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Zu Protesten gegen IAA und SUV

Gespaltene Gesellschaft

EIN KOMMENTAR Von Falk Heunemann
Aktualisiert am 16.09.2019
 - 10:54
Streitfall: Des einen Feind ist des anderen Liebling – etwa der beliebte SUV, gegen den an sich am Sonntag Tausende in Frankfurt auf die Straße gingen
Haben sich die Blockierer selbst ein Bild von der IAA gemacht? Antwort: Kopfschütteln. Zugleich empörten sich Messebesucher, dass Kritiker es wagten, ihnen Folgen der Autonutzung vorzuhalten. Solche wechselseitige Ignoranz ist gefährlich.

Wenn das Wochenende eine Abstimmung mit den Füßen war, hat das Auto gewonnen: Als am Samstag zwischen 15.000 (Polizeiangabe) und 25.000 (Veranstalterangabe) Menschen für eine Verkehrswende demonstrierten, zählte die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) 60.000 Besucher. Und am Sonntag zählten die Blockierer vor den Messetoren nach Hunderten, während Zehntausende sich dennoch Zutritt verschafften.

Diese Zahlen sind jedoch zweitrangig. Im Kern ist es ein Kampf um einprägsame Bilder und Parolen. Und die suggerierten draußen vor den Messetoren, dass das Ende des Autos sowie der IAA unmittelbar bevorstehe. Während drinnen die meisten sich um Spritschlucker drängelten, als wenn denen die Zukunft gehörte.

Selbst die IAA besucht

Die Gesellschaft scheint gespalten zu sein, und keine Seite interessiert sich für die andere. Wer die Blockierer am Sonntag und viele Demonstranten am Samstag fragte, ob sie eine IAA besucht hatten, um sich selbst ein Bild zu machen, erntete durchweg Kopfschütteln. Zugleich empörten sich Messebesucher, dass Kritiker es wagten, ihnen die Folgen der Autonutzung vorzuhalten.

Solche wechselseitige Ignoranz ist gefährlich. Es kann Autofans nicht schaden, die Welt aus Sicht von Fahrradfahrern zu sehen, die sich ausgebremst und bedroht fühlen. Deren Argument, dass mit immer schwereren Autos der Kohlendioxidverbrauch im Verkehr nicht sinken kann, obwohl er das wegen der Klimas dringend müsste, ist auch nicht von der Hand zu weisen.

Nicht nur Spritschlucker

Autokritiker wiederum könnten auf der IAA entdecken, dass ihr Bild dieser Messe veraltet ist. Halbnackte Hostessen gibt es lange nicht mehr, gezeigt werden dort auch nicht nur Spritschlucker, sondern ebenso Kleinwagen und Elektrofahrzeuge, E-Bikes und E-Scooter, Carsharingangebote und alternative Verkehrskonzepte. Die Forderung vieler Demo-Redner, die IAA müsse sich zur Mobilitätsmesse wandeln, ist längst eingelöst. Und die Gegner könnten sehen, dass es durchaus noch viele Menschen gibt, die ein Auto für unverzichtbar halten, sei es als Ausdruck individueller Freiheit, als Fahrgenussmittel oder schlicht als flexibles Transportmittel.

Die Gefahr wächst, dass Bürger sich in bequemen Meinungsblasen einschließen und die anstrengende Konfrontation mit dem Rest der Welt unterbleibt. Damit aber schrumpft die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen, um Andersdenkenden entgegenzukommen. Sie gelten dann als Schwäche, als Verrat am Ideal. Und doch Kompromisse sind eine Stärke. Denn nur sie haben am Ende die Macht, eine Gesellschaft zusammenzuhalten.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Heunemann, Falk
Falk Heunemann
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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