FAZ plus ArtikelZwei Objektive im Vergleich

Schön unscharf

Von Hans-Heinrich Pardey
12.06.2021
, 09:51
Günstig: Lichtriese an der Lumix GX8. Das TTArtisan 1:1,2/50mm.
Kamera-Objektive aus China kosten mitunter nur 80 Euro statt 500, wenn man zum Vergleich ein bekanntes Markenprodukt heran zieht. Was bekommt man für 80 Euro?

Über Fremdobjektive wird gestritten, seit es sie gibt. Und es gibt sie viel länger als die meisten Kamerahersteller. In der Urzeit der chemischen Fotografie war es ganz normal, dass der Kasten, die dunkle Kammer der Kamera, von jemand anderem gefertigt wurde als das Objektiv. Das war Feinmechanik aus Messing und Glas, den Holzkasten baute der Kunsttischler. Erst später unterschied man Fremd- und Originalobjektive: Ein Nikkor passt nur an eine Nikon aus gleichem Hause, ein Fujinon nur an eine Fuji. Ein Sigma, Tokina oder ein Tamron aber gibt es passend zum Beispiel für die Bajonette von Canon, Pentax, Sony und noch mehr Kameras.

Fremdobjektive kommen meist von Herstellern, die unter ihrem Namen keine Gehäuse fertigen – Ausnahmen bestätigen die Regel. Und Fremdobjektive sind in aller Regel günstiger als Originalobjektive – ebenfalls bis auf Ausnahmen. Vor allem in der Phase, als sich Zoomobjektive in der Kleinbildfotografie durchzusetzen begannen, wurde heftig debattiert: Kann ein variables Objektiv aus Japan zwei, drei oder noch mehr Festbrennweiten vorzugsweise deutscher Herkunft vollwertig ersetzen? Ganz abgesehen vom Vorteil, die Objektive nicht transportieren und dauernd wechseln zu müssen, konnte das Zoom gewiss billiger sein. Aber stimmte die optische Qualität? Über diese Fragen ist die Zeit hinweggegangen. Die Fremdobjektive wurden immer besser und teurer, und sogar die konservativsten Kamerahersteller sahen sich genötigt, eigene Zoomobjektive herauszubringen. So gibt es schon sehr lange Objektive, bei denen Dritthersteller stilbildend geworden sind: Man denke etwa an Tamron und das Eins-für-alles, das Reisezoom.

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