Neu vorgestellt: DS 9

Der Geist großer Gefühle

Von Holger Appel
10.04.2021
, 20:58
Mit dem DS 9 will die Citroën entsprungene Marke DS die Lücke zu Audi, BMW und Mercedes schließen. Das Design verspricht die dafür nötige Exklusivität. Die Motorisierung allerdings nicht.

Setzt die dem Hause Citroën entsprungene Marke DS ihr Schneckentempo fort, braucht Konzernchef Carlos Tavares wirklich jene Geduld, die er versprochen hat. „Das wird viel weiter reichen, als ich in diesem Unternehmen bin. Audi hat 30 Jahre gebraucht. Wenn nötig brauchen wir die eben auch“, hat Tavares 2015 gesagt. Sechs Jahre später ist DS entfernter von Audi und BMW als Paris von Bayern in Corona-Zeiten. Aber aufgeben gilt nicht.

Der jüngste Hoffnungsträger heißt DS 9. Er sollte längst auf der Straße sein, nun ist er wahrhaftig bestellbar, im Sommer sollen die ersten Fahrzeuge in Kundenhand gelangen. Wer sich für die 4,93 Meter lange Stufenhecklimousine entscheidet, kann sich im Rudel der 5er, A6er und E-Klassen Exklusivität sicher sein. Aufsehenerregende Scheinwerfer mit zur Begrüßung um die eigene Achse rotierenden Lichtelementen, auffällige Rückleuchten und im Dachholm eingelassene Positionslampen mit Reminiszenzen an das berühmte Original setzen Akzente.

Innen führen Nappaleder, Alcantara und Kristallglas den Gedanken an von französischer Avantgarde inspirierte Handwerkskunst fort. Wer sich von den feinen Zutaten nicht einfangen lässt, erspürt freilich eine gewöhnliche Konzeption ohne Mut zur Überraschung, wie er einst der sagenhaften DS eigen war. Über die Sitzprobe hinaus in Bewegung gelangt sind wir mit dem DS 9 noch nicht, versprochen werden ein kommodes adaptives Fahrwerk und geringe Geräusche.

Eigentlich wäre der DS 9 prädestiniert für Vielfahrer auf Langstrecken, doch ein Dieselmotor wird nicht angeboten. Für Statuskunden wäre ein Sechszylinder angemessen, auch der fehlt. Offeriert werden zunächst zwei Antriebe, jeweils mit 1,6 Liter großem Vierzylinder. Allein entfaltet er 225 PS und schafft 236 km/h. Daneben steht ein aufladbarer Plug-in-Hybrid mit gleichsam 225 PS zur Verfügung, seine 11,9-kWh-Akkus reichen nach Norm für 48 elektrische Kilometer. Der Normverbrauch von 1,6 Liter Super ist wie üblich ein Scheinwert. Die Preisliste beginnt mit 47.550 Euro. Gefertigt wird der DS 9 in China.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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