Probefahrt Kia EV6

Sechs oder Selters

Von Boris Schmidt
05.11.2021
, 15:30
Der Kia EV6 ist das Pendant zum Hyundai Ioniq 5. Wie dieser verfügt auch er über die 800-Volt-Technologie und kann an Gleichstrom-Stationen sehr schnell laden.
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Autonamen sind ein schwieriges Geschäft. Das kann furchtbar danebengehen. Kia hat bisher mit seinen Modellen ein gutes Händchen bewiesen, doch im Fall seines ersten dezidiert auf Elektroantrieb zugeschnittenen Fahrzeugs zeigt sich der koreanische Hersteller einfallslos. Es heißt schlichtweg Elektrisches Vehikel Nummer 6, kurz EV6. Gut, das funktioniert überall auf der Welt und setzt zudem das Signal, dass noch andere kommen werden.

Die Sechs lässt schon ahnen, dass der Kia, der auf derselben Plattform wie der Hyundai Ioniq 5 steht, kein kleines Auto ist. Er misst knapp 4,70 Meter, hat einen Radstand von 2,90 Metern und bietet somit viel Platz für bis zu fünf Personen samt Gepäck. In den Kofferraum passen rechnerisch fast 500 Liter, die Ladekabel können in einem Fach unter der Fronthaube verschwinden. Kia ist stolz auf das exaltierte Design, das zwischen Kombi und Limousine changiert. Auf jeden Fall ist der EV6 kein 08/15-Auto, er will etwas Besonderes darstellen.

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Ins Feld führen kann er seine Auslegung auf 800 Volt, was das Laden noch schneller vonstattengehen lässt als mit 400 Volt, eine entsprechende Ladesäule vorausgesetzt. 800 Volt beherrschen bisher wenige Elektroautos. Die 77-kWh-Batterie kann in weniger als 20 Minuten von zehn auf 80 Prozent gebracht werden, die Reichweite beträgt je nach Antriebsvariante um die 500 Kilometer gemäß Norm. Wir vermuten rund 330 Kilometer im Alltag. Auf dem Markt ist er seit wenigen Tagen, die Preisliste beginnt mit 45.000 Euro für das Basismodell mit 58-kWh-Batterie und dem schwächsten Motor, der 172 PS entfaltet.

Hierfür werden sich allenfalls zehn Prozent der Kunden entscheiden, erwartet Kia. Das Gros der Bestellungen werde sich auf den heckgetriebenen EV6 mit 229 PS oder den allradgetriebenen EV6 mit 325 PS konzentrieren. Beide sind auf 185 km/h Höchstgeschwindigkeit limitiert. Die Drehmomente unterscheiden sich aber stark. Mit 605 Newtonmetern ist der 325-PS-Motor fast doppelt so kräftig wie die 229-PS-Maschine. Wer noch mehr will, greift zum GT-Paket, dann produzieren die beiden Elektromotoren 585 PS, die Höchstgeschwindigkeit steigt auf 260 km/h, die angegebene Reichweite fällt auf 400 Kilometer. Der Preis wiederum schraubt sich auf 71.900 Euro.

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Mit Allradantrieb und 325 PS kostet der Kia 52.800 Euro, jeweils vor Abzug der Prämie. Kia Deutschland hat reichlich Einheiten vorbestellt, wer sich für ein vorhandenes Modell entscheidet, kann unter Umständen kurzfristig in die elektrische Welt fahren. Wer aber Sonderwünsche hat, muss vielleicht bis zu einem Jahr warten. „Auch an Kia geht die Chipkrise nicht einfach vorbei“, sagt Matthias Troge, Leiter Produktmanagement Kia Deutschland. „Aber es ist natürlich von Vorteil, dass viele dieser Zulieferer in unserer Heimat Korea sitzen.“

Auf einer ersten Probefahrt beeindruckte der Kia mit seinem guten Platzangebot und seiner innovativen Innenraumgestaltung. Sie verzichtet übrigens gänzlich auf Leder, das ist ein Trend, der sich immer mehr in der Automobilindustrie abzeichnet. Die Fahrtrichtung wird per Drehwähler bestimmt. Eine gute Idee ist die Menüleiste, die entweder die Bedienelemente für die Klimaanlage oder fürs Infotainment anzeigt. Der 12-Zoll-Bildschirm, der innovativer gestaltet sein könnte, ist leicht zum Fahrer gekrümmt. Der EV6 ist mit allen Assistenzsystemen ausgerüstet, die mittlerweile in den oberen Klassen üblich sind, etwa Head-up-Display, intelligenter Tempomat oder Verkehrszeichenerkennung. Und, da ist er trotz herausgestellter Unterschiede ganz Konzernbruder, er übertreibt die Eingriffe ins Lenkrad genauso wie der Ioniq 5.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schmidt, Boris
Boris Schmidt
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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