Das Siegerauto, ein 1956er Ferrari 250 GT TDF, beim Abschluss-Feuerwerk
Das Siegerauto, ein 1956er Ferrari 250 GT TDF, beim Abschluss-Feuerwerk Foto: BMW Group

Feuerwerk der Eitelkeiten

Text und Fotos von BORIS SCHMIDT
Das Siegerauto, ein 1956er Ferrari 250 GT TDF, beim Abschluss-Feuerwerk Foto: BMW Group

12. Oktober 2021 · Am Comer See in der Villa d'Este treffen sich, sofern es die Pandemie nicht verhindert, jährlich Oldtimer-Freunde um ein rauschendes Fest mit schönen alten Autos zu feiern.

Am ersten Wochenende im Oktober haben sich in Cernobbio am Comer See wieder Oldtimer-Freunde aus vieler Herren Ländern getroffen, um sich auf dem „Concorso d’Eleganza“ in der traditionsreichen Villa d’Este einer Art Schönheitswettbewerb hinzugeben und in verschiedenen Klassen Sieger zu küren und natürlich den „Best of Show“.

Veranstaltet wird der Concorso gemeinsam von BMW und dem Luxushotel, das seit 1873 in der Villa untergebracht ist, die im 16. Jahrhundert für den Kardinal von Como gebaut worden war. Die Tradition der Oldtimer-Wettbewerbe reicht bis ins Jahr 1929 zurück, BMW hat sie 1999 wiederaufleben lassen und kümmert sich unter Federführung von BMW Classic um die Veranstaltung, ohne dabei Einfluss auf den Wettbewerb zu nehmen. Wer teilnehmen darf und wer später zum Sieger gekürt wird, entscheiden zwei unabhängige Komitees, die mit Experten aus der Oldtimer-Branche besetzt sind. Aber selbstverständlich nutzt BMW die Villa als Plattform, um am Rande doch den einen oder anderen Neuwagen zu zeigen oder einen oder mehrere Prototypen vorzustellen. So standen neue Rolls-Royce ebenfalls im weitläufigen Park um das Hotel, und das nagelneue Einzelstück Rolls-Royce Boat Tail hatte einen großen Auftritt. 

Der ungewöhnliche Isotta ­Fraschini 8C Monterosa von 1948
Der ungewöhnliche Isotta ­Fraschini 8C Monterosa von 1948 Foto: BMW Group
Schick gemacht: Sich im Stil der jeweiligen Zeit zu kleiden gehört zum guten Ton.
Schick gemacht: Sich im Stil der jeweiligen Zeit zu kleiden gehört zum guten Ton.

Auf Wunsch eines Kunden wurde in Goodwood das 5,30-Meter-Cabriolet Dawn zu einem luxuriösen Picknick-Korb umgebaut. In dem einem Bootsheck nach­empfunden Abschluss des Rolls-Royce verstecken sich alle Utensilien, die für ein standesgemäßes Freiluft-Dinner gebraucht werden, nebst einem aufklappbaren Sonnenschirm in Wagenfarbe. Helmut Käs, der neue Chef von BMW Classic, sieht den Concorso auch als Gelegenheit, mit Kunden zu sprechen, an die man sonst nicht so einfach herankomme. Für solche hatte BMW wohl den amerikanischen Künstler Jeff Koons eingeladen, der eine limitierte Edition des BMW 850i XDrive Gran Coupé gestalten wird. Ein Exemplar des rollenden Kunstwerks war in Cernobbio versteckt zu sehen, Fotografieren war jedoch streng verboten. Premiere soll erst auf einer Kunstmesse im Februar 2022 in Los Angeles sein. BMW hat seit 1975 immer wieder (neue) Autos unter dem Titel „Art Car“ von namhaften Künstlern bemalen lassen, genannt seien nur Calder, Lichtenstein, Warhol, Penck, Hockney oder auch Koons (2010). Doch zurück zu den Oldtimern.

Ein 1930er Lancia Dilambda kann das ideale Auto für den Ausflug mit der Familie sein.
Ein 1930er Lancia Dilambda kann das ideale Auto für den Ausflug mit der Familie sein.

In diesem Jahr war es keine Veranstaltung wie üblich. 2020 war ausgefallen, kein Concorso wegen Corona, und 2021 wurde die Veranstaltung wegen der Pandemie vom Mai in den Oktober verlegt. Außen vor blieb das breite Publikum, die benachbarte Villa Erba wurde nicht in die Show einbezogen, für den Kern der Veranstaltung waren nicht mehr als 800 Menschen, die alle geimpft sein mussten, zugelassen. Sonst treffen sich bis zu 1200 geladene Gäste zum Concorso. Es war somit alles etwas luftiger als sonst. 2022 will BMW Classic wieder in den Mai gehen, möglichst nach dem alten Konzept und mit der Villa Erba, ob aber Motorräder wieder Teil der Show sind, sei noch offen, sagte Helmut Käs. Der BMW-Manager will mehr neuere Fahrzeuge in den Concorso integrieren, jetzt waren schon die Hypercars der Neunzigerjahre als jüngste Klasse dabei.

Auto zu klein oder Fahrer zu groß? Rennwagen Osca MT4 Siluro von 1949
Auto zu klein oder Fahrer zu groß? Rennwagen Osca MT4 Siluro von 1949
Der Mercedes-Benz 300 SL gilt vor allem als Flügeltürer als eine der deutschen Oldtimer-Ikonen
Der Mercedes-Benz 300 SL gilt vor allem als Flügeltürer als eine der deutschen Oldtimer-Ikonen

Weniger Menschen bedeuten mehr Platz zum Flanieren und eine bessere Sicht auf die knapp 50 Autos, die am offiziellen Concorso teilnehmen. Und am Samstag spielte das Wetter mit, was sich vom Sonntag leider nicht mehr sagen lässt. Schauen und Genießen ist das Motto, und man darf sich zu Recht am alten, schönen Auto erfreuen. Jeder Oldtimer ist schon gebaut, er verschwendet keine Ressourcen mehr, und gefahren werden die teuren Schätze ohnehin kaum. Zwar war es einigen Teilnehmern gelungen, trotz der Reisebeschränkungen aus Amerika oder auch aus Japan zu kommen, das Gros der Teilnehmer stammt freilich aus Europa. Auf eigener Achse an den Comer See mussten sich die wenigsten der Pretiosen bemühen, Ian Maxwell-Scott war mit seinem 1965er Aston Martin DB5 jedoch aus London angereist. Das brachte ihm einen Sonderpreis für die weiteste Anfahrt an. „Die Autos sind ja auch zum Fahren da“, scherzte Präsentator Simon Kidston, der zu jedem der an ihm und der Jury vorbeiflanierenden Fahrzeuge viel zu erzählen wusste. Meist hatten sich Besitzer und Passagiere im Stil der jeweiligen Zeit eingekleidet, was nicht ohne Einfluss auf die Wertung blieb. Das älteste Fahrzeug war ein 1920er Rolls-Royce Silver Ghost 40/50 High Speed aus der Schweiz, das ungewöhnlichste vielleicht der Isotta Fraschini 8C Monterosa. Dieses riesige Cabriolet aus dem Jahr 1948 hat einen kleinen V8-Motor mit knapp drei Liter Hubraum im Heck, den Tank vorne und das Reserverad in einer Schublade unter dem vermeintlichen Kühler. Der italienische Hersteller wollte kurz nach dem Krieg zeigen, was technisch möglich ist, als Neuwagen war das Auto schon einmal beim Concorso. Es entstanden nur zwei Exemplare; das Concorso-Modell verbrachte Jahrzehnte in einer Halle, es hat noch nicht einmal zehn Kilometer auf dem Tacho.

Klassische Musik zu klassischen Autos. Im Hintergrund stehen neue Rolls-Royce.
Klassische Musik zu klassischen Autos. Im Hintergrund stehen neue Rolls-Royce.
Zaungast: Dieser SL nahm nicht am Concorso teil, wohl aber ein baugleiches Model
Zaungast: Dieser SL nahm nicht am Concorso teil, wohl aber ein baugleiches Model

Eine Erwähnung verdient zudem das Steyr 220 Sport-Kabriolett mit Gläser-Karosserie aus dem Jahr 1939. Der Besitzer stammt aus Lettland, er empfiehlt wärmstens das Automobilmuseum in Riga, es sei eines der schönsten in Europa. In der gleichen Klasse wie der Steyr startete ein BMW 328 von 1938, einer von zwei BMW, die am Concorso teilnahmen. Der andere war ein 507 von 1959. Das von Carl Graf Goertz entworfene Cabriolet kann als die Ikone unter den BMW-Klassikern gelten. Best of Show wurde schließlich ein Ferrari 250 GT Tour de France aus dem Jahr 1956.

Das hübsche Fiat-Coupe 8V von 1953.  Sein V8-Motor hat nur zwei Liter Hubraum.
Das hübsche Fiat-Coupe 8V von 1953. Sein V8-Motor hat nur zwei Liter Hubraum. Foto: BMW Group
F.A.S.

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