ADAC-Test Raststätten

Hygiene hui, Familie pfui

Von Hans Riebsamen
10.07.2007
, 11:24
Jede fünfte Raststätte in Europa ist im neuen ADAC-Test durchgefallen. Allerdings wurde auch ein knappes Drittel der getesteten Anlagen mit „gut“ bewertet. Testsieger mit der Note „sehr gut“ wurde eine deutsche Raststätte.
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Autofahrer, die auf der italienischen Autostrada 10 nach Frankreich unterwegs sind, sollten einen großen Bogen um die Raststätte „Ventimiglia Autoport Nord“ machen. Denn dort sind die Toiletten und Duschen in einem derart verkommenen Zustand, dass den Testern des ADAC die Wort zur Beschreibung fehlten. Behinderte und Kinder, so urteilten sie nach zwei Test-Besuchen, scheinten hier gänzlich unwillkommen zu sein - die Behinderten-Toilette befinde sich Keller, einen Fahrstuhl dorthin gebe es nicht, nach einem Wickeltisch suchten Eltern vergeblich. Beim Euro-Test der europäischen Automobilclubs, den der deutsche ADAC federführend veranstaltet hat, bekam der „Autoport Ventimiglia“ denn auch ein „sehr mangelhaft“.

Während „Ventimiglia“ der zweifelhafte Titel „schlechteste Raststätte“ Europas zugefallen ist, darf sich die deutsche Raststätte „Medenbach Ost“ an der A 3 Frankfurt-Köln zwischen Wiesbadener Kreuz und Wiesbaden-Niedernhausen als beste Rastätte des Kontinents rühmen. Die ADAC-Tester lobten die Familienfreundlichkeit von „Medenbach Ost“, den hohen hygienischen Standard der Raststätte und deren Gastronomie. Nur das Fehlen von Zebrastreifen auf dem Außengelände bemängelten die Prüfer - doch dafür sind die Behörden verantwortlich, weil sie Zebrastreifen außerhalb geschlossener Ortschaften nicht erlauben.

Die fast perfekte „Medenbach Ost“

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Beim diesjährigen Raststätten-Test hat der ADAC 65 Anlagen in zwölf Ländern geprüft, wobei er dieses Mal besonderen Wert auf Familienfreundlichkeit und Sicherheit legte. Dabei hat sich herausgestellt, dass die desolate Raststätte „Ventimiglia“ und die fast perfekte „Medenbach Ost“ keineswegs Ausreißer in ihren Ländern darstellen. Vier von sieben getesteten italienischen Raststätten erhielten die Note „mangelhaft“, zwei die Note „ausreichend“. Für Max Stich, den ADAC-Vizepräsidenten für Tourismus, der am Montag in Frankfurt die Ergebnisse gleichzetig mit den Automobilclubs der anderen Ländern vorstellte, stellt das schlechte Abschneiden Italiens keine Überraschung dar. Schon in früheren Jahren hätten italienische Raststätten ein schlechtes Bild abgegeben, die Betreiber dort hätten es versäumt, die vor zwei, drei Jahrzehnten noch vielgerühmten Anlagen zu modernisieren.

Bild: F.A.Z.

Dagegen glänzen die deutschen Raststätten auf der ganzen Linie. Neben dem „sehr gut“ für Medenbach erhielten von den sieben in diesem Jahr geprüften Raststätten vier die Note „gut“ und zwei die Note „ausreichend“. Schlechter stehen allerdings die deutschen Autohöfe dar, dort sind die Einrichtungen für Kinder und Familien noch nicht besonders gut ausgebaut, dafür liegen ihre Preise niedriger als die von Raststätten. Österreich kommt mit viermal „gut“ und dreimal „ausreichend“ auf den zweiten Platz. Nur einen hinteren Rang erreichten Großbritannien und Belgien, auch Spanien kommt über ein Mittelmaß nicht hinaus. Die Tester des ADAC waren vom 20. März bis zum 10. April inkognito unterwegs, jede der getesteten Raststätten erhielt zweimal Besuch, wobei jeweils zwei verschiedene Tester die Anlage nach einem vorgegebenen Kriterienkatalog unter die Lupe nahmen.

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Fehlende Spielplätze oder Picknickplätze, unakzeptable Wickeltische und zu wenige Kinderstühle in den Restaurants - auf solche Mängel sind die Tester häufig gestoßen. Zwei Drittel der Anlagen genügen in der Kategorie Familienfreundlichkeit den Ansprüchen nicht, welche die europäischen Automobilclubs an moderne Raststätten stellen. Dagegen hat sich nach Angaben des ADAC die Hygiene während der vergangenen Jahre kontinuierlich verbessert. Mehr als 40 Prozent der Keimproben von Toilettensitzen, Toiletten-Türgriffen und Wickeltischen waren hygienisch einwandfrei. Aber immerhin fanden die Prüflabors bei jeder siebten Probe Fäkalkeime und Erreger von Wundinfektionen. Die Sitze der Herrentoiletten sind weiterhin der größte Herd von Keimen.

Quelle: FAZ.NET
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