<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Automobilausstellung

Das sind die Top Ten der IAA

Von Holger Appel
 - 10:00

Mit welchen Autos lassen sich die Menschen begeistern? Mit guten. Und mit schönen. Design ist weiterhin ein entscheidender Grund für den Kauf. Aber die Technik steht nicht hintan. Auf der IAA in Frankfurt finden die Besucher begehrenswerte Preziosen zuhauf, und die Prognose ist wohl nicht allzu gewagt, dass sich die größten Trauben um den Porsche Taycan bilden werden. Der sieht nicht nur spektakulär aus, er zeigt auch in die Zukunft einer neuen Welt.

Der Taycan ist der erste vollelektrische Porsche seit hundert Jahren, alle sind gespannt, wie die Kundenakzeptanz ausfällt. 680 und 761 PS und bis zu 450 Kilometer Normreichweite sollen Tesla in die Schranken weisen, allerdings ist der Preis stolz. Schon das Basismodell kostet 152 000 Euro. Doch Träumen ist erlaubt, gerade auf der wichtigsten Automobilmesse der Welt, deshalb darf auch am Stand von Mercedes ein Auflauf erwartet werden, wo der Ausblick auf die elektrische S-Klasse stehen soll. Immer gut für Enthusiasmus ist Lamborghini Die flotten Italiener setzen im Sián auf Hybridantrieb, sie verbinden ihren V 12 mit einem in das Getriebe eingefügten 34-PS-Elektromotor, der seine Energie aus einem Superkondensator bezieht. Was sich ein wenig nach Deckmantel anhört, führt zu feisten Fahrleistungen bei gezügeltem Verbrauch. 819 PS, 0 auf 100 km/h in 2,8 Sekunden und mehr als 350 km/h Höchstgeschwindigkeit lauten die Eckdaten. Kein Wunder, dass der Anleihen am Countach nehmende Lamborghini so heißt, wie er heißt. „Sián“ bedeutet im bolognesischen Dialekt Blitz.

Über die Frage, welcher Antrieb uns in die Zukunft fährt, wird auf der Messe viel diskutiert. Es wird nicht nur der Elektromotor sein, der aber sicher auch. Nur wie schnell er sich durchsetzen kann, weiß niemand vorherzusagen. Weil der CO2-Ausstoß zur Erreichung der künftigen Grenzwerte in jedem Fall sinken muss, und zwar rasch und deutlich, bleibt kein Motor, wie er war. Der Diesel schlägt zurück mit niedrigsten Emissionen, die vor kurzem noch keiner für möglich gehalten hat. Zu besichtigen bei Volkswagen und Mercedes-Benz. Die Benzinmotoren erhalten flächendeckend elektrischen Beistand, ob sich die Versionen mit oder ohne Ladestecker durchsetzen, gehört zum Konkurrenzkampf.

Video starten

IAA
E-Autos im Scheinwerferlicht

BMW etwa setzt kräftig auf Plug-in-Hybride, am Stand sind einige zu sehen. Als Modell zunächst am wichtigsten ist indes der neue 1er, der erstmals mit Vorderradantrieb geliefert wird. Das verändert Proportionen und Sitzgefühl, die knackigen Fahreigenschaften hoffentlich nicht. Aber BMW weiß ja, was es tut, schließlich ist das britische Patenkind im Haus. Von der Insel wird der Mini als Elektriker geschickt, der wiederum den Antrieb des alternden BMW i3 auftragen muss, so ist das nun mal in Großfamilien. Der knuffige Kerl hat deshalb nur ein Batteriechen mit 33 kWh, was ihn nicht weit bringen wird, aber für den Boulevard in München oder Mailand wohl genügen kann. Sofern man mindestens 32 500 Euro anlegt. Ja, Mini war schon immer teuer, und doch ist das wiederum ein Beweis dafür, dass die Anschaffung eines Elektroautos deutlich teurer wird als die eines vergleichbaren Benziners oder Diesels.

Volkswagen will versuchen, zumindest diesen Teil des Teufelskreises zu durchbrechen, und führt den ID 3 heran. Akkus zwischen 45 und 77 kWh ermöglichen 330 bis 550 Kilometer, gemäß Norm, versteht sich. Erschwingliche Preise versprechen die Wolfsburger, als Vergleichsmaßstab dient ein gut ausstaffierter Diesel. Bedeutet in der Basisversion knapp 30 000 Euro. Ob der ID damit ein echter Wagen fürs Volk wird? Jedenfalls ist das Interesse groß, die Gestaltung öffnet neue Freiräume, und so sieht der ID moderner aus als der nächste Golf. Auch die spanische Schwester Seat darf mit ihrer scharfen Submarke Cupra elektrisch auftrumpfen, ein entschlossenes SUV-Coupé namens Tavascan mit zwei Elektromotoren, 77 kWh und 306 PS rauscht aus Barcelona heran. Wer sich den Attackemodus wegdenkt, erkennt darüber hinaus künftige Elektroautos aus dem Hause Seat und Škoda.

Konsequent klein und knuddelig

Aber Obacht, Kleinwagen werden so nicht geboren, die Batterien fordern Platz. In der Enge der Stadt ist mit den Elektroautos also etwas für die Atemluft gewonnen, nicht aber für den knappen Raum. Ein neugieriger Blick fällt deshalb auf den Stand von Honda, wo der E Premiere feiert. Konsequent klein und knuddelig, mit zwei Leistungsstufen von 136 oder 154 PS, 35-kWh-Akku und bis zu 220 Kilometer Reichweite will er die Herzen der Städter erobern. Wer sich noch an die Studie erinnert, dem droht gewisse Ernüchterung, denn auf dem Weg in die Serienversion ist einiges an Charme verlorengegangen. Schade drum, trotzdem sehenswert.

Das hat Mercedes-Benz besser hinbekommen. Wer beim Anblick der ersten Studien Sehnsucht nach dem kleinen Bruder des großen G verspürt hat, kann nun in Frankfurt die Serienversion des GLB mit allen Sinnen entdecken. 4,63 Meter ist er lang, zunächst konventionell motorisiert, und wir halten jede Wette, dass er ein Hit wird. Ob das für den neuen Defender auch gilt? Der Kultgeländewagen bricht auf in eine Lifestyle-Ära, die Fangemeinde ist kritisch. Leider wollte Land Rover partout kein Foto vor Messebeginn rausrücken. Also nehmen wir hier einen erlegten Erlkönig ins Bild, fahren auf die IAA und sagen mit fußballkaiserlicher Weisheit: Schaun mer mal.

Preise und Zeiten

Die IAA in Frankfurt findet statt vom 12. bis 22. September 2019. Der 12. und 13. September sind dem Fachpublikum vorbehalten. Tagestickets kosten 13 bis 17 Euro, ein Familienticket 35 Euro. Schüler, Studenten und Auszubildende kommen für 8,50 Euro rein.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenIAAAutomobili LamborghiniVolkswagenBMWPorscheTesla