Opel Corsa E als Rallyeauto

Ein driftender Dreckskerl

Von Thomas Geiger
10.06.2021
, 16:37
Emotion ohne Emission: Der elektrische Opel Corsa taugt auch als Rallyeauto. Nach spätestens sechzig Kilometern ist allerdings Schluss mit dem Vergnügen.

Der Staub steht dick in der Luft, der Splitt spritzt in jeder Kurve meterhoch, und mittendrin dreht sich ein Kleinwagen, den Opel der Welt bislang als Saubermann verkauft hat. Die Dreckschleuder ist der Corsa E, der sich warm läuft für seinen Einsatz im ADAC Opel e-Rally Cup. Während sich andere wie Volkswagen oder BMW zunehmend von der Rennpiste verabschieden, halten die Hessen zumindest dem Breitensport die Treue und schicken ihren elektrischen Erstling deshalb in diesem Sommer immerhin achtmal über die Startrampe einer Rallye.

Dafür haben sie binnen zwei Jahren eine seriöse Rennversion des kleinen Corsa entwickelt und zum Saisonstart rund zwei Dutzend Autos aufgebaut, die sie für knapp 60 000 Euro verkaufen. Außen, von den Zusatzscheinwerfern abgesehen, noch halbwegs zivil gestaltet, werden die beiden Insassen in eine Höhle aus blankem Blech geschnallt, in die das Motorsportteam zwei enge Schalensitze und einen Überrollkäfig geschweißt hat. Zwischen den Sitzen ragt fast einen Meter hoch der Hebel einer Handbremse. Sie rastet nicht ein und reißt den Corsa nach ein bisschen Übung herum, als würde ein Hase auf der Flucht seine Haken schlagen.

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Nur unter dem mit schlagfestem Aluminium von unten verstärkten Blech bleibt alles beim Alten: Auch der Rallye-Corsa fährt mit dem Standardantrieb, an den Vorderrädern zerrt deshalb eine Elektromaschine mit 136 PS und 260 Nm, im Boden steckt eine Batterie mit 50 kWh. Doch im Rallyeeinsatz fühlt sich der Fahrer davon nur selten ausgebremst. Erst recht, wenn ein eigenes Soundmodul dabei ordentlich Krach macht, damit die Zuschauer auch was von der Raserei haben. Emissionen mag der Corsa keine mehr haben, doch spätestens im Rallyeeinsatz sind zumindest die Emotionen wieder da.

Allerdings muss der Rallye-Corsa im Rennen nach spätestens 60 Kilometern an die Steckdose. Und das gelingt nur, wenn auf den Verbindungsetappen der Eco-Modus aktiviert ist, der die Leistung drosselt. Auch deshalb kommt im Rallyeauto dem Beifahrer eine entscheidende Bedeutung zu: Der muss nicht nur vor Kurven und Kuppen warnen, sondern auch die Zielführung im Auge behalten. Denn Verfahren ist nicht drin.

Quelle: F.A.Z.
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