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Tech-Talk

Konto steht Kopf

Von Rüdiger Abele
 - 10:42

Die Spatzen pfeifen es grell von den Dächern: Die Digitalisierung macht ganz neue Dinge möglich. Manchmal sind sie simpel. Zum Beispiel das Auffrischen motorischer Fähigkeiten bei einer Kontoeröffnung. Das klingt in dieser Verknüpfung eigenwillig, aber steigen wir doch einfach ins Szenario: Man will einer Direktbank das Vertrauen schenken. Diese prüft per so genanntem Video-Ident-Verfahren, ob die Person echt ist.

Als nicht mehr taufrischer, aber hypermoderner User installieren wir dazu auf dem Tablet die passende App. Sie startet per Tipper auf den Touchscreen, puh, das wäre geschafft. Der Begrüßungstext ist einwandfrei lesbar. Das ist toll. Denn als die App in den Videomodus schaltet, um über eine Fernleitung, aber im direkten Dialog mit einem Bankmitarbeiter – nennen wir ihn Herrn Müller – alle Schritte durchzuführen, steht Müller Kopf. Er begrüßt freundlich, Scheitel nach unten. Erst das Fuchteln mit dem Tablet und seinen Bewegungssensoren lässt ihn in die richtige Orientierung kippen.

Wahrscheinlich vermutet Herr Müller schon, dass der vor seinen Augen hantierende Kunde eben nicht ganz echt ist. Aber er behält die Contenance und führt durch die offizielle Identifizierung mit dem Personalausweis als Nachweisdokument. Dazu gehört, diesen in die Kamera und genau innerhalb einer Markierung auf dem Bildschirm zu halten. Die Hürde jetzt: Die App wünscht die spiegelverkehrte Bewegungsausführung. Die Hände nach rechts bewegen bedeutet einen nach links wandernden Ausweis im Fenster. Herr Müller sagt, das sei nicht ganz einfach.

Der Mann hat Erfahrung. Wir meistern es und damit die Identifizierung und klopfen uns seitenrichtig auf die Schulter. Vermutlich hängt irgendwo eine versteckte Kamera, und der letztendlich erfolgreiche Auftritt landet in einer spaßigen Youtube-Serie mit kontoeröffnenden Menschen. Denn da gehört er hin und nicht ins Bankgeschäft.

Quelle: F.A.Z.
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