Car of the year 2021

Toyota Yaris ist Auto des Jahres

Von Holger Appel
01.03.2021
, 16:22
In einem von außergewöhnlichen Umständen begleiteten Finale hat sich der Toyota gegen sechs weitere starke Konkurrenten durchgesetzt. Die F.A.Z.-Leser hatten den VW ID 3 auf Platz eins gesehen.

Seit 1964 wird die Auszeichnung „Car of the Year“ vergeben, in Deutschland bekannt als „Auto des Jahres“. Der begehrteste Preis der Automobilindustrie wird gewöhnlich im Rahmen einer festlichen Veranstaltung mit etwa 400 Gästen auf dem Autosalon in Genf verliehen. Doch schon im Vorjahr war alles anders, aus Sorge vor einer weiteren Verbreitung des Coronavirus war der Salon in Genf abgesagt worden.

In diesem Jahr ist die Messe erst gar nicht in den Veranstaltungskalender gerückt und es gibt Zweifel, ob die traditionell im Frühjahr und in eher persönlichem Rahmen stattfindende Automesse überhaupt eine Zukunft hat. Der Veranstalter zeigte sich während der Zeremonie am Montag gleichwohl zuversichtlich, dass es im Jahr 2022 wieder einen Genfer Autosalon geben werde. Form und Inhalt sollten sich verändern, die Messe solle eine Plattform für alle Facetten der Autoindustrie und ihre Wachstumsfelder werden, hieß es. Gespräche mit Investoren und Herstellern seien auf der Zielgeraden, in wenigen Wochen werde es ein Ergebnis zu verkünden geben.

Die international besetzte Jury zeigte ihre Verbundenheit zu ihrem langjährigen Kooperationspartner durch außergewöhnlichen Einsatz. Die drei Präsidiumsmitglieder Frank Janssen, Alberto Sabbatini und Velimatti Honkanen sind eigens zur Preisverleihung nach Genf gereist. Nur 20 Personen durften in die Messehalle. Und sieben Autos, die Finalisten nämlich.

Die Auszählung fand also vor leeren Rängen statt, die Kür des Gewinners war gleichwohl spannend wie immer und knapp wie selten. Das Car of the Year 2021 ist der Toyota Yaris.

Die Jury überzeugte das gute Konzept des Kleinwagens. Er zeige auf beachtliche Weise eine Spanne von Vernunft bis Emotion, denn neben dem wegweisenden Hybridantrieb gebe es auch eine 260 PS starke Gazoo Racing-Version. Der Yaris gewinnt in der nunmehr vierten Generation zum zweiten Mal. Die Japaner holten die Trophäe schon im Jahr 2000. Der Yaris erhielt 266 Punkte. Den zweiten Platz erreichte der Fiat 500 mit 240 Punkten, den dritten der Cupra Formentor denkbar knapp dahinter mit 239 Punkten. Unter den deutschen Juroren lagen der VW und der Fiat vorn.

Das Ergebnis ist so von den wenigsten erwartet worden, aber auch ein Beweis, dass mit Emotion der Geschmack der Jury und vermutlich auch der Kundschaft getroffen wird. Das frische und mutige Design des Yaris kommt gut an, der Fiat 500 ist ein Herzensbrecher. Die größte Überraschung gelang der zu Seat gehörenden neuen spanischen Marke Cupra mit ihrem sportlich orientierten Modell Formentor.

Die finale Reihenfolge: Toyota Yaris, Fiat 500, Cupra Formentor, VW ID3, Skoda Octavia, Land Rover Defender, Citroen C4.

Auf der Leinwand wurden die von der Jury vergebenen Punkte Land für Land angezeigt und addiert, ähnlich wie im Eurovision Song Contest. Vergeben wird die Auszeichnung alljährlich unter den interessantesten Neuerscheinungen der vergangenen zwölf Monate In diesem Jahr waren 59 Fachjournalisten aus 22 Ländern Europas stimmberechtig, auch der Autor dieser Zeilen. Wegen der Unabhängigkeit, Transparenz und der professionellen Jury gilt der Titel als erstrebenswerter als alle anderen. Es gibt nur einen Sieger, keine Unterkategorien. Die Bewertung der Jury ist auf caroftheyear.org öffentlich einsehbar.

Die Kriterien sind streng. Jedes Jurymitglied muss persönlich jedes Auto gefahren haben, welches es beurteilen möchte. Damit wird sichergestellt, dass die Eindrücke authentisch sind, die Chancen exotischer Marken schrumpfen indes, weil nicht jeder Hersteller willens oder in der Lage ist, alle Journalisten auf eine Testfahrt mitzunehmen. Gerade in diesem Jahr haben die Hersteller besondere Anstrengungen unternehmen müssen, um Testwagen und Jury zusammenzubringen. Das große logistische Engagement aller sieben Finalisten zeigt, welche Bedeutung sie dem Preis zumessen. Einige Jurymitglieder neigen dazu, teuren Fahrzeugen wenig Punkte zu geben, weil sie nur einen kleinen Teil Kundschaft erreichen. Das erklärt vermutlich, warum die technisch ohne Zweifel fulminante Mercedes-Benz S-Klasse es nicht mal ins Finale geschafft hat. Es gibt Mitglieder, die das für falsch halten. Auffällig und aus deutscher Sicht bedenklich ist so oder so, dass weder BMW noch Mercedes, Audi oder Porsche unter den diesjährigen Finalisten sind. Allein VW hat den elektrischen ID 3 dorthin gebracht.

In den Statuten steht, Innovation solle eine entscheidende Rolle in der Stimmvergabe spielen. Allerdings wird auch das Preis-Leistungs-Verhältnis angeführt. Und Design spielt, weil es als Kaufgrund Nummer eins gilt, eine große Rolle. Grundsätzlich aber sind die Jurymitglieder frei in ihrer Entscheidung, was auch dadurch unterstrichen wird, dass alle ihre Reise- und Unterbringungskosten zum gewöhnlich auf einer abgeschirmten Teststrecke nahe Paris stattfindenden finalen Test selbst tragen. In diesem Jahr ist der gemeinsame Test Corona zum Opfer gefallen, jedes Jurymitglied musste seine Runden allein zuhause drehen. Doch weder Hersteller noch Juroren haben die Mühen gescheut, in der Verpflichtung, ein verlässliches Ergebnis zu produzieren. Zur Unabhängigkeit zählt auch unverändert, dass die Organisation keinen Sponsor aus der Industrie hat, sondern von nunmehr neun Medienhäusern aus Europa getragen wird.

Gewonnen in der Lesergunst hat der VW ID 3

Aus der Vielzahl der Neuerscheinungen wurde zunächst eine Liste von neunundzwanzig Fahrzeugen erstellt, die in die engere Wahl kamen. Aus ihr wurden die sieben Finalisten gewählt. Sie alle dürfen sich als Gewinner fühlen.

Eine kleine eigene Tradition des Ressorts Technik und Motor der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist schon, dass wir unsere Leser fragen, welches Modell sie gewählt hätten. Die Teilnahme war auch in diesem Jahr wieder erfreulich rege. Es wurden bis Montagnachmittag 4300 Stimmen abgegeben. Gewonnen in der Lesergunst hat der VW ID 3 vor Skoda Octavia und Land Rover Defender. Der ID 3 erhielt 37 Prozent der Stimmen, der Octavia 14 Prozent, der Land Rover 12 Prozent. Der Toyota Yaris, kaum zu glauben, belegte mit 7 Prozent den letzten Platz.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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