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Prototyp

Rätsel um abgestürztes Elektroflugzeug

Von Jürgen Schelling
 - 14:39
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Der Prototyp eines Elektroflugzeugs vom Typ eFusion des ungarischen Herstellers Magnus Aircraft mit Antriebstechnik und Akkus von Siemens eAircraft an Bord ist in Ungarn abgestürzt. Dabei kamen der erfahrene Pilot und ein Mitflieger ums Leben. Die Gründe für den Absturz sind noch völlig ungeklärt.

Die zweisitzige Propellermaschine brannte am Boden komplett aus. Bis die ungarischen Flugunfallermittler erste Erkenntnisse über mögliche Ursachen des Absturzes haben, wird es allerdings vermutlich mehrere Wochen oder sogar Monate dauern.

Die Einmotorige aus Ungarn zählt bei Flugzeugen bis zwei Tonnen Gewicht mit zu den ersten Elektroflugzeugen. Die Sparte eAircraft der Siemens AG steuert in Zusammenarbeit mit der ungarischen Siemens-Tochtergesellschaft ihren Elektromotor und Akkus für die zweisitzige Maschine bei, die noch dieses Jahr in Serie produziert werden sollte.

Drei dieser rein elektrischen Flugzeuge vom Typ eFusion waren bereits seit mehreren hundert Flugstunden ohne Probleme in der Flugerprobung. Einer dieser Prototypen stürzte am 31. Mai unmittelbar neben dem ungarischen Flugplatz Pecs bei einem Testflug ab.

Drei weitere Elektroflugzeuge des Typs eFusion, darunter eines mit einem Hybridantribe, bleiben laut Siemens aus Sicherheitsgründen am Boden, bis erste Erkenntnis der Unfallforscher über mögliche Ursachen des Absturzes geklärt sind. Der Hersteller Magnus Aircraft baut den Zweisitzer alternativ auch mit einem 80 PS starken Vierzylinder, deswegen sieht die optisch nahezu identische Elektroflugversion unspektakulär aus und ist nur von Fachleuten von der Verbrennerversion zu unterscheiden. Die eFusion wiegt mit Akkus ohne Piloten 410 Kilo, maximal darf sie mit 600 Kilogramm Gewicht abheben. Der Siemens-Elektromotor leistet 55 KW. Als Besonderheit darf mit diesem Elektroflugzeug sogar leichter Kunstflug wie Rollen oder Looping absolviert werden.

Als nächster großer Entwicklungsschritt bei Siemens eAircraft ist eigentlich der Austausch einer herkömmlichen Turbine durch einen elektrischen Fanantrieb an einem Airliner vom Typ BAe146/Avro RJ geplant. Die Bae 146 ist ein vierstrahliges Verkehrsflugzeug aus Großbritannien, das über zwei Jahrzehnte hinweg bis 2003 gebaut wurde und rund 100 Passagieren Platz bietet. Einen derartigen Erprobungs-Kraftakt schafft die eAircraft-Sparte von Siemens aber nicht allein. Deshalb kooperiert der Münchner Konzern mit den Luftfahrtgiganten Airbus und Rolls-Royce Aerospace bei diesem Projekt.

Geplant ist, die rumpfnahe Turbine an einer Tragfläche gegen den elektrischen Fan auszutauschen. Da die Bae146 auch mit nur drei Triebwerken voll flugfähig ist besteht so kein Risiko bei den Erprobungsflügen. Der E-Fan soll rund zwei Megawatt Leistung bringen und sowohl durch Akkus als auch durch einen mitlaufenden Generator gespeist werden.

Ob der Absturz der eFusion in Ungarn das Elektroflugprogramm von Siemens und Magnus Aircraft bremst oder gar zurückwirft, werden wohl erst die nächsten Wochen und Monate zeigen. Vermutlich wird dabei auch die mögliche Absturzursache eine Rolle spielen, falls sie tatsächlich herausgefunden werden kann. Das könnten technische Probleme, Pilotenfehler oder eine mögliche Erkrankung des 61-jährigen Piloten aus dem Team von Magnus Aircraft sein. Lediglich das Wetter scheint als mögliche Unfallursache auszuscheiden: Der Absturz ereignete sich laut ungarischer Polizei wohl bei Sichtflugbedingungen unmittelbar während einer sogenannten Platzrunde direkt neben dem Flugplatz Pecs.

Quelle: FAZ.NET
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