Wetterstation von Netatmo

Jetzt wird das Wetter smart

Von Michael Spehr
02.01.2021
, 10:18
Luftdruck und Niederschlag nicht nur messen, sondern die Daten ins vernetzte Heim integrieren: das kann die Wetterstation von Netatmo. Ein paar Tücken hat das System aber.

Eine Wetterstation mit der Anzeige von Innen- und Außentemperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und vielleicht einer Vorhersage gibt es schon zu kleinen Preisen. Wer etwas mehr Komfort sucht, nimmt eine Wetterstation, die sich ins smarte Heim integriert. Auf diese Weise könnte man bei schlechter Luft im Haus automatisch ein Fenster öffnen lassen oder umgekehrt die Fenster schließen, sobald der Regensensor Niederschlag erkennt. Der französische Hersteller Netatmo bietet solche Wetterstationen seit 2012 an, und wir probierten die aktuelle „Smarte Wetterstation“ für 150 Euro, die sich optional um einen Regenmesser (für 65 Euro) und einen Windmesser (für 90 Euro) erweitern lässt.

Im Paket befindet sich eine runde Messstation für den Inneneinsatz, 15,5 Zentimeter hoch und 4,5 Zentimeter im Durchmesser, die mit einem Netzteil und Micro-USB-Anschluss permanent am Stromnetz anzuschließen ist. Die Einheit hat kurioserweise keine Anzeige. Man kann also nicht mal eben schnell mit einem Blick Temperatur, Luftdruck und andere Werte erfassen. Vielmehr muss man stets die App auf dem Smartphone öffnen. Für den Außeneinsatz kommt eine etwas kleinere Einheit dazu, die im Batteriebetrieb läuft, Befestigungsmaterial für draußen wird mitgeliefert.

Die beiliegende gedruckte Anleitung enthält leider nur Bildchen und erklärt die Inbetriebnahme nicht. Diese erfolgt über die Netatmo-App auf dem Smartphone, beide Stationen verbinden sich mit dem heimischen W-Lan. Das Ganze ist fummelig und gelang nicht beim ersten Mal.

Abhängig von den Servern des Herstellers

Interessanterweise zeigt die App auf dem Smartphone nur dann Daten, wenn die Server von Netatmo einwandfrei arbeiten. Während unserer Erprobung taten sie das einige Tage lang nicht, und man sieht dann in der App keine Werte. Oder anders ausgedrückt: Wenn Netatmo irgendwann die Wetterstation abkündigt, ist die Station funktionslos. Da die Netatmo-App auch den eigenen Standort wissen will, sind die gemessenen und auf die Server des Herstellers hochgeladenen Werte geographisch auf den einzelnen Haushalt zurückführbar.

Wer ein iPhone hat, kann den „genauen Standort“ verweigern, um ein bisschen Datenschutz wiederherzustellen. Denn zu den Messwerten der Innenstation gehört auch der Lärmpegel, woraus zu schließen ist, dass ein Mikrofon eingebaut ist. Mit gutem Willen ist anzunehmen, dass wirklich nur der Pegel an Netatmo übertragen wird und nicht das Audiosignal. Vor einigen Jahren hatte Netatmo eine Vergleichsgrafik veröffentlicht, wonach bei einem Fußballspiel die deutschen Fans in ihren Wohnzimmern weitaus lauter gejubelt hatten als die brasilianischen. Die AGBs von Netatmo sehen übrigens die Datenweitergabe an Dritte vor.

Zu den gemessenen und auf Netatmo-Server übertragenen Daten gehören beim Innensensor: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, Lärmpegel und der mit einem Infrarotsensor gemessene CO2-Gehalt der Luft. Gemessen wird alle 15 Minuten rund um die Uhr. Aus den Daten ist zum Beispiel ablesbar, dass es an einem Abend im Wohnzimmer ungewöhnlich warm und laut war, und zwar bis morgens um 2 Uhr. An eine Feier zu denken ist naheliegend. Der Außensensor misst Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Die Daten sind auf dem Smartphone nicht nur dann ablesbar, wenn man sich zu Hause befindet, sondern auch aus der Ferne, weil ja die Sensoren über W-Lan angebunden sind. Zudem kann man auch in einem Web-Interface auf das bei Netatmo anzulegende Konto zugreifen. Auf diese Weise lassen sich Daten exportieren und Diagramme langfristiger Entwicklungen abrufen, etwa zum Lärmpegel oder dem CO2-Gehalt der Luft. Dieser wird auch mit einer LED am Innensensor in Ampelfarben visualisiert, wenn man kurz auf die Oberseite der Station drückt.

Flexible Push-Meldungen sind ein Pluspunkt

Die App kann zudem Push-Meldungen ans Smartphone senden, etwa wenn der CO2-Gehalt einen selbstgewählten Grenzwert überschritten hat oder Temperaturen ungewöhnlich niedrig sind oder ein plötzlicher Luftdruckabfall auf einen Wetterumschwung hindeutet. Das alles ist sehr flexibel und granular einstellbar, ein Pluspunkt.

Wir konnten sodann die Wetterstation in Apples Homekit einbinden, was allerdings nicht viel bringt. Als Geräteautomation lässt sich nämlich nur der Kohlendioxidwert in eigene Automationen einbinden, was die Netatmo-App ohnehin kann.

Die Güte der Messwerte hängt natürlich auch von der Plazierung der Sensoren ab. Das Innenmodul sollte weder am Fenster noch in der Sonne aufgestellt werden, das Außenmodul möglichst im Schatten, gut belüftet und nicht zu nah an einer Hauswand, weil es sonst deren Abstrahlwärme misst. Der Hersteller gibt für die Temperaturmessung eine Genauigkeit von 0,3 Grad an, bei der Luftfeuchtigkeit eine Messtoleranz von 3 Prozent, beim Luftdruck von 1 Millibar und für die CO2-Messung eine Messtoleranz von 50 ppm.

Sieht man von den hier geschilderten Tücken und datenschutzrechtlichen Problemen ab, erledigt die Netatmo Wetterstation ihren Job gut. Die Push-Meldungen fürs Smartphone und die Exportfunktion aller Messwerte sind die wichtigsten Pluspunkte. Das fehlende Display am Innenraumsensor bleibt jedoch ein Makel.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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