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Wende zur E-Mobilität

„In Deutschland ist der Strompreis zu hoch“

Von Carsten Knop
 - 13:36
Michael Lohscheller, Geschäftsführer der Opel Automotive GmbH (links), und Jürgen Klopp, Cheftrainer des FC Liverpool, auf der IAA in Frankfurt

Herr Lohscheller, ich bin verblüfft, auf der IAA wird ja sogar noch Krawatte getragen …

Lohscheller: … überrascht Sie das?

Ja, schon ein wenig. Es fällt jedenfalls auf, nicht nur bei Ihnen am Stand.

Klopp: Ist ja wirklich so, die Krawatte ist etwas aus der Mode gekommen. Ich bin auch nicht so der Krawattenträger. Aber andererseits: Wenn jetzt jemand sagt, Mensch, ich trage keine Krawatte, deswegen bin ich jetzt total modern und cool, das ist ja auch Unfug.

Lohscheller: Außerdem ist es ja ein besonderer Tag heute …

Klopp: … ja, wie eine Geburt, Taufe oder Hochzeit.

Aha.

Lohscheller: Ja, schließlich feiern wir heute hier auf der IAA fünf Weltpremieren - allen voran den neuen vollelektrischen Corsa mit 330 km Reichweite und den Grandland X Hybrid mit 59 km rein elektrischer Reichweite. Wir zeigen damit, dass wir bestens für die Zukunft gerüstet sind.

Aber führt die Branche diese neuen Elektroautos nur deshalb ein, weil sonst die CO-2-Vorgaben nicht einzuhalten sind, oder weil Sie wirklich daran glauben?

Lohscheller: Wir glauben nicht nur daran, wir leben die Elektrifizierung. Opel wird elektrisch. Bis 2024 werden wir ausnahmslos jedes Modell auch mit Elektrifizierung anbieten. Ohne, dass wir unsere Kunden bevormunden. Deswegen bauen wir auch weiter verbesserte Verbrennungsmotoren. Dazu eine kleine Gesichte: Ich war kürzlich im Schloss Kronberg - für einen Vortrag am Rande eines Golfturniers. Kaum jemand dort fuhr einen Opel. Und ich komme mit dem Elektro-Corsa vorbei, und alle sagen: Was ist das für eine coole Sache? Die konnten sich gar nicht mehr von dem Auto loseisen. Jetzt der Punkt: Ich glaube, der Zeitgeist ändert sich. Die Zukunft wird andere Statussymbole bekommen als PS-Protzerei und schiere Größe. Fragen Sie doch mal junge Leute. Meine 14 Jahre alte Tochter zum Beispiel. Die findet es cool, wenn man mit einem Elektroauto kommt. Die Welt ändert sich. Die Leute wollen andere Autos. Wir liefern sie. Wird das jetzt sofort auf 100 Prozent hochlaufen? Nein aber der Trend ist ganz klar.

Klopp: Ganz ehrlich, ich habe eher darauf gewartet, dass das mit der Elektromobilität jetzt endlich mal passiert. Den Markt konnte man doch nicht Tesla überlassen. Tesla war die ganze Zeit sowieso nur für wenige bezahlbar. Insofern würde ich die Entwicklung eher nicht als neu empfinden, denn als Notwendigkeit.

Lohscheller: Unser neuer Corsa ist für eine weitaus größere Zahl von Kunden bezahlbar. Wir finden, er ist schön, er ist komfortabel, er ist leicht und dynamisch, das „e“‘steht nicht nur für elektrisch, sondern auch für einfach und emotional. Damit hilft der Corsa-e, einen kleinen Teil zum notwendigen Wandel beizutragen.

Ja, schon, aber damit kommt man ohne Aufladen zwischendurch immer noch nicht von Frankfurt nach Dortmund ins Stadion und wieder zurück.

Klopp: Na gut, dafür gäbe es dann den Grandland X Hybrid.

Lohscheller: Und wir haben BVB-Chef Aki Watzke auch schon gesagt, dass mehr Ladestationen am Stadion eine gute Sache wären... (Lacht.) Die Zeit ist jetzt reif für die Elektromobilität. Die Menschen sagen, wir müssen jetzt einen Beitrag leisten, und wir leisten ihn. Vor fünf Jahren war die Zeit dafür noch nicht reif, jetzt schon.

Aber hat nicht doch alles zu lange gedauert? Es gibt ja einige Diskussionen um den Ruf der Autoindustrie, vielleicht Proteste am Wochenende zu den Publikumstagen der IAA. Dahin ging ja auch schon der Hinweis von Jürgen Klopp: Zwischen den Elektro-Modellen von Opel, die schon vor fünfzig Jahren eine Reichweite von 200 Kilometern hatten, und jetzt ist möglicherweise zu viel Zeit vergangen?

Lohscheller: Ja, ich glaube, man kann der Automobilindustrie durchaus vorhalten, dass sie manchmal etwas spät auf Sachen reagiert hat. Und wir sagen auch: Ein positiver Dialog ist völlig in Ordnung. Wir müssen aber auch eine Frage beantworten: Nämlich, was machen wir jetzt mit den Autos, mit der individuellen Mobilität?

Früher, als wir aufgewachsen sind, da war es noch eine tolle Sache, wenn ein Nachbar ein neues Auto hatte. Heute merkt das kaum noch jemand. Ist das nicht das größte Problem?

Klopp: Stimmt, auch da hat sich etwas verändert. Bei meinem Vater in Tumlingen im Schwarzwald war ein Opel früher „das Auto“, bei Fischer Dübel im Außendienst üblich. Darin bin ich groß geworden. Das wurde noch beachtet. Heute wird ja viel geleased. Das gab es damals im Zweifel noch gar nicht. Jetzt gibt es eben alle zwei, drei Jahre ein neues Auto. Dadurch ist das Besondere ein wenig verloren gegangen.

Lohscheller: Aber mit der Elektromobilität kann sich das wieder ändern. Es macht einfach Spaß, was heute an neuen Modellen angeboten wird. Das ist gut. Und jetzt ist die Jugend dran, die nächste Generation, sie wird darauf achten. Es geht nicht darum, mit 250 Kilometern in der Stunde über die Autobahn zu heizen. Es geht um schöne und effiziente Autos, die Teil einer Lösung sein müssen. Und ich bin überzeugt davon, dass das Thema individuelle Mobilität super aktuell ist. Bei allem Gerede über die IAA, wir werden hier wieder Hunderttausende Besucher haben.

Die Autos selbst sind aber nur die eine Seite der Medaille. Macht es die Autoindustrie Interessierten, die so ein Auto in Erwägung ziehen, denn einfach genug, daheim und unterwegs die Infrastruktur vorzufinden, die man braucht, um es dann auch aufzuladen?

Lohscheller: Na klar, das gehört dazu, das zeigen wir ja hier auch.

Entschuldigung, aber wenn ich kein freistehendes Einfamilienhaus mit Garage habe, was mache ich dann? Was machen all‘ die anderen, die früher die Kernzielgruppe von einem Corsa waren?

Lohscheller: Wir bieten dazu viele Services an, wir analysieren die Ladesituation, beim Kunden in der Umgebung des Wohnorts, auf der Arbeit oder eben auch beim Fußballverein. Und auf der Basis kann der Kunde sich dann entscheiden, ob es für ihn passt oder nicht. Wie funktioniert das Laden? Wo kann ich es machen? Wie lange dauert das? Wie lange ist der ganze Ladevorgang? Können wir unterschiedliche Kabel anbieten? Sicherlich gibt es noch einige Sachen zu tun. Aber da bieten wir eine ganze Menge an.

Klopp: Es ist völlig richtig, in Mehrfamilienhäusern ist das Laden ein viel größeres Problem. Aber das kann und darf nicht die Entschuldigung dafür sein, nicht endlich anzufangen. Wenn die Autos da sind, kommt auch die Ladeinfrastruktur, und wenn die stärker ausgebaut ist, kommen eben noch mehr Elektroautos. Aber es muss erst mal losgehen.

Lohscheller: Ja, sie werden zum Beispiel in Frankfurt immer wieder Beispiele dafür finden, wo es noch nicht hinhaut. Aber es gibt ja auch genug positive Beispiele, zum Beispiel in den Niederlanden. Da kann man an jeder Ecke laden, warum sollte uns das nicht auch bald gelingen?

Herr Klopp, in Großbritannien sieht das noch nicht so gut aus oder?

Klopp: Nein, das stimmt, aber auf Reisen, zum Beispiel letztes Jahr Asien, genauer in Hongkong, hatte ich auch schon das Gefühl, dass die Elektromobilität dort sehr weit ist.

Ist Opel Mitglied eines der Industrie-Konsortien, die den Ausbau der Ladeinfrastuktur fördern wollen?

Lohscheller: Nein, wir kümmern uns dafür um die Errichtung spezifischer Projekte, zum Beispiel in Rüsselsheim mit 1300 Ladestationen. Da findet man schon viele Plätze zum Aufladen.

Würden Sie sagen, die Strompreise in Deutschland sind zu hoch?

Lohscheller: Ja, in Deutschland ist der Strompreis zu hoch. Die Auswirkungen sieht man sofort im Ländervergleich. In Frankreich zum Beispiel ist der Anteil der Elektrofahrzeuge deutlich höher. Warum? Weil Strompreise niedriger sind. Das gilt auch für die Niederlande. Die Rechnung ist einfach, jeder kann sie nachvollziehen. Auch nach Abzug der staatlichen Förderung beim Kaufpreis bleibt immer noch der im internationalen Vergleich zu hohe Strompreis.

Weil Sie gerade Frankreich erwähnt haben: Opel gehört ja jetzt seit einiger Zeit zu PSA. Sie spielen ja schon immer einen sehr internationalen Teams, vorher mit General Motors in Amerika, jetzt mit Peugeot. Was hat sich verändert?

Lohscheller: Ja, Opel ist sehr international, jeder spricht Englisch, wir haben eine sehr offene, sehr bodenständige Kultur. Wir passen sehr gut zu PSA - und machen inzwischen rund ein Viertel des Konzernumsatzes aus.

Herr Klopp, ein Fußballteam, egal wo, besteht ja auch aus wie vielen Nationen. Um diese Teams zu führen, braucht man bestimmte Qualitäten, besonders dann, wenn es darum geht, sie wirklich gut zu machen. Gibt es da Parallelen zwischen dem Sport und der Wirtschaft?

Klopp: Na klar, aber ich würde es differenziert betrachten. Die Parallelen sind da, aber nicht so groß, wie man glauben könnte. Schauen Sie, Liverpool FC zum Beispiel hat amerikanische Eigentümer, und wir sind sehr glücklich mit ihnen. Sie beachten unsere Traditionen, helfen uns aber auch bei der Weiterentwicklung. Und das Spiel Fußball wird, anders als derzeit die Mobilität, auch nicht mehr neu erfunden.

Naja, wenn man jetzt mal Spiele von vor 30 Jahren im Fernsehen anguckt, da würde ich sagen, hat sich dieser Sport aber schon verändert?

Klopp: Ja, natürlich, die Jungs sind viel fitter als früher, es gibt ganz andere Trainingsmethoden. Aber es ist noch immer dasselbe Spiel.

Letztlich geht es also um die Körner, die man im Tank hat …

Klopp: Völlig richtig, die Ernährung der Sportler ist wichtig. Da hat sich viel verändert. Und da passt dann auch die Parallele zum Auto wieder: Auch da kommt jetzt eine andere Energie rein.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Knop, Carsten
Carsten Knop
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