Zahnbürste Oral B IO im Test

Ziemlich sauberhaft

Von Michael Spehr
Aktualisiert am 10.08.2020
 - 15:08
Die IO hat einen schlichteren und schlankeren Body als die bisherigen Flaggschiffe, etwa die zuletzt von uns getestete Genius 9000.zur Bildergalerie
Oral B setzt bei seiner neuen elektrischen Zahnbürste IO erstmals auf Magnetantrieb. Eine weitere Innovation ist der bimodale Drucksensor.

Oral B macht alles neu bei seinen elektrischen Zahnbürsten: Das sieht man sofort während des Auspackens des IO genannten künftigen Spitzenprodukts. Die IO hat einen schlichteren und schlankeren Body als die bisherigen Flaggschiffe, etwa die zuletzt von uns getestete Genius 9000. Wurden bislang Putzprogramme und Akkustand mit einzelnen kleinen Leuchten im Handgriff visualisiert, gibt es nun ein zentrales Oled-Display zwischen dem Ein- und Ausschalter und der Menütaste. Sodann verabschiedet sich die zu Procter & Gamble gehörende Marke von der alten Ladestation mit Dorn. Nun thront die Zahnbürste frei auf einem flacheren, kreisrunden Ladepuck, wo ihr Akku induktiv befüllt wird.

Der wichtigste Unterschied sind die neuen Bürstenköpfe. Die alten Aufsteckbürsten sind nicht kompatibel zur IO. Dahinter steckt eine weitere Innovation, die nicht zu sehen, wohl aber zu hören ist. Bisher hatten die Oral-B-Geräte einen mechanischen Antrieb, der mit einem Metalpin auf dem Kopf des Handstücks die Bewegung zur Bürste übertrug. Nun kommt ein magnetischer Antrieb zum Einsatz, der die Energie effizienter und gleichmäßiger auf den Bürstenkopf übertragen soll. Die Bewegung ist eine rotierende und oszillierende mit 145 Hertz. Die Bürste läuft ruhiger und leiser als jene früherer Versionen. Das merkt man sofort. Die neuen Bürstenköpfe haben zudem in sich verdrehte Spitzen, die eine bessere Reinigung der Zahnzwischenräume ermöglichen sollen.

Wie gehabt arbeitet auch diese Zahnbürste mit einer App zusammen, damit alle Zähne gleichmäßig gesäubert werden. In früheren Anläufen hatte Oral B dies mit der Smartphone-Kamera probiert. Man musste das Telefon auf Gesichtshöhe am Badezimmerspiegel befestigen, die Kamera einrichten und sah dann das Ergebnis auf dem Display. Diese Umstandskrämerei war von Anfang ein Flop.

Nun ist alles einfacher. Die Zahnbürste wird per Bluetooth mit dem Smartphone gekoppelt und die Oral-B-App gestartet. Sie will den Namen und die E-Mail-Adresse wissen. Anschließend geht alles Weitere von allein und automatisch. Die App erkennt den Putzbeginn und wertet ganz ohne Kamera die Sensordaten des Handgriffs aus und visualisiert den Putzfortschritt. Es wird in Echtzeit erkannt, welches Zahnsegment gerade an der Reihe ist und sogar unterschieden, ob man die Innen- oder Außenseite sowie die Kaufläche putzt. Sodann berechnet die App, welches Segment und welche Fläche noch besonderer Zuwendung bedarf und zeigt dies an. Die Genauigkeit der Erkennung ist verblüffend.

Dass man in der App zudem Medaillen für gutes Putzen sammeln und sich an den Austausch der Bürstenköpfe erinnern lassen kann, geht ein bisschen in Richtung Spielerei, auch wird man an die Verwendung von Zahnseide und Mundspülung erinnert. Benutzerprofile für verschiedene Personen des Haushalts lassen sich jedoch in der App nicht anlegen, auch ist es nicht mehr möglich, die Bürsten mit Farbringen für die Familienmitglieder zu kennzeichnen.

Eine weitere Innovation ist indes der bimodale Drucksensor. Im Unterschied zu den Vorgängermodellen wird nicht nur auf zu viel Druck auf die Zähne hingewiesen, sondern auch auf zu wenig. Den richtigen Druck zeigt ein Leuchtring unterhalb des Bürstenkopfes, dessen wechselnde Farbe man gut im Spiegel sehen kann. Wie gehabt kann man aus verschiedenen Putzprogrammen wählen, dazu dient ebenfalls das Oled-Display in Verbindung mit der Menütaste.

Im praktischen Einsatz fasziniert die Live-Ansicht des Putzvorgangs auf dem Smartphone und verleitet dazu, sich um die Säuberung wirklich jeder Ecke zu kümmern. Der leise Lauf der Bürste ist ein weiterer Pluspunkt. Subjektiv hatten wir den Eindruck, dass die Zähne gut gereinigt wurden, auf den zusätzlichen Einsatz von Zahnseide sollte man jedoch nicht verzichten. Die neue IO kam Anfang August für 300 Euro in den Handel, mittlerweile ist der Straßenpreis deutlich gefallen. Das unserem Paket beiliegende Reiseetui sieht keine Möglichkeit zum Nachbetanken des Akkus vor. Dieser wiederum hält gut eine Woche durch. Die Bürsten kosten derzeit sage und schreibe 10 Euro pro Stück, und man kann vorerst nicht auf günstigere Angebote von Drittherstellern zugreifen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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