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Trend fürs Kinderzimmer

Spielzeug geht App

Von Peter Thomas
 - 10:42
Play Shifu aus Indien stellen auf Apps basierende Lernspiele vor.zur Bildergalerie

Ist die klassische Funkfernsteuerung auf dem Rückzug? Den Gedanken legte vergangene Woche die Internationale Spielwarenmesse in Nürnberg nahe. Denn dort zeigten so verschiedene Traditionshersteller wie Siku und Lego, dass sie künftig auf App-Steuerungen setzen, die auf Smartphone und Tablet laufen. Die Signalübertragung geschieht dabei mit Bluetooth oder W-Lan.

Und wie sieht das in der Praxis aus? Siku präsentierte mit dem Claas Xerion einen Großschlepper in Trac-Bauweise als ebenso wuchtiges wie detailliertes Funktionsmodell im Maßstab 1:32. Es gehört zur Reihe Sikucontrol. Der 29,5 Zentimeter lange Ackerbolide hat permanenten Allradantrieb und drei verschiedene Lenkarten: Standardlenkung, Allradlenkung für kleine Radien und den Hundegang für das bodenschonende Fahren mit zueinander versetzten Spuren (der Traktor steht dabei also schräg zur Fahrtrichtung). Dazu kommen für die Erleuchtung des Umfelds und Signale an andere Verkehrsteilnehmer – Blinker und Rundumkennleuchten – 22 LED. Ein Highlight für alle Fans des Originals ist die drehbare Kabine. Damit kann sich der Xerion von einem typischen Trac-Schlepper mit mittlerem Führerhaus in einen Frontlenker verwandeln.

Langfristig die vielleicht wichtigste Innovation für das Siku-Programm ferngesteuerter Maschinen dürfte aber der Verzicht auf Funk als Mittel der Datenübertragung sein. „Künftig setzen wir auf Bluetooth“, sagte dazu Siku-Produktmanager Thomas Kalkuhl. Damit kommt die neue Siku-App ins Spiel. Sie erlaubt statt der nach wie vor erhältlichen Fernsteuerung mit Hebeln und Schaltern die intuitive Bedienung über Tippen, Wischen, Ziehen und Neigen. Neben dem neuen, 200 Euro kostenden Xerion startet Siku mit zwei Traktoren aus dem laufenden Programm, die entsprechend ertüchtigt wurden. Die Produkte kommen im ersten Halbjahr 2019 auf den Markt.

Ein noch größeres Vorbild aus der Maschinenwelt hat sich Lego für das Debüt seiner neuen App-Steuerung ausgesucht: In der Reihe Lego Technic bringen die Dänen den Großbagger Liebherr R 9800 als Funktionsmodell heraus. Der Baumaschinenhersteller ist neuer Lizenzgeber von Lego. Der Bagger soll im Sommer erhältlich sein und 450 Euro kosten. Zusammen mit dem Giganten debütiert die neue Steuerung „Lego Technic Control+“, die erstmals eine intuitive App-Steuerung von Technic-Modellen ermöglicht. Das Herzstück der Steuerung ist ein digitaler Hub mit Sender, Empfänger und Sensoren – er hat so ähnlich im Lego-Roboter „Boost“ Premiere gehabt. Als zweites Modell für die App-Steuerung kommt 2019 der „4x4 Crawler“ für 230 Euro heraus.

Die Resonanz der erwachsenen Lego-Community ist schon groß. Denn es ist absehbar, dass der dänische Hersteller die Steuerungen, Antriebe und Sensoren künftig auch unabhängig von spezifischen Bausätzen zugänglich macht. Damit ergäben sich ganz neue Möglichkeiten. Denn Lego Technic ist zwar ein extrem vielseitiges Konstruktionsspielzeug. Bisher war aber nur die Programmierung frei gebauter Miniaturen und Anlagen mit den Robotik-Bausteinen von Lego Mindstorms möglich, oder die Bedienung mit den Funkfernsteuerungen der Power Functions.

Das Set wird ungefähr 200 Euro kosten

Für Lego Technic dürfte der Schritt gerade zur richtigen Zeit erfolgen. Denn wegen der abgelaufenen Schutzfristen für die Bausteine gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Herstellern, die kompatible Elemente zum klassischen Baustein-Programm und auch zum Technic-System anbieten. Dazu zählen leuchtende Bausteine (Light Stax), aber auch Robotik-Lösungen. Beispielsweise war auf der Spielwarenmesse der Roboter-Baukasten „One-Bot“ von Aiqi Technology zu sehen. Er lässt sich mit Lego Technic kombinieren und enthält verschiedene Sensoren (unter anderem Laser-Entfernungsmessung) und Aktoren. Das Set wird ungefähr 200 Euro kosten. „One-Bot lässt sich über unsere App in Scratch und Python programmieren“, erklärte der chinesische Hersteller.

Auch die Elektronikbausteine des türkischen Anbieters Twin Science passen zu den Noppensteinen von Lego. Die zugehörige Coding App soll bald erscheinen. Sie wird es erlauben, eigene Abläufe in Blockprogrammierung zu erstellen und das Modell auch über die App zu steuern, wie Twin Science mitteilte. Der Marktstart ist für 2019 vorgesehen, das Basis-Set soll 50 Euro kosten.

Programmierbare Baukästen passen zur Entwicklung der vergangenen Jahre. Denn gerade im Feld der Spielzeugroboter haben sich Apps auf Smartphone oder Tablet als Mensch-Maschine-Schnittstellen etabliert. Zu den erfolgreichen Beispielen gehört der Roboter „Cue“ von Wonder Workshop. Seine Programmieroberfläche in der App lässt sich zwischen Scratch und Javascript umschalten. So können Kinder spielerisch den Weg von der Blockprogrammierung in ein komplexeres Coding entdecken.

Auch bei den Drohnen sind App-Lösungen weitverbreitet. „Schon heute sind mehr als 60 Prozent unserer Drohnen mit einer Wifi-Kamera ausgerüstet. Alle diese Modelle lassen sich auch über eine App steuern“, heißt es beispielsweise beim spanischen Anbieter Toy Lab. Das reicht bis zur kaum handtellergroßen Mini-Drohne „Zipper“.

Gute Erfahrungen hat auch Fischertechnik mit einer Bluetooth-Fernsteuerung gemacht, die sich über eine App bedienen lässt. Die Anwendung gibt es bereits im dritten Jahr. „So etwas muss aber einen echten Nutzen bieten. Wir entwickeln keine App um der App willen“, hob Fischertechnik-Geschäftsführer Marcus Keller hervor.

Mehr Übersicht im Kinderzimmer

Ob fertig montiertes RC-Spielzeug (ready to run), Roboter oder Baukasten, die Vorteile der App-Lösungen liegen auf der Hand: Die Programme lassen sich flexibel erstellen und – anders als herkömmliche Fernbedienungen – gut aktualisieren. Dazu kommen intuitive Steuerungsmöglichkeiten durch die Bewegungssensoren. Die etwas andere Rennbahn „Dr!ft“ von Sturmkind nutzt diese Funktion für ihre ferngesteuerten Mini-Fahrzeuge aus. Schließlich dient das Smartphone auch als Schnittstelle für Updates der jeweiligen Spielzeuge. Siku beispielsweise hat Aktualisierungen der Gerätesoftware des Xerion über die App bereits vorgesehen.

Nebenbei sorgt die Entwicklung auch für mehr Übersicht im Kinderzimmer. Denn mittelfristig dürfte die Vielzahl technisch relativ einfach gestrickter Fernbedienungen wegfallen, die bislang für viele RC-Spielzeuge notwendig sind.

Quelle: F.A.Z.
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