Videospiel Fifa 21 im Test

Bis zur Grasnarbe

Von Holger Appel
Aktualisiert am 19.10.2020
 - 14:56
Ein schneller Typ: Dortmunds Erling Haaland bringt Tempo ins Spiel.
Das Videospiel Fifa 21 legt an Tempo zu und setzt wieder auf den standhaft ackernden Spieler. Es gibt wenig Kritikpunkte.

Was macht den Fußball fad und nimmt den Zuschauern den Spaß am Spiel? Richtig, verschlepptes Tempo und Akteure, die bei jedem Windzug umfallen und sich wälzen, als seien sie vom Blitz getroffen. Fifa 20, das Standardwerk der Spielekonsolen-Weltmeister, war in diesen Punkten ins Abseits gelaufen. Der Entwickler EA Sports hat die Kritik wohl ge- und erhört, und so nimmt Fifa 21 wieder mehr Schwung auf.

Das Spiel ist schneller als im Vorjahr, das ist ein klarer Pluspunkt. Und die Spieler fallen nicht mehr so leicht um, was den Fifa-Enthusiasten gut gefällt, denn, wie gesagt, in der vorherigen Ausgabe war das schon arg schlimm und peinlich. Wenn die Abteilung Attacke besser wird, muss auch die Abwehr etwas tun. Und in der Tat, die Verteidiger wirken intelligenter als zuvor. Die guten unter ihnen stehen oft richtig und blocken den Ball. Das könnte nervig werden für verwöhnte Angreifer, die wiederum seltener ins Abseits laufen, man merkt rasch, dass die Künstliche Intelligenz im Match dazugelernt hat. Manchmal schießt sie sogar über das Ziel hinaus, Lupfer sind einen Hauch zu unerreichbar geworden.

Neu aufgestellt sind Simulationsfunktionen. Alle Spieler sind kleine Kreise mit Nummern, und es ist der Ball zu sehen, das ist eine feine Idee. Gleichsam neu ist die Art des Trainings im endlich mal wieder spürbar weiterentwickelten Karrieremodus. Spieler können umformiert werden, zum Beispiel lässt sich der Frankfurter Timothy Chandler vom Rechtsverteidiger zum Innenverteidiger promovieren. Ein frischer Faktor, der über die Form der Spieler entscheidet, nennt sich Bissigkeit. Ja, das wollen die Zuschauer sehen, wer auf dem Feld ackert, gewinnt Sympathien, das gilt an der Sony PS 4 oder der Microsoft X-Box genauso wie im richtigen Fußballerleben. Durch hartes Training kann die Bissigkeit bis auf den Faktor 100 gebracht werden. Der Spieler steigt in der Bewertung und wird im Spiel besser. Wir haben das mit Frankfurts Dauerläufer Filip Kostic ausprobiert, es funktioniert. Die alten Faktoren waren und sind noch immer Fitness und Moral, wobei letzteres Wort von den Kommentatoren inflationär gebraucht wird und tatsächlich wohl eher Einstellung und Kampfgeist gemeint sind. Auch lässt sich nun ein Schwerpunkt in den Trainingseinheiten setzen, etwa dass der Torhüter besser auf der Linie bleiben oder wie Bayerns Star Manuel Neuer schneller rauskommen soll.

Positiv fällt zudem Volta auf, hier lässt sich nun mit Freunden oder Fremden zusammen gegen andere Spieler spielen. Früher war Volta nur offline. Jetzt kann man sich online anderen Spielern stellen. Und auch über das Debüt kommt Freude auf. In diesem Story-Modus gilt es, mit seinem Team, bestehend aus 5 Personen, alle Teams zu schlagen, um am Ende das Team von Legende Kakà zu bezwingen. Wer das schafft, schießt Tore. Da trifft es sich, dass im Modus Ultimate Team passende Songs ertönen. Um einen benutzen zu dürfen, müssen allerdings 30 Spiele absolviert werden, das ist unnötig. Ganz im Gegensatz zu Fangesängen, Torfeuereffekten, Vereinshymnen und Choreographien, die frei bestimmbar sind. Ein Fortschritt ist auch, dass die Spieler keine Fitnesspunkte mehr verbrauchen, das war einfach nur lästig.

Treffer, Fifa 21 macht Spaß im Stile einer Spitzenmannschaft, wir haben wenig Kritikpunkte. 70 Euro kostet die Standardversion, 50 Euro für Nintendo Switch. Die Ultimate Edition erfordert aus unserer Sicht überzogene 100 Euro Ablösesumme.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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