Elektrozweiräder

Jugendrevolte bei BMW und die Idee der drei Geschwindigkeiten

Von Ulf Böhringer und Boris Schmidt
18.09.2021
, 08:03
CE 02, das Jugendmobil von BMW
BMW will sein Zweirad-Programm mit einem elektrischen Roller für den A1-Führerschein, einem elektrischen Moped und ein paar verrückten Ideen unterfüttern. Der Gesetzgeber muss mitspielen wollen.
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BMW Motorrad hat einen erstaunlichen Imagewandel hinter sich, gestützt auf eine Modellpolitik, mit der sich die einstige Altherrenmarke zum frechen Trendsetter in diversen Marktsegmenten emporschwang. Genannt seien in diesem Zusammenhang der fulminante Supersportler S 1000 RR, die Klassiker-Baureihe R nineT oder die R-18-Familie mit dem umwerfend bulligen „Big Boxer“-Motor. Auch in Elektroangelegenheiten trauen sich die Münchener etwas, anders als manch anderer. Bloß fürs ganz junge Publikum von 16 Jahren an hatten sie nie etwas zu bieten.

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Mit dem elektrischen Leichtkraftrad CE 02, jetzt als Konzept vorgestellt, wird sich das ändern. Mit diesem CE 02 wird wohl innerhalb der nächsten zwei Jahre ein kleines, elektrisch angetriebenes, jugendlich frisches Fahrzeug auf den Markt kommen, von dem man nicht genau sagen kann, ob es mehr Roller oder mehr Motorrad ist. Die Präsentation des Concept CE 02 ließ zwar vieles noch unscharf, doch schon die Konturen genügen, um die Zielrichtung wie auch die Technik deutlich zu machen. Das batterieelektrische CE 02 stellt einen Frontalangriff auf die derzeit noch gültigen Motorisierungsgewohnheiten dar.

Beim bayerischen Motorradhersteller sieht man das Fahrzeug ob seines unkonventionellen Auftritts mit dem Versprechen der Unbeschwertheit eher als „Skateboard auf zwei Rädern“ denn als Motorrad. Jugendlich sind die Proportionen des insgesamt klein und niedrig geratenen Fahrzeugs. Es ist in Schwarz und Silber gehalten. Die Flächen sind so gut wie nicht dekoriert, doch soll das CE 02 keineswegs entblößt durch die Gegend surren. Sticker und Tapes sind als Individualisierung ausdrücklich erwünscht.

Das Fahrzeug soll so etwas wie „der beste Freund seines Besitzers werden“, sagt man bei BMW und wünscht sich dabei selbstverständlich auch junge Damen am Lenker. Auch die sollen sich von der simplen, klaren Linie und den großen Scheibenrädern angesprochen fühlen; sie erinnern an ein Funbike.

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Besonders auffällig am Concept CE 02 ist die lange, in nur 73 Zentimeter Höhe montierte Sitzbank. Im vorderen Teil weist sie einen Aufwärtsschwung auf, über den kreuzweise zwei Gummibänder verlaufen; damit soll kleines Gepäck fixiert werden können. Die lange, nach hinten freie Sitzbank lässt Raum für unterschiedliche Sitzpositionen, aber es findet auch ein schlanker Passagier ein – möglicherweise etwas kümmerliches – Plätzchen. Dass die Räder des Concept CE 02 keinerlei Abdeckung tragen, ist dem Konzeptstatus geschuldet; das Serienfahrzeug wird zudem über Rückspiegel und Blinker verfügen. Der viereckige Scheinwerfer an der Front mit vier markanten LED-Elementen dürfte schon dem Serienstand entsprechen.

Aufdrucken einer Protektionsfunktion auf das Gewebe

Hinsichtlich der Leistungsangaben des Akkus hält BMW sich noch zurück. Gesetzt ist eine Normreichweite von rund 90 Kilometern im städtischen Raum, auch wird die Maximalgeschwindigkeit 90 km/h betragen. Das Leistungslimit der A1-Klasse von 11 kW (15 PS) wird man voll ausschöpfen. Damit dürften mit dem 120 Kilo leichten CE 02 an der Ampel fixe Starts möglich sein.

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Zusammen mit dem 2023 zu erwartenden Serienfahrzeug wird BMW eine neue Bekleidungslinie offerieren, deren Grundzüge sich schon abzeichnen. Vom Design wie auch von der Schutzwirkung her soll eine neue Ebene erreicht werden. Eine neue Technik erlaubt den Angaben zufolge das Aufdrucken einer Protektionsfunktion auf das Gewebe. BMW spricht von einem „integrierten, volumenbildenden Material“, das abriebfest und aufpralldämpfend sei. Sowohl die Produktion der Materialien als auch die Fertigung der Kleidung werde in Deutschland stattfinden.

Wobei die Jugendrevolte damit noch nicht zu Ende ist. Auf der IAA Mobility in München zeigte BMW nicht nur die CE 02, gleichzeitig ließen noch zwei weitere Konzepte aufhorchen, die von der Fahrzeugklasse her darunter anzuordnen sind. Die BMW Vision Amby ist ein elek­trisches Moped, das je nach Konfiguration maximal 25, 45 oder 60 km/h schnell sein soll. Dagegen ist das BMW i Vision Amby eine Art Pedelec, das gleichfalls 25, 45 oder 60 km/h schaffen soll, allerdings auch per Tretkurbel ohne jegliche Motorkraft bewegt werden kann. Mit einem Gewicht von nur 30 Kilo sei das auch gut möglich, sagt BMW-Designer Werner Haumayr.

Als Pedelec, somit führerscheinfrei, betrage die Reichweite bis zu 200 Kilometer. Man wisse sehr wohl, dass die deutsche Gesetzgebung keine Fahrzeuge kenne, die „drei in eins“ sind, man wolle aber Denkanstöße geben und auf die Politik einwirken, um die Regeln zu ändern. BMW träumt von zwei offiziellen Pilotprojekten in München und Berlin, um die Idee weiter voranzubringen. Erste Gespräche würden geführt. Haumayr: „Im Idealfall fährt man mit 60 km/h aus der Peripherie in die City und wechselt dort auf dem Radweg in den 25er-Modus.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schmidt, Boris
Boris Schmidt
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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