon ermöglicht seinem neuen Modell 550 die artgerechte Wiedergabe von 3D-Tonformaten, die natürlich umso eindrucksvoller tönen, wenn weitere Lautsprecher ins Spiel kommen. Dazu bieten sich die passenden Multiroom-Lautsprecher der Marke an, die sich samt und sonders auch auf Wiedergabe von Audio-Datenströmen in hohen Auflösungen verstehen.

Eine CES ist aber nicht nur eine Veranstaltung für Unterhaltungselektronik – da macht die virtuelle Version keine Ausnahme. Unter den Hausgeräten, bei denen mehrstöckige Waschmaschinen und vernetzte Herde um Aufmerksamkeit wetteifern, ist uns ein Apparat aufgefallen, der in Corona-Zeiten womöglich besonders hilfreich ist – etwa beim Einsatz in Schulen. Ein Reinigungs-Roboter von LG, der mit ultraviolettem Licht seine Umgebung desinfiziert. Und wo es um Gesundheitsthemen geht, ist Philips nicht weit. Der niederländische Multi stellte sein jüngstes Zahnpflege-Produkt vor, seine Zahnbürste Sonicare 9900 Prestige, die natürlich nicht einfach nur trivial schrubbt. Spezielle Sensortechnik soll für höchst individuelle Anpassungen sorgen.

Futuristisches Cockpit namens MBUX

Ein paar Impressionen noch aus der Mobilitätsabteilung: Ideen für die elektrifizierte und autonome Fortbewegung von morgen haben auf der CES ihren Stammplatz, und so überrascht es nicht, dass sich Mercedes-Benz und Bosch in diesem Jahr auch virtuell zu Wort meldeten. Mercedes beeindruckte sein Publikum vor allem mit einem futuristischen Cockpit namens MBUX-Hyperscreen, das im Auto alle Knöpfe, Tasten und sogar umständliche Menüs abschaffen soll: Feine Oled-Touchscreens auf einer großen, gemeinsamen Fläche sollen galaktischen Fahrspaß und sicheres Navigieren garantieren.

Bosch macht sich derweil für den Verkehr auf zwei Rädern stark. Mit seinem Bordcomputer Nyon will der Konzern Elektroradler stets in der Spur halten. Denn der Rechner am Lenker arbeitet zugleich als Navigator, Kenner der Topographie, Fitnesstracker, Reichweitenkalkulator und Funkstation. Bluetooth und W-Lan können den mobilen Wegweiser bei Bedarf auch mit dem Smartphone und dem Computer vernetzen.

Quelle: F.A.S.
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